Schönebeck l „Eigentlich war es alles andere als weihnachtlich, als ich die Choralkantate ‚Wie soll ich Dich empfangen‘ komponiert habe“, erzählt Carsten Miseler. Obwohl er mit der Arbeit an dem Werk im September bei 35 Grad im Schatten begann, kam die Inspiration für die Kantate aus dem gleichnamigen alten Adventslied „Wie soll ich dich empfangen“. „Ein Lied, über das ich schon fast mein ganzes Leben lang nachdenke“, erkärt der Musiker. Für ihn geht es bei dem alten Text von Paul Gehardt um die Begegnung und die Frage nach dem Ankommen. Eine Frage, die er auch im Kontext unserer heutigen Zeit noch auf vielen Ebenen als sehr zutreffend empfindet.

Stolz auf den eigenen Chor

Vor allem wenn es um das Ankommens geht, weiß Carsten Miseler sehr gut, wovon er spricht. Nach seinem Studium in Görlitz und Halle lebte der Kirchenmusiker nämlich zunächst für 15 Jahre im Thüringer Ort Bleicherode und war dort als Kreiskantor tätig. Nach Schönebeck ging es für ihn vor zwei Jahren zusammen mit seiner Frau Ulrike Miseler und seinen vier Kindern Hannah (7), Stephan (10), David (13) und Jacob (15). „Als Musiker sind die Möglichkeiten hier vielfältiger“, begründet er seinen Umzug. So spielt Carsten Miseler nicht nur an der Orgel in der St.-Jakobi-Kirche und der St.-Johannis-Kirche in Schönebeck, sondern leitet auch den Kinderchor und den Erwachsenen-Chor, die „Schönebecker Kantorei“.

Letzterer wird auch, zusammen mit der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie, in der Choralkantate zum Einsatz kommen. „Voller Bewunderung und Stolz beobachte ich die Entwicklung des Chores“, sagt Miseler. „Die Chormitglieder sind mit vollem Einsatz dabei und ich fühle mich geehrt, meinen eigenen Chor leiten zu dürfen.“ Genau diese Freude über das Ankommen in seiner Wahlheimat war der Auslöser dafür, dem alten Adventslied ein neues Klang-Gewand zu geben und das Werk mit der „Schönebecker Kantorei“ und der Kammerphilharmonie uraufzuführen.

Als Konditor in Fußstapfen des Onkels ge

Dass es jemals dazu kommen würde, dass er als Musiker sein täglich Brot verdient, war für Miseler keineswegs selbstverständlich. Gelernt hat er vor seinem Kirchenmusik-Studium einen ganz anderen Beruf. „Nach der Schule hatte ich erstmal Lust, etwas mit den Händen zu schaffen und trat als Konditor in die Fußstapfen meines Onkels“, verrät der Wahl-Schönebecker. Nach seiner Ausbildung als Konditor war es dann doch die Musik, die ihn in seinen Bann zog. „Es war wahrscheinlich einfach meine Berufung, Kirchenmusiker zu werden“, erzählt er.

Bei dem Adventskonzert werden neben Carsten Miselers Uraufführung zusätzlich Werke von Johann Sebastian Bach und dem Zeitgenossen John Rutter zu hören sein. Besonders freut sich der Komponist Miseler auf den feierlichen Abschluss des Adventskonzertes. „Dann werden alle gemeinschaftlich auf ‚Tochter Zion‘ einstimmen“ verrät er. Er hofft, dass das gemeinschaftliche Singen ein „Leuchten“ durch die Sitzreihen der Kirche bringen wird, welches bei Besuchern sowie Musikern spürbar wird. Denn der Kirchenmusiker ist davon überzeugt: „Musik fängt da an, wo Sprache aufhört“.

Das Adventskonzert findet am Sonnabend, 12. Dezember, ab 17 Uhr in der St.-Jakobi-Kirche in Schönebeck statt. Karten kosten im Vorverkauf 9 Euro und an der Abendkasse 10 Euro. Vorverkauf unter Telefon (03928) 40 48 87 oder unter Telefon (03928) 69 03 40.