Der tote Ex-Hausmeister Kasupke lag im Keller. Die Spurensicherung war noch nicht eingetroffen. In einer Ecke des Raumes kauerte eine Frau auf einem Stuhl und drückte sich einen Eisbeutel auf den Hinterkopf. „Sie sind die Putzfrau, richtig?“ fragte der Kommissar. Schniefend, aber mittlerweile etwas gefasster, antwortete die 58-Jährige: „Feudelmann, Renate, ich sollte hier putzen. Und dann liegt der da.“

Bei Krall machte es plötzlich ‚Klick‘. „Mensch, Renate, erkennst du mich nicht?“, sagte er. „Du hast doch bei Ute und mir in der Akazienstraße immer mal im Steingarten geholfen. Wie lang ist das her? 15 Jahre?“

Feudelmann wurde noch ein wenig blasser. „Ach, Harry, du bist es, du bist ja, äh, ganz schön stattlich geworden. Tat mir sehr leid mit dir und Ute.“

Krall schaute an sich hinab. Es war eines der größten Phänomene, dass ein Mensch die Veränderung an sich selbst immer langsamer wahrnahm, als andere. „Ich hab‘ ihn hier gefunden“, war es die Putzfrau, die auf das Geschehen zurückkam und neben sich in den Raum zeigte. Neben dem Leblosen lag ein Feuerlöscher. „Plärrer, Fingerabdrücke nehmen. Plärrer???“

Wie im Fernsehen

Der Assistent kam aus einem Nebenraum. „Chef, sie glauben nicht, was wir gefunden haben. Da steht eine Druckerpresse, Chemikalien. Auf den ersten Blick würde ich sagen, hier wurden Banknoten gefälscht.“

Der Kommissar hastete in den Nebenraum, er hatte erst vorgestern im Fernsehen eine Dokumentation über die Fabrikation von Falschgeld in den USA gesehen. Das was er hier sah, war eine andere Größenordnung, ähnelte aber in der Tat den Apparaturen, mit denen auch im Fernsehen hantiert worden war.

„Ich glaub‘, mich tritt ein Pferd. Und das in diesem verschlafenen Nest von Schönebeck.“ Waren in der stillgelegten Schule in den letzten Jahren Blüten hergestellt worden, und niemand hatte es gemerkt?

In einer Ecke stand ein Generator. „Vom Stromnetz unabhängig“, dachte er sich noch, als sein Blick auf die Kiste daneben fiel. Er holte eines der Geldbündel heraus. „Wer auch immer versucht hat, die Blüten abzutransportieren, hat eine Kiste vergessen, Plärrer. Plärrer?“ Der Assistent kam angelaufen. „Draußen ist mittlerweile ganz schön was los. Menschen über Menschen.“ Krall kratzte sich am Kinn. „Verdammt, Plärrer, was haben wir bislang?“ fragte der Kommissar seinen Assistenten. „Um zehn Uhr waren der Hausmeister und die Putzfrau verabredet, um 9.45 Uhr hatte Feudelmann nach eigener Aussage die offene Tür vorgefunden und kurz darauf Kasupke tot im Keller entdeckt. Ohne genaue Einschätzung der Spurensicherung können wir nur annehmen, dass Hausmeister Kasupke etwa eine halbe Stunde vorher seinem Mörder begegnet sein musste. Nichts deutet auf einen Kampf hin. Deshalb bin ich der Meinung, dass der Hausmeister von jemandem mit dem Feuerlöscher niedergestreckt wurde, den er kannte. Gehörte Kasupke zu den Geldwäschern oder musste er eliminiert werden, als kurzfristig bekannt wurde, dass die Schule, in der sich das Geldwäschelabor befindet, für die Flüchtlinge ertüchtigt wird? Außerdem: In dem ganzen Trubel ist der dämliche Zeitungsfotograf hier rumgestiefelt und, ja, ich finde Renate, also die Putzfrau, müssen wir ebenso in Betracht ziehen. Nicht zu vergessen: Im Prinzip könnte es jeder gewesen sein und sich längst aus dem Staub gemacht haben. Apropos Staub, wo bleibt jetzt die Spurensicherung?“

„Hab nochmal angerufen, sind auf dem Weg“, entgegnete Plärrer mit weinerlichem Unterton.„Wenn sie mich fragen, haben da einige Leute gemeinsame Sache gemacht, Kommissar.“ „Sehr spitzfindig Plärrer. Den Eindruck kann man bei einer kriminellen Unternehmung dieser Größe schon bekommen“, entgegnete er süffissant.

Der Magen des Kommissars grummelte immer stärker. Wenn das so weiter ginge, würde er gleich eine der Schultoiletten ansteuern müssen. „Übrigens Kommissar, eine winzige Kleinigkeit wäre da noch…“ Plärrer schaute, als würde er umgehend in Tränen ausbrechen: „Tja. Ein weiterer Verdächtiger sitzt draußen noch im Schnee ...“

(Jede Ähnlichkeit mit toten oder lebenden Personen oder Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ist nicht beabsichtigt und wäre rein zufällig.)