Schönebeck l Den vergangenen Sommer wird Petra Grimm-Benne so schnell nicht vergessen. Ein Dutzend Künstler aus der Region hat die SPD-Landtagsabgeordnete besucht, dabei viele anregende Gespräche geführt und unzählige Bilder betrachtet. „Gemeinsam haben wir dann versucht, ein Bild auszuwählen“, sagt Grimm-Benne. Das Ziel war es, ausgewählten Kunstschaffenden die Möglichkeit zu geben, „ihre Werke und die Schönheiten unserer Heimat aus ihrer Sicht zu präsentieren“, erklärt sie.

Das Vorhaben ist offensichtlich mehr als geglückt. In dieser Woche konnte der Jahreskalender „Unsere Heimat, unsere Künstler“ vorgestellt werden. Darin versammelt sind zwölf für die Region repräsentative und sehr persönliche Motive von zwölf sehr unterschiedlichen Kreativen.

Für den Jahresauftakt hat sich die Politikerin gemeinsam mit Heinrich Huke junior für ein winterliches Motiv von dessen Vater, Heinrich Huke senior, entschieden. Es zeigt die St.- Johannis-Kirche in Bad Salzelmen - auf einem Pastell, mit Kreide gemalt. „Salzelmen ist im Winter besonders schön“, begründet Huke junior die Entscheidung für dieses Bild seines 1982 verstorbenen Vaters.

Bilder

Werke von Künstlern aus der Region

Er selbst steuert eine spätsommerliche Heimat-Impression bei: „Die Röthe im Schönebecker Busch“ bildet das Oktober-Motiv. Von der Idee, repräsentative Werke von Künstlern aus der Region in einen Kalender zu vereinen, ist Huke junior im Übrigen sehr angetan. „Das ist in dieser Form sicherlich so noch nicht dagewesen“, sagt der Schönebecker Künstler.

Nicht persönlich anwesend ist Günter Zenker. Der frühere Leiter des Schönebecker Kreismuseums hat den „Winter in Barby“ festgehalten. Zu Zenkers Februar-Motiv hat Waltraud Schallehn von der Autorengruppe „Treff“ die passenden Verse geschrieben: „Ein Stück Himmel fällt/ in den Februarmorgen/ färbt Häuser und Altschnee./ Ringsum bläst eilig der Wind,/ putzt Dächer und Fassaden blank,/ dabei singt er neue Lieder.“ Unter jedem Bild finden sich Reflexionen der Autorengruppe. Verse, die persönliche Gedanken zu den Bildern versammeln.

So auch bei einem Aquarell von Gabriele Krüger. 2013, zu Zeiten des Hochwassers in Pretzien entstanden, schmückt die Landschaft das Kalenderblatt für den Monat März. Zu sehen sind zwei Bäume inmitten einer Natur, die sich ihr natürliches Terrain infolge des Hochwassers zurückerobert hat. „Das Bild hängt eigentlich in der Landesvertretung von Sachsen-Anhalt“, freut sich Krüger.

Eine gute alte Bekannte in Schönebeck ist Karin Hamann, die Ärztin und, nach eigenem Bekunden, „grafikverliebte“ Malerin ist im Kalender mit ihrem Bild „Brücke“ vertreten. Nur anderthalb Stunden hat sie daran gearbeitet. Das Ergebnis auf der März-Seite des Kalenders kann sich mehr als sehen lassen.

Ebenfalls sehr vorzeigbar ist der Beitrag „Prinzesschen Barby“ von Monika Knopf. Die Hobby-Malerin ist unter anderem bekannt aus mehreren Ausstellungen, etwa in der Stadtbibliothek Schönebeck.

Befragt man Elmentraut Strube nach ihrem Beitrag auf dem sechsten Kalenderblatt, wird klar, dass auch Journalisten mitunter inspirierend auf Künstler wirken können: Ihr Bild „Birkenweg“ sei auf Grundlage einer Fotografie von Thomas Linßner entstanden, erzählt die gebürtige Zerbsterin.

Gudrun Dankert wiederum hat ihr Motiv an der Elbe entdeckt. Vom Salzblumenplatz aus hat sie ihren „Blick zum Kiebitzberg“ hinüber zum anderen Elbufer schweifen lassen.

Ebenfalls an einem Ufer hatte Irene Köhler ihre Zelte aufgeschlagen. Allerdings nur für kurze Zeit. Inspiration muss sein, doch der kreative Prozess für ihre Ansicht des AWG-Sees habe in den vier Wänden stattgefunden, erinnert sich die 82-Jährige, die lange Zeit im Malzirkel vonHans Both gelernt hat.

Apropos Hans Both: Der Calbenser Maler ziert mit seinem Aquarell „Elbwächter“ die elfte Kalenderseite: November. In seinen Arbeiten versuche er, in einen Dialog mit den Bäumen und der Jahreszeit zu treten, sagt Both. Dabei sei es nicht selten, dass die Vorarbeiten längere Zeit in Anspruch nehmen, als der eigentliche Prozess des Malens. Heute hat sich Both etwas von der Malerei abgewandt. Im Moment favorisiere er eher Lithografien, bekennt der frühere Ingenieur.

Plönnies findet Motive in seinem Kopf

Mit „Erntezeit“ ist das Bild überschrieben, dass Grimm-Benne gemeinsam mit dem Schönebecker Fredi Wünsche für den bebilderten Kalender ausgewählt hat. Zur Präsentation gekommen ist Ehefrau Heidemarie Wünsche. Das Motiv, das auf der September-Seite zu sehen ist, sei dem Blick von Felgeleben auf St. Johannis nachempfunden, sagt Wünsche.

Den Abschluss des Jahreskalenders bildet Otto Plönnies‘ „Wintersturm“. Plönnies, Träger mehrerer Kunstpreise und Ehrenbürger der Stadt Calbe, hat die Arbeit mit Bedacht ausgewählt. Dabei muss er sich seine Inspiration nicht zwangsläufig selbst in der Natur holen. „Ich bin 88 Jahre alt. Ich habe keine Probleme, meine Motive in meinen Kopf zu finden“, sagt Plönnies lachend. Es ist ein subtiles Element, das die Faszination seines Bildes ausmacht. In seinem „Wintersturm“ scheint ein massiver Baum ein winziges Bäumchen vor dem Schneesturm behüten zu wollen. Ein Plädoyer von Maler Plönnies für Menschlichkeit und die Bereitschaft, Schwächeren Hilfe anzubieten.

In ihrem Vorwort zum Kalender schreibt Petra Grimm-Benne: „Gemeinsam müssen wir noch mehr dafür tun, dass wir einerseits für uns und unsere Heimat werben, andererseits aber auch in der eigenen Bevölkerung für mehr Stolz und Heimatverbundenheit sorgen. Ein Mittel für beide Ziele war und ist die Kunst (...).“

Dass Kunst in diesem Sinne identitätsstiftend wirken kann, ist auch der Tenor der versammelten Künstler aus der Region.

Der Kalender „Unsere Heimat, unsere Künstler“ kann gegen eine Spende in der Buchhandlung „Am Rathaus“ in Schönebeck oder in der Spielzeughandlung Pape in Calbe bezogen werden.