Schönebeck l In Deutschland leben? Als der jugendliche Kellner in einem Café in Jerusalem mit dem Schönebecker Philipp Körner ins Gespräch kommt, berichtet dieser ihm, dass er gerne in Deuschland leben würde. „Und gut die deutsche Sprache hatte er auch schon erlernt“, so Körner, der in der Stadt Schönebeck ehrenamtlicher Stadtrat ist.

Deutschland als Sehnsuchtsland? „Selbst die jungen Israelis lieben unser Land“, erzählt Körner. Vor allem deshalb, weil das Land zwischen Nordsee und Alpen liberal und weltoffen ist. Und vermutlich auch, weil die Lebenshaltungskosten im Vergleich zu Israel um einiges günster sind.

Das alles und noch viel mehr erfuhr der 24-Jährige. Er nahm in diesem Jahr an einem Jugendaustausch teil. Im Mai dieses Jahres kamen 150 Israelis nach Berlin und trafen dort auf 150 Deutsche. Dieser Tage fand der Austausch mit den gleichen Jugendlichen im Land im Nahen Osten statt. Dabei wurden gleich zwei Jubiläen gefeiert: 50 Jahre Deutsch-Israelische-Beziehungen und 60 Jahre Jugendaustausch.

Dass gerade nach den Schrecken des Zweiten Weltkieges und dem Holocaust Menschen aus beiden Ländern wieder zusammenfinden, ist zwar in der jüngeren Generation auf beiden Seiten eine Selbstverständlichkeit. Nicht jedoch bei Überlebenden der unfassbaren Gräultaten: Es gibt Menschen, die noch heute beim Klang der deutschen Sprache zusammenschrecken. Viele von ihnen haben nach der Emigration nie wieder einen Fuß auf deutschen Boden gesetzt.

„Uns ging es nun darum, wie ein Jugendaustausch auf beiden Seiten in Zukunft gestaltet werden könnte“, berichtet der Schönebecker. So wurden von den 300 Teilnehmern verschiedene Projektideen entwickelt. Dabei sollen moderne Themen aufgegriffen werden, Umwelt und Nachhaltigkeit spielen sowohl von deutscher als auch israelischer Seite eine bedeutende Rolle. „Eine Frage war zum Beispiel, wie arabische und türkische Deutsche in solche Veranstaltungen integriert werden können“, so Körner mit einem Fazit des Austausches.

Fünf Tage war er in Isreal. „Das waren fünf Tage volles Programm. Ein Urlaub mit touristischen Ausflügen sieht anders aus“, machte der Schönebecker deutlich. Besuche in der Knesset, dem Parlament des Landes, Yad Vashem, der Holocaust-Gedenkstätte, und anderen Orten dienten vorranging dem Kennenlernen mit anschließenden Gesprächen. So war Philipp Körner tief bewegt, als er mit einem Überlebenden des zusemmentraf.