Staßfurt l Sie tragen seit gestern Abend den Titel „Salzlandfrau 2016“: Denise Neubert aus Staßfurt (Kategorie Soziales), Christiane Stert aus Frose (Kategorie Gesellschaft), Sigrid Hermanns aus Staßfurt (Kategorie Sport), Oda Schöler aus Wolmirsleben (Kategorie Wirtschaft), Sigrid Kaboth aus Bernburg (Kategorie Kultur) und Heidemarie Wünsche aus Schönebeck (Kategorie Lebenswerk). Am Internationalen Frauentag sind sie - eine Jury hat sie unter 31 Vorschlägen ausgewählt - im Salzlandtheater Staßfurt im festlichen Rahmen ausgezeichnet worden. „Die Veranstaltung mit der Verleihung des Ehrenpreises ,Salzlandfrau‘ ist ein Ausdruck der Anerkennung. Zugleich ist sie aber auch ein Zeichen des Dankes für das geleistete ehrenamtliche Engagement, welches ansonsten häufig im Verborgenen stattfindet und von der Öffentlichkeit nur unzureichend wahrgenommen wird“, sagt Astrid Müller, Gleichstellungsbeauftragte des Salzlandkreises.

Zustimmen kann ihr Landrat Markus Bauer. In seinem Grußwort am Dienstag macht er deutlich, „dass ehrenamtliches Engagement Gemeinschaft schafft, Vertrauen stiftet und Menschen Sicherheit, Halt und Geborgenheit gibt“. Für ihn ist dieses Engagement „eine unverzichtbare Voraussetzung für eine gelebte Demokratie und ein menschliches Miteinander“. Beste Beispiele sind die Preisträgerinnen des Titels „Salzlandfrau 2016“.

So zum Beispiel Heidemarie Wünsche aus Schönebeck. Die Preisträgerin in der Kategorie „Lebenswerk“ engagiert sich seit vielen Jahren als aktives Vorstandsmitglied „unermüdlich und kompetent“ nur für die Belange des Schönebecker Ortsvereins der Arbeiterwohlfahrt (Awo) und für die Interessen der Senioren und Selbsthilfegruppen sowie der Wohnsportgruppe „Einheit Schönebeck“. „Durch ihre stets aufgeschlossene, freundliche Art ist sie allseits beliebt und ein wichtiges Bindeglied zu vielen anderen Vereinen“, sagt Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch in seiner Laudatio.

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Einsatzbereitschaft beispielhaft

„Die Einsatzbereitschaft unserer Auszuzeichnenden ist beispielhaft - wird sie gebraucht, dann stellt sie auch eigene Bedürfnisse zu Gunsten anderer zurück, denn sie vertritt die Auffassung, dass es notwendig ist, sich gegenseitig zu helfen, und dass diejenigen, die Unterstützung benötigen, von den anderen nicht allein gelassen werden sollen“, führt das Stadtoberhaupt aus. Wolle man alle Bereiche aufzählen, in denen sich Heidemarie Wünsche engagiert, so wäre die Liste unendlich lang. So steht sie wöchentlich mit Rat und Tat im Awo-Seniorenbüro zur Verfügung, bringt sich rege als Vorstandsmitglied der Landesarbeitsgemeinschaft „Aktiv im Ruhestand“ ein, betreut neben drei verschiedenen Frauengesprächsgruppen ebenfalls die Kreativ-, die Radfahrer- und die Wandergruppe, zeichnet für die Öffentlichkeitsarbeit, die Organisation und Durchführung von Sonderveranstaltungen einschließlich Gemeinschaftsfahrten verantwortlich, unterstützt die Gruppenleiter bei der Vorbereitung diverser Unternehmungen und scheut sich auch nicht, sogar bei handwerklichen Arbeiten selbst Hand anzulegen. Darüber hinaus bringt sich die Schönebeckerin als langjähriges Mitglied im Stadtrat ein.

Nicht weniger aktiv ist Sigrid Hermanns aus Staßfurt. Sie wird am Dienstag in der Kategorie „Sport“ als Salzlandfrau ausgezeichnet. Zu recht, macht Staßfurts Oberbürgermeister Sven Wagner in seiner Laudatio deutlich: „Seit 1971 hat sich die Staßfurterin nahezu uneingeschränkt dem Sport verschrieben. Sie trainiert, organisiert, spornt an, hält alle zusammen und reißt einfach jeden mit, der in Turnschuhen vor ihr steht.“ Seit ihrem zehnten Lebensjahr widmet sich Sigrid Hermanns dem Spaß und der Freude an der Bewegung. Zunächst als Handballerin, später in der Sportgymnastik. 1981 erwarb sie die Lizenz zur Übungsleiterin Breitensport.

In der Betriebssportgemeinschaft „Elektron“ übernahm sie fortan die Frauengymnastikgruppe und leitete die Sektion Gymnastik. Damit nicht genug. 20 Jahre lang – von 1991 bis 2011 – war sie die Frau an der Spitze des Sportverein „Salzland“ Staßfurt.

Sachkenntnis, Kompetenz, Herz

„Als Geschäftsführerin des Vereins überzeugte sie mit Sachkenntnis, Kompetenz und einer großen Portion Herz. Bis heute ist sie die Vorsitzende des etwa 170 Mitglieder starken Vereins“, sagt Sven Wagner. Sigrid Hermanns wird ihres Ehrenamtes nicht müde. „Jede Woche motiviert sie ihre 32-köpfigen Sportgruppe aufs Neue und unterstreicht ihre Lust an der Bewegung und der körperlichen Betätigung immer mit Witz und Charme“, beschreibt Sven Wagner die Ausgezeichnete. „Für ihre Sportfreundinnen nimmt sie regelmäßig an Weiterbildungen teil und reichert die Übungsstunden folglich immer mit den neuesten wissenschaftlichen und sportlichen Erkenntnissen an.“

Die Mitglieder des Vorstandes ihres Vereins und die Damen ihrer Sportgruppen, die sie für den Ehrenpreis vorgeschlagen haben, schreiben in ihrer Bewerbung: „Die Kontinuität, mit der sie ihrer ehrenamtlichen Aufgabe nachgeht, fordert höchsten Respekt. Nur wenige Menschen schaffen es, über einen so langen Zeitraum ihrer selbstgewählten Aufgabe treu zu bleiben.“

Familienalltag, Job, Ehrenamt

Ihrer eigenen Aufgabe treu bleibt auch Denise Neubert aus Staßfurt. Sie ist die Preisträgerin in der Kategorie „Soziales“. Sie managt als zweifache Mutter, deren jüngste Tochter mit einem Herzfehler und dem Down-Syndrom zur Welt kam, nicht nur einen mit Sicherheit sehr anspruchsvollen Familienalltag, sondern auch ihren Job. Darüber hinaus engagiert sie sich seit vielen Jahren in einem der größten Staßfurter Vereine, berichtet Staßfurts Stadtoberhaupt in seiner Laudatio auf Denise Neubert. Seit 2014 ist sie die Vorsitzende des Vereins „Lebenshilfe Staßfurt und Umgebung e.V.“ – der als Hauptgesellschafter sozusagen die Mutter der Lebenshilfe Bördeland gGmbH ist. Der Verein zählt mehr als 600 Mitglieder, darunter 107 Frauen und Männer mit Handicap. Zweck des Vereins ist die Förderung der Menschen mit Behinderung, die Kinder-, Jugend- und Altenhilfe sowie die Förderung des Wohlfahrtwesens.

„In die ehrenamtliche Vorstandsarbeit investiert unsere Preisträgerin viel ihrer kostbaren Zeit. Sie identifiziert sich mit ihrer Aufgabe, bereitet Vorstandssitzungen sowie andere Veranstaltungen akribisch vor und nimmt zahlreiche vereinsrelevante Termine wahr“, zählt Sven Wagner auf. Trotz der notwendigen Betreuung, die ihre Tochter benötigt, findet sie dennoch Zeit, sich für die Belange aller Menschen mit Behinderung einzusetzen.

„Der Spagat zwischen Familie und ehrenamtlichem Engagement ist sicher nicht immer einfach zu meistern – ihr scheint er jedoch zu gelingen“, lobt er. In seiner Laudatio erzählt Sven Wagner, dass das Lächeln von Denise Neubert ihm zeigt, „dass sie sich ihrer ehrenamtlichen Arbeit voller Freude, Hingabe und Elan widmet“. Und er fügt an: „Die Preisträgerin spricht offen gesamtgesellschaftliche Probleme an und trägt dazu bei, diese zu lösen. Sie setzt sich unermüdlich für Inklusion und das gelingende Miteinander aller Menschen in Staßfurt und der Umgebung ein. Sie scheut keinen Dialog und erfüllt ihr Ehrenamt mit Herz und Verstand.“

Große Leidenschaft

Herz und Verstand machen ebenso das Wirken von Oda Schöler aus Wolmirsleben aus. Sie wird in der Kategorie „Wirtschaft“ als Salzlandfrau ausgezeichnet. In seiner Laudatio berichtet Landrat Markus Bauer, dass Oda Schöler mit sieben Geschwistern groß geworden ist. Vor über 30 Jahren lernte sie ihren Mann kennen und lieben und zog zu ihm in seine Heimatgemeinde. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor und seit diesem Monat ist sie glückliche Oma.

„Kurz nach der politischen Wende, genau am 1. März 1991, wagte unsere Ehrenpreisträgerin den Schritt in die Selbständigkeit und eröffnete einen Friseursalon in ihrem Heimatort. Die notwendige Qualifizierung zur Friseurmeisterin absolvierte sie dazu mit Bravur“, sagt Markus Bauer. „Doch das ist längst nicht alles, was unsere Ehrenpreisträgerin auszeichnet, denn sie noch eine weitere große Leidenschaft“, so der Landrat. Seit 17 Jahren ist sie Initiatorin und „Zugpferd“ der „Bördewichtel“ einer „Amateurtheatergruppe mit ganz viel Herz“. Wie es dazu kam? Das erzählt Markus Bauer kurz und knapp: „Anfang der 1990er Jahre plante unsere Ehrenpreisträgerin die Organisation einer Frisuren-Show in ihrem Friseursalon. Dabei entstand die Idee, eine Geschichte dazu zu erzählen und auf einer Bühne vorzutragen. Dies war der Beginn eine kleine Amateurtheatergruppe ins Leben zu rufen.“ Mittlerweile gehören den „Bördewichteln“ zirka 30 Mitglieder an.

Die Amateurtheatergruppe, ist dabei nicht als Verein aktiv, sondern besteht nur durch Eigeninitiativen und Spenden. „Es wird erzählt, getanzt und gesungen. Das Ganze ergibt am Ende wunderbare Stücke, die die Zuschauer mit viel Applaus honorieren“, berichtet der Landrat in der Laudatio. So standen schon „My fair Lady“, „Ich war noch niemals in New York“ oder „Mamma Mia“ auf dem Spielplan der Amateurtheatergruppe.

Engagement, das ansteckt

Das Engagement von Oda Schöler steckt in Wolmirsleben an. Denn jeder aus der Gemeinde bringt sich ein, so zum Beispiel der Dorfgemeinschaftsverein Wolmirsleben, die Kirchengemeinden, die Basisförderschule das Förderzentrum „Egelner Mulde“, die Schneidlinger Klusstiftung, die Feuerwehr Wolmirsleben sowie weitere Mitstreiter. Seit 19 Jahren werden die Erlöse des Amateurtheaterspiels dem Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst in Magdeburg gespendet.