Schönebeck l „Wir fordern den Stadtrat (dazu) auf, eine Entscheidung zu treffen, bei der nicht primär die finanziellen Interessen der Stadt, sondern die Interessen seiner Bürger und vor allem der Kinder im Mittelpunkt stehen!“, appelieren Mitglieder des Schulelternrates in einem offenen Brief an den Stadtrat der Stadt Schönebeck. Dieser ist zu verstehen als direkte Reaktion auf eine mögliche Zusammenlegung von zwei Schulstandorten. Den Vorschlag, eine mögliche Zusammenlegung der Förderschule „J.H. Pestalozzi“ und der Käthe-Kollwitz-Grundschule in dem Pestalozzi-Schulgebäude in der Tischlerstraße zu prüfen, hatte die SPD-Fraktion im letzten Stadtrat gemacht (Volksstimme berichtete). Die Argumente schienen für die Stadträte so überzeugend, dass 35 von ihnen dem Prüfantrag zustimmten. Es gab nur eine Nein-Stimme.

Die Gründe für eine Zusammenlegung scheinen verlockend: An der Tischlerstraße finde man einen sanierten und gut ausgebauten Schulkomplex und die Förderschule habe sinkende Schülerzahlen. Gleichzeitig befinde sich 900 Meter weiter die Käthe-Kollwitz-Grundschule, die stark sanierungsbedürftig sei, erklärte SPD-Fraktionsvorsitzender Frank Schiwek. Er betonte im Volksstimme-Gespräch den hohen Kostenaufwand, den eine Sanierung der Käthe-Kollwitz-Grundschule mit sich bringen würde. Er sprach von einer vorläufig geplanten Summe von mindestens 4 Millionen Euro für die Sanierung des Schulgebäudes, die er dem Investitionsplan der Stadt entnommen hat. Dazu kommt noch die ebenfalls nötige Sanierung der Turnhalle.

Dass der Vorschlag einer Standort-Zusammenlegung von einer Partei komme, die den Namen „sozial“ im Namen trage, sei für den Elternrat unverständlich gewesen. In ihrem Brief äußern sie ihre Zweifel an den Plänen der SPD-Fraktion folgendermaßen: „Zum einen zweifeln wir an, dass eine speziell für den Förderunterricht eingerichtete Schule die Kapazitäten für mehr als 100 Grundschüler bereitstellen kann.“

Erhebliches Altersgefälle

Zum anderen entstünde mit der Zusammenlegung der Schulstandorte ein erhebliches Altersgefälle zwischen den Schülern. Dieser Umstand und der geradezu winzige Schulhof der Pestalozzi-Schule - mit dann rund 200 Schülern anstatt (etwa) 90 - birgt erhebliches Konfliktpotenzial.“ Dass es den Eltern keinesfalls darum gehe, dass ihre Kinder nicht mit Förderschülern zusammen lernen sollten, betonen sie in ihrem Schreiben. „Die Inklusion ist an unserer Grundschule gelebte Normalität (...)“, steht dort.

Die Mitglieder des Schulelternrates denken in der Problematik noch weiter. „Nicht zuletzt wird mit der Zusammenlegung die etablierte Zusammenarbeit mit diversen Horteinrichtungen aufgebrochen“, schreiben sie an den Stadtrat. Sie erklären, wie dies zustande kommt: „Die Kinder, welche beispielsweise derzeit unbegleitet den Weg von der Käthe-Kollwitz-Schule zum Teutloff-Hort nehmen, müssten auf ihrem Weg zum Hort begleitet werden, was weder durch die Schule, noch durch den Hort geleistet werden kann.“

Peer Sterner, Elternratsmitglied und Mitverfasser des Briefes, wisse, wovon er spreche. Sein achtjähriges Kind geht auf die Käthe-Kollwitz-Schule und besucht nachmittags den Hort. „Man traut dem eigenen Kind zwar einiges zu, aber der Weg von der Tischlerstraße zum Hort wäre so nicht mehr machbar“, meinte er im Volksstimme-Gespräch. Wann genau der Elternrat den Brief einreichen wolle, wisse Peer Sterner noch nicht. „Vermutlich beim nächsten Stadtrat“, meinte er. Vorerst sei es ihnen wichtig, den Weg über die Presse zu gehen, um ihre Meinung so weit wie möglich zu verbreiten. Unter dem Schulelternrat sei man sich einig - zwölf der 14 Eltern haben den Brief bereits unterschrieben, der Rest sei aus zeitlichen Gründen noch nicht dazu gekommen.

Mit dem letzten Satz ihres Briefes fassen die Autoren die Problematik zusammen. So würde die vielgepriesene Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Bürger Schönebecks durch eine „kurzsichtige Entscheidung des Stadtrates ein weiteres Mal ad absurdum geführt“ werden.

Die Schulleiterin der Käthe-Kollwitz-Grundschule, Ines Hausherr, wollte sich auf Anfrage der Volksstimme vorerst nicht zu der Situation äußern und zeigte stattdessen eine abwartende Haltung.

Appell der Eltern

Der Appell der Eltern:

Folgende Forderungen sind Auszüge aus dem Brief, den der Elternschulrat an die Stadträte verfasst hat: 

Wir fordern den Stadtrat hiermit dazu auf:

- Die eingeleitete Überprüfung  mit Augenmaß mit Augenmaß und vor allem unter Einbeziehung aller relevanten Richtlinien (Einhaltung der Richtlinie von mindestens zwei Quadratmeter je Schüler, maximale Raumgröße usw.) vorzunehmen.

- Alle Fakten und Erkenntnisse zur Zusammenlegung offenzulegen, um eventuellen Gerüchten über eine Entscheidungsfindung „im stillen Kämmerlein" entgegenzuwirken.

- Alle betroffenen Parteien wie Eltern und Lehrer der Schulen über den Stand der Überprüfung zu informieren.

- Letztendlich eine Entscheidung zu treffen, bei der nicht primär die finanziellen Interessen der Stadt, sondern die Interessen ihrer Bürger und Kinder im Mittelpunkt stehen.