Biere l Angefangen hat eigentlich alles durch die DDR-Zeit. „Man wusste, dass man selbst nirgends hinkommen wird. Aber immer, wenn doch mal jemand wegfuhr, habe ich um eine Postkarte gebeten“, erinnert sich Kirsten Drube. So etwa in den 70er Jahren, als DDR-Rentner plötzlich doch verreisen durften, sammelte sie die ersten Postkarten. „Meine Oma hat mir damals welche mitgebracht, wenn sie verreiste“, berichtet die 55-Jährige heute. Die ersten Postkarten, die sie nach und nach sammelte, waren aus Deutschland und dem näher gelegenen Ausland.

Schließlich kam das, was niemand zu hoffen gewagt hatte: Durch die Wende konnten nicht nur die Verwandten und Bekannten von Kirsten Drube die ganze Welt bereisen, sondern auch sie selbst. Während sich andere Menschen Schmuck, Kleidung und Souvenirs aus dem Urlaub mitbringen, halten Kirsten Drube und ihr Ehemann immer nach Postkarten Ausschau. Bis heute verreisen sie sehr gerne und bringen aus jedem Urlaub mindestens eine Postkarte mit. Zuletzt waren die Bierer auf einer Kreuzfahrt unterwegs – entdeckten so unter anderem Malaysia, Indien, Singapur und Sri Lanka. In einigen Ländern, so erzählt Kirsten Drube, sei es gar nicht so einfach, sofort Postkarten zu finden. Da müsste sie zuvor schon Reiseleiter ansprechen und gezielt auf ihren Wunsch aufmerksam machen.

Kunden brachten Karten in Laden

Gezielt angesprochen hat Kirsten Drube auch Nachbarn, Bekannte und Verwandte. Von 1990 bis 2000 hatte die geborene Biererin einen eigenen Schreibwarenladen in dem heutigen Bördeland-Ort. „Die Kunden wussten irgendwann schon, dass ich Postkarten sammle, und viele haben mir welche vorbei gebracht“, erinnert sie sich. Zu den Karten aus verschiedenen Bundesländern und unterschiedlichen Ländern der Welt gesellten sich auch historische Ansichtskarten hinzu. Die schwarz-weiß Karten, die teils aber auch nachkoloriert wurden, sind in einem Extra-Buch aneinander gereiht. Die älteste Karte im Fundus von Kirsten Drube ist von 1898 und zeigt eine Stadtansicht von St. Petersburg.

Während einige Sammler ihre Schätze in Kisten wild zusammen würfeln, geht bei der Postkarten-Liebhaberin alles ganz ordentlich zu. „Irgendwann waren es so viele Karten, dass ich anfing, sie in Fotoalben zu sortieren“, verrät Kirsten Drube. Mittlerweile hat sie 13 Alben mit ausländischen Karten gefüllt, 7 mit Postkarten aus ganz Deutschland, zwei mit Karten aus Sachsen-Anhalt und drei historische Alben. Kirsten Drube führt eine Strichliste über alle Karten, die dazu kommen. 6916 Postkarten sind nun schon in ihrem Besitz – Tendenz steigend. Denn mit ihrem liebgewonnenen Hobby möchte die Biererin nicht aufhören.

Historische Postkarten

Nicht nur in fernen Ländern stöbert sie nach neuem Material, sondern auch auf Flohmärkten in der Region. „Eine Lieblingskarte habe ich nicht“, sagt Kirsten Drube. Angetan haben es ihr jedoch Postkarten aus der eigenen Heimat. Deshalb finden sich unter den Postkarten viele aus Biere. Die meisten von ihnen zeigen den Kirchturm und den Platz davor. Auch die neuesten zwei Postkarten, die der Kulturverein Biere herausgegeben hat, sind selbstverständlich in Kirsten Drubes Alben einsortiert. Bei jedem Flohmarkt, den sie in der Region besucht, stöbert sie auch nach Postkarten, die Ansichten der Nachbargemeinde aus dem Bördeland zeigen. Ob Eggersdorf, Welsleben, Klein- und Großmühlingen oder Schönebeck: Findet Kirsten Drube eine Postkarte, die sie noch nicht hat, oder deren Reproduktion, muss sie sie kaufen. „Ich habe sicherlich keine wertvollen Schätze unter meinen Postkarten, gehe auch nicht auf Messen oder Tauschbörsen und suche auch nicht gezielt im Internet“, sagt sie. Doch für eine alte Ansicht aus Biere habe sie schon einmal 13 Euro ausgegeben, was für eine Postkarte doch ein etwas höherer Preis ist.

Glücklicherweise nimmt Kirsten Drubes Sammelleidenschaft, die sich übrigens nicht auf ihre Kinder übertragen hat, nicht so viel Platz weg, wie der Fundus manch anderer Sammler. Und so fragt sie weiter in ihrem Ort herum, ob jemand nicht vielleicht noch alte Ansichten von Biere oder den umliegenden Orten auf dem Dachboden findet. „Ich möchte die Postkarten auch nicht unbedingt behalten“, sagt sie und erklärt, dass auch viele Reproduktionen unter ihren Karten sind – eingescannt und dann auf Fotopapier gedruckt.

Arbeit an der Bierer Chronik

Kirsten Drube fungierte im früheren Bierer Heimatverein übrigens als Vorsitzende. Dieser existierte von 1998 an, bestand aber leider wegen Mitgliederschwundes keine zehn Jahre lang. Während sich der damalige Verein um die Fortschreibung der Chronik kümmerte, die der frühere Bürgermeister Fritz Schöne begonnen hatte, führt Kirsten Drube diese nun privat weiter und ist stets auch für jede Information dankbar, die Biere betrifft.

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