Schönebeck l Sie waren die „Väter und Geburtshelfer“ zugleich. Martin Hennig, Dieter Krüger und andere fassten vor mehr als 20 Jahren die Gelegenheit beim Schopfe, um etwas zu gründen, was manche westdeutsche Stadt bis heute nicht hat: einen städtischen Bauhof. „Ich bin damals aus unserer Partnerstadt Garbsen bei Hannover zurückgekommen. Dort wollte man gerade so einen Bauhof aufbauen“, berichtete im Gespräch mit der Volksstimme der ehemalige Dezernent der Stadtverwaltung, Dieter Krüger.

Gemeinsam mit Martin Hennig wurden anschließend in der Stadtverwaltung Nägel mit Köpfen gemacht. Aus einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme und später dem sogenannten Baubetriebsamt entstand der heutige Eigenbetrieb Bauhof der Stadt. „Wichtig war, dass wir eine abrechenbare Einheit mit Gewinnen und Verlusten schaffen“, erinnert sich der ehemalige Dezernent Martin Hennig.

Feste Größe in der Wirtschaft

Für Werner Herrler, den langjährigen Leiter des Bauhofes und damals ebenfalls Pionier auf neuen Wegen, war der Tag am Freitag ein „besonderer Tag“, wie er sagte. Er erinnerte sich daran, dass die Skepsis damals noch bei den Entscheidungsträgern überwog. Heute allerdings kann der Bauhof-Leiter eine positive Bilanz ziehen. „Ich glaube, wir sind ein vorzeigbarer Eigenbetrieb geworden“, so Herrler.

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Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch bestätigte dies und machte deutlich, dass sich aus dem ehemaligen Zuschussbetrieb der Bauhof wirtschaftlich entwickelt habe und in der Bilanz eine stabile schwarze Null vorzeigen kann. „Der Bauhof hat sich längst etabliert und ist zu einer festen Größe im wirtschaftlichen und Dienstleistungsgefüge unserer Stadt geworden. Kurz: Er ist für uns alle unverzichtbar“, so der Oberbürgermeister.

Für die Mitarbeiter fand Bert Knoblauch unter anderem solche Worte wie flexibel und zuverlässig, die bei jeder Arbeit ein sehr gute Qualität abliefern. Inzwischen übernimmt der Städtische Bauhof die Stadtreinigung, die Straßeninstandhaltung, den Winterdienst, die Pflege von Grünanlagen, Spielplätzen, Friedhöfen und das Beseitigen von Ölspuren. „Allein der Winterdienst verlangt viel von der Belegschaft ab, die immer einsatzbereit sein muss und deren Familien viel Verständnis aufbringen müssen“, betonte der Oberbürgermeister weiter.

Wie andere ebenfalls ist auch der Bauhof bei Hochwasser-Ereignissen ein verlässlicher Partner. „Damals waren die Mitarbeiter gemeinsam mit unseren Feuerwehren als Erste mit draußen im Einsatz – und das in Zwölf-Stunden-Schichten“, lobte Knoblauch.

Bauhof seit 1997 Ausbildungsbetrieb

Ein wichtiger Partner ist der Städtische Bauhof heute zudem bei der Ausbildung von Berufsnachwuchs. Seit dem Jahr 1997 ist der Eigenbetrieb Ausbildungsbetrieb. Und wenn Planstellen frei sind, werden diese auch mit eigenem Personal besetzt. Jetzt hat der Bauhof knapp 50 Mitarbeiter, als die Arbeitsbeschaffungsmaßnahme im Jahr 1991 ins Rennen ging, wurden noch 117 Beschäftigte gezählt.

Schönebeck ist in diesen Fragen eine feste Adresse. Bauhofleiter aus Sachsen-Anhalt schauen sich regelmäßig den Vorzeigebetrieb an. „Von Schönebeck lernen, heißt siegen lernen“, hieß es früher. Nur aus einer Stadt macht sich Besuch rar: aus Garbsen. Dort gibt es bis heute keinen vergleichbaren Bauhof.