Calbe l Hinter dem englischen Begriff Streetwork steckt die Straßensozialarbeit. Das Besondere an der Streetwork-Methode liegt darin, dass Sozialarbeiter beziehungsweise Sozialpädagogen sich direkt in den Lebensraum von problembehafteten Zielgruppen begeben. Dort nehmen sie Kontakt mit ihnen auf und stellen eine Verbindung zu ihnen her. Sie kommen mit Themen wie Drogen, Missbrauch, häusliche Gewalt, Verwahrlosung, Arbeitslosigkeit und Verschuldung in Berührung. Streetworker beraten und vermitteln, nehmen ihre Klienten an die Hand auf dem Weg zu Polizei, Jugend-, Sozial- oder Arbeitsamt.

Steffi Gutjahr (49) leistet diese Arbeit seit vielen Jahren in Calbe, wo sie bei der Stadt angestellt ist. Ihr Mobiltelefon ist immer dabei, auch nach Feierabend ist sie Vertrauensperson. Sie kennt die Probleme vieler Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, die in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werden. Aktuell füllt sie damit eine halbe Personalstelle aus, die andere Hälfte ist sie als Leiterin des städtischen Kinder- und Jugendhofes und für die Kinder- und Jugendarbeit in Calbe, Schwarz und Trabitz zuständig.

Laut Beschlussvorlage der Stadtverwaltung soll diese freiwillige Aufgabe der außerschulischen Jugendbildung und Streetworkerin im Zuge der Haushaltskonsolidierung ab kommenden Jahr von 20 auf 5 Wochenstunden reduziert werden. Derzeit befinden sich nach Aussage der Stadt neun Fälle in der aktiven Betreuung durch die Streetworkerin. „Es soll eine aktivierende Unterstützung zur Selbsthilfe sein, mehr eigentlich nicht“, erklärt Bürgermeister Sven Hause, der betont, die Stelle nicht komplett streichen zu wollen. Steffi Gutjahr bleibe über den Einsatz in städtischen Kindertageseinrichtungen weiterhin insgesamt für 40 Wochenstunden beschäftigt.

„Nach dieser Vorlage hat sie damit rund eine halbe Stunde pro Fall pro Woche. Und das ist sehr wenig“, sagte Ulrich Wurbs (ALC/SPD), der die jüngste Sitzung des Sozialausschusses leitete. Fraktionskollege Torsten Göhr hätte Steffi Gutjahr gern beim Ausschuss zur Klärung von Fragen dabei gehabt. „Traurig,das an falscher Stelle gespart wird.“ Anja Naumann stellte für die CDU/FDP-Fraktion den Antrag, lediglich eine Reduzierung um 5 auf 15 Wochenstunden vorzunehmen, dem mehrheitlich gefolgt wurde. „Ehrlich gesagt, war ich beim Lesen der Beschlussvorlage entsetzt“, sagt ALC/SPD-Fraktionschef Mario Kannegießer im Hauptausschuss. „Wir müssen in diesem Bereich weiter aktiv bleiben, bevor sich problemhafte Fälle zu wirklichen Problemen entwickeln.“ „Mit fünf Wochenstunden kann nichts gestemmt werden“, meinte Alexander Sieche (CDU/FDP). „Die Streetworkerin ist enorm wichtig, zumal die Drogenprobleme an den Schulen weiter zunehmen“, meinte Kerstin Lorenz (die Linke/WG Calbe). Der Kürzung um lediglich fünf Wochenstunden Streetwork wurde einstimmig gefolgt.

Das letzte Wort hat der Stadtrat, der am 10. Dezember ab 18 Uhr öffentlich im Grundschul-Speiseraum tagt.