Schönebeck l Im Schönebecker Tierheim werden die Hunde nicht richtig gehalten, ihnen geht es nicht gut. Solche und ähnliche Behauptungen kursieren regelmäßig im Internet (Volksstimme berichtete mehrfach). Den Gerüchten waren die Stadträte Mark Kowolik (parteilos) und Andreas Schumann (CDU) bereits bei einem unangekündigten Besuch in der Einrichtung auf den Grund gegangen. Nun luden sie gemeinsam mit der Volksstimme wichtige Vertreter zu einem klärenden Gespräch ein.

Zunächst befragte Volksstimme-Redakteurin Kathleen Radunsky-Neumann, die die Veranstaltung moderierte, Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch zum Bezug der Stadt zum Tierheim. „Wir sind verpflichtet, Fundtiere und Gewahrsamnahmen (Tiere, die Besitzern wegen falscher Haltung weggenommen werden, Anmerkung der Redaktion) in Obhut zu nehmen“, erklärte das Stadtoberhaupt. Die Stadt habe für die Erfüllung dieser Pflichtaufgabe kein eigenes Personal und ein Gebäude vorhalten wollen, sondern einen Verein mit der Aufgabe betraut. An den „Tierschutzverein Schönebeck und Umgebung“, der das Tierheim für alle Orte des Altkreises Schönebeck und Nienburg betreibt, zahlen die Stadt sowie alle Nutzer-Gemeinden eine Umlage von einem Euro pro Einwohner. Das Tierheim, so sagte Vereinsvorsitzende Kerstin Kauert, finanziere sich hauptsächlich durch diese Umlage und durch Einnahmen aus der Tiervermittlung, für die es genaue Preislisten gebe. Größere Sanierungs- und Baumaßnahmen der Einrichtung könnten nur durch Spenden und Fördermöglichkeiten angestrebt werden.

Kontrollen des Veterinäramtes

Der Verein hatte sich seinerzeit in einer Wettbewerbssituation mit seinem Konzept und der Möglichkeit des 24-Stunden-Dienstes gegen einen privaten Anbieter durchgesetzt. Kontrolle über die Tätigkeiten des Vereins hat die Stadt, indem regelmäßig dessen Ausgaben und Einnahmen offengelegt und durch das Rechnungsprüfungsamt geprüft werden. Zudem hat die Verwaltung einen Schlüssel für die Einrichtung und kann jederzeit in das Tierheim. Stichprobenartig wird das Tierheim aufgesucht, bisher wurde dabei der eigene Schlüssel nicht benötigt. Die Stadt vertraue zudem den regelmäßigen Kontrollen des Veterinärdienstes.

Evgenij Merker vom Fachdienst für Veterinärangelegenheiten und gesundheitlichen Verbraucherschutz des Salzlandkreises erklärte, dass Tierheime normalerweise einmal im Jahr kontrolliert werden. Weil es in den vergangenen Jahren allerdings öfter Kritik am Schönebecker Tierheim gegeben habe, werde diese Einrichtung inzwischen drei- bis viermal jährlich überprüft, „immer unangekündigt“, wie Evgenij Merker erläuterte. Im Schönebecker Tierheim, so berichtete er, sei in den vergangenen Jahren viel gemacht worden, das heiße allerdings nicht, dass die Arbeit beendet sei. Zuletzt, so sagte auch Kerstin Kauert, sei die Quarantäne- und Krankenstation, welche lange nicht alle Tierheime besäßen, gebaut worden. Diese soll so schnell wie möglich fertiggestellt werden. Anvisiert sei auch, die Betonböden im Außenbereich vor den Hundezwingern im kommenden Jahr zu erneuern.

Dort gebe es manchmal Wasseransammlungen, wie Kathleen Radunsky-Neumann darlegte, als sie Fragen der Volksstimme-Leser stellte. Im Winter würden diese zu gefährlichen Eisflächen werden und Verletzungsgefahr für die Hunde bergen, hieß es in einer Lesermeinung. „Wenn sich wirklich irgendwo Eis bildet, beseitigen wir es umgehend“, antwortete Kerstin Kauert. Während die Hundezwinger im Sommer mit Wasser ausgespritzt werden, gehen die Mitarbeiter im Winter mit warmem Wasser und einem Putzlappen an die Arbeit. Die Frage, ob Holzspaltenböden in den Hundehütten ausliegen, verneinten die Befragten. Spaltenböden, wie man sie von Schweineställen kenne, seien nicht verbaut, ähnliche Konstrukte inzwischen beseitigt.

Übungsplatz auf Mitarbeiterinitiative

Auch nach den Gegebenheiten des Trainingsgeländes für Hunde fragten die Volksstimme-Leser. Dieses sei sicher umzäunt, als Trainingsgelände gekennzeichnet und mit entsprechenden Warnschildern versehen, so Kerstin Kauert. Die Mitarbeiter würden so oft wie möglich mit den Hunden auf den Übungsplatz gehen, der zur Beschäftigung der Tiere – neben dem Gassigehen wohl gemerkt – auf Initiative der Mitarbeiter mit wenigen Mitteln entstanden ist. Derzeit arbeiten drei fest angestellte Mitarbeiter im Tierheim. Zwei von ihnen besitzen einen Sachkundenachweis, der nach Paragraph 11 des Tierschutzgesetzes vorhanden sein muss. Der dritte Mitarbeiter wird diesen Nachweis in Kürze ablegen.

Für den Nachweis, so erklärte Evgenij Merker, müssen bei externen Instituten Lehrgänge und Prüfungen abgelegt werden. Alle Tierheimmitarbeiter müssen zudem jährliche Fortbildungen durchlaufen, die sich immer mit aktuellen Themen des Tierschutzes und der Tierkunde beschäftigen. Auch für den Umgang mit als gefährlich eingestuften Hunden gibt es genaue Verordnungen. So müssen Mitarbeiter Prüfungen ablegen, bevor sie mit solchen Hunden umgehen. Auch Gassi-Gänger, von denen etwa 15 im Tierheim tätig sind, müssen beim Landesverwaltungsamt einen Sachkundenachweis laut Gefahrenhundegesetz ablegen, wenn sie mit den Tieren spazieren gehen möchten. Zusätzlich müsse laut Kerstin Kauert das Ordnungsamt der Stadt einbezogen werden.

Eine Leserfrage betraf auch die Vermittlung von Tieren im Schönebecker Tierheim. So seien Tiere auf der Internetplattform „ebay“ zum Verkauf angeboten worden. „Als gemeinnütziger Verein ist es nicht unser Anspruch, Tiere im Internet zu vermitteln. Wir distanzieren uns von solchen Praktiken“, sagte Kerstin Kauert mit Bestimmtheit. Das Tierheim wolle die neuen Besitzer der Tiere vorher kennenlernen, wie das Tier auf die Personen reagiere, sei dabei genauso zu beachten wie der Eindruck, den die Menschen auf die Mitarbeiter machen. Zudem müsse eine Schutzgebühr gezahlt werden. Fundtiere bleiben im Durchschnitt 20 Tage im Tierheim, das sei, laut Kerstin Kauert, eine vergleichsweise gute Vermittlungszeit.

Heim der Rechtslage entsprechend führen

Nach Verfahren, die derzeit beim Veterinärdienst laufen, fragte schließlich Stadträtin Anne Schönemann (Linke), die eine Petition gegen die Einrichtung ihren Stadtratskollegen bei einer Sitzung weiter gegeben hatte. „Letztlich zieht jede Beschwerde, die bei uns eingeht, ein Verfahren nach sich“, erklärte Evgenij Merker. Jede Kritik werde ernst genommen. Die Behörde sei auf objektive Kritik angewiesen, um wirklich etwas für die Tiere verbessern zu können.

Ein Tierheim, so sagte der Landkreis-Mitarbeiter, müsse entsprechend der geltenden Rechtslage geführt werden. Ziel sei zwar, die Gegebenheiten stets zu verbessern. Dafür fehle den meisten Tierheimen aber das Geld. Solange die Mindeststandards und Hygienevorschriften eingehalten werden und die Einrichtung rechtskonform geführt wird, werde nichts unternommen. Artgerecht sei die Haltung damit nicht zwangsläufig, so gab der Veterinär zu.