Schönebeck l „Psst, seid mal ganz kurz ruhig und hört mir zu“, Ingrid Schiwy weiß, wie sie „ihre“ Zöglinge zum Zuhören bringt. Sie hält einen großen Korb hoch. „Wenn ihr jetzt aufmerksam zuhört, was meine Kollegen zu sagen haben, dürft ihr später alle hier reingreifen und euch ein Überraschungs-Ei nehmen.“

Die Turnhalle der Kita „Kinderoase“ ist rappelvoll. Alle Erzieher, Kinder und die Elternsprecher haben sich versammelt, um den Frau zu danken, die sich jahrzehntelang mit Sorgfalt, Liebe und großen Engagement der Kita zugewandt hat. „Ingrid Schiwy und Doris Hax sind seit den Anfängen dabei, sie haben die Kita zu dem gemacht, was sie heute ist: Eine Einrichtung, auf die wir stolz sein können“, meint Kathleen Dobertin, die als neue Kita-Leiterin in die Fußstapfen von Ingrid Schiwy treten wird. Als Ausdruck des Dankes übergibt sie der ehemaligen Leiterin eine von allen Kindern bunt bemalte Gartenbank. „Hier können Sie in Zukunft in mit all ihrer freien Zeit im Garten den Gedanken ihren Lauf lassen und werden uns nie vergessen“, meint Kathleen Dobertin.

Einen Namen gemacht

Die Zeit zu vergessen, wird eh unmöglich sein für Ingrid Schiwy. Denn erinnern kann sie sich noch zu genau an alles, selbst an den Morgen vom 1. Mai 1980, als die Grundreinigung der Einrichtung durch das zukünftige Personal begann. Es folgten Zeiten, an denen sie sich zusammen mit ihrer Mitstreiterin Doris Hax um die Grundeinrichtung der Kita kümmerte. „Es gab noch nicht einmal Bettwäsche für die Kinder“, erzählt Kathleen Dobertin. Schiwy und Hax kümmerten sich mit Erfolg, die Zahlen sprechen für sich. Während 1980 etwa 80 Kinder zur „Kinderoase“ gingen, ist die Zahl heute auf 315 gestiegen, und mit der Lebenshilfe Bördeland hat die Leiterin 2002 einen Träger gefunden, mit dem sie sehr zufrieden ist. „Wir haben uns in Schönebeck einen Namen gemacht“, meint Ingrid Schiwy, der Stolz in ihrer Stimme ist nicht zu überhören.

Bilder

Abschied zu nehmen fällt der Kita-Leiterin nicht nur wegen der Kinder und Kollegen schwer. „Ich bin in meiner Arbeit aufgegangen und sie ist ein Teil von mir geworden“, beschreibt sie ihr Herzblut, das an den Räumen der Kinderoase hängt. Sie fügt hinzu: „Was ich mit meiner freien Zeit jetzt anstellen werde, weiß ich noch gar nicht so genau.“

Doris Hax geht es ähnlich. „Irgendwie sind wir zu einem Teil der Kita geworden und haben sie zu dem gemacht, was sie jetzt ist. Jetzt in den Ruhestand zu gehen, fühlt sich komisch an“, sagt die ehemalige Erzieherin.

Für Ruth Krankemann heißt es nicht nur „auf Wiedersehen ‚Kinderoase‘„, sondern auch „auf Wiedersehen Schönebeck“. Die Erzieherin verlässt die „Kinderoase“, um in Bremerhaven neue Wege einzuschlagen. „Es fällt mir schwer, nach 22 Jahren Mitarbeit die Kita zu verlassen, aber ich freue mich auf neue Herausforderungen“, meint die Erzieherin.

Eines sei sicher, sagt Kathleen Dobertin: „Wer großartige Arbeit geleistet hat, hinterlässt auch große Spuren.“ Dass es bei den Spuren nicht ausschließlich um die schön dekorierten Räumlichkeiten, sondern vor allem um die liebevollen Zuwendung und den ehrzieherischen Einsatzes geht, braucht sie nicht zu erwähnen.