Zuchau l Der Normalverbraucher kennt diese hübsche Blume eher als Pfingstrose. Gegenwärtig entzücken deren Blüten die Betrachter. In Zuchau hat man eine besondere Beziehung zu diesem Gewächs, von dem es heute dank züchterischer Bemühungen mehrere hundert Sorten gibt. Dass sie im südöstlichsten Zipfel des Salzlandkreises seit Jahrzehnten blühen und gedeihen, ist Heinrich Ebert (1916 bis 2005) zu verdanken. Der gebürtige Altmärker wollte Medizin studieren, was der Krieg verhinderte. In Zuchau „familiär hängen geblieben“, gründete er nach 1945 eine Landwirtschaft auf eigener Scholle an der Damaschkestraße.

Neben notwendiger Volksversorgung widmete sich Heinrich Ebert aber einem Steckenpferd: Er begann um 1950, Päonien zu züchten, deren Samen er von einem Chinesen in Westberlin gekauft hatte. Eine bemerkenswerte Tatsache, da zur damaligen Zeit Lebensmittelkarten ungleich mehr gefragt waren als exotische Blumen.

Mit Geschick gelang Heinrich Ebert die komplizierte Vermehrung und Sortenkreuzung, bei der man schon mal selbst Biene spielen muss, um Staubpollen von Blüte A nach Blüte B zu tragen. Heinrichs langwieriges Lebenswerk ist heute in dem nahezu verwilderten Garten zu sehen.

Bilder

Ein Teil der Zuchauer Sammlung wurde 2001 in das Arboretum Ellerhoop in Schleswig-Holstein verpflanzt.

Zuchauer Päonien in China bekannt

Heinrich Eberts Sohn Burghard besitzt ein Päonien-Fachbuch, das nur so von chinesischen Schriftzeichen wimmelt, die für den Mitteleuropäer aussehen, als sei ein gefärbter Vogel über das Papier spaziert. Zwischen allerlei chinesischen Buchstaben steht da im besten Latein „Zuchau, Ebert“. Soll heißen: Die Qualität der Zuchauer Päonien hat sich bis ins ferne Mutterland dieser schönen Blüten herum gesprochen.

Und spätestens an dieser Stelle setzt der neue Ortsbürgermeister Jörn Weinert (CDU) an. Dem promovierten Germanisten fiel auf, dass es mehr als ein Dutzend Päoniensorten gibt, die den Zusatz „Zuchau“ tragen und auf Heinrich Ebert zurückgehen. Sie haben so klangvolle Namen wie „Zuchau Abendglut“, „Die heiße 7“ oder „Zuchau Schneegestöber“.

Genügend Pflanzplätze

Warum sollte man also mit diesem Pfund nicht wuchern und Zuchau zum „Päoniendorf“ machen?! Pflanzplätze im öffentlich Raum gibt es genug. „Und wenn die Bürger mitziehen“, so der 40-Jährige, „und vor ihren Häusern Päonien pflanzen, wäre das noch schöner.“

Gegenwärtig putzt Jörn Weinert Sponsoren-Türklinken blank. „Obwohl der ‚demografische Schock‘ auch Zuchau beeinflusst hat, konnte ein reichhaltiges kulturelles Leben im Ort bewahrt werden. Das weite Spektrum reicht dabei vom traditionellen Heimatfest bis zu deutsch-armenischen Abenden in der Kirche St. Laurentius“, schreibt er.

Ziel des Projekts sei es, von den 13 Sorten, die durch ihre Bezeichnung mit Zuchau verbunden sind, jeweils mindestens ein Exemplar in zentralen Arealen des Dorfes anzupflanzen.

„Im Folgeschritt ist geplant, besonders engagierte Bürger zum Erntedankfest mit einer Strauchpfingstrose auszuzeichnen, deren Pflanzort sie selbst bestimmen können. Auch insofern wird das Vorhaben nachhaltig sein und überregional ausstrahlen“, sagt der Ortsbürgermeister. Sie könne zur weiteren Identifizierung mit dem heimatlichen Lebensraum beitragen und werde – natürlich besonders zur ‚Päonienzeit‘ – auch das Interesse breiter Kreise wecken, ist er sich sicher.

Sponsoren werden gebraucht

Die Einwohner selbst, die ehrenamtlich die Pflege der Pflanzen übernehmen sollten, würden ihrem Dorf in relativ kurzer Zeit zu einem Alleinstellungsmerkmal verhelfen. Die Sponsorenhilfe sei wichtig: Die Kosten für die Anschaffung von zehn Päonien-Pflanzen belaufen sich immerhin auf 570 Euro.

„Wenn am 25. Juni unsere freiwillige Feuerwehr ihr 90. Bestehen begeht, bietet es sich an, drei Ehrenamtliche auszuzeichnen“, so Jörn Weinert.