Kleinmühlingen l Vieles ist machbar - wenn man nur will. Seit 2015 profitieren die Einheitsgemeinden Bördeland, Calbe und Barby von einem Bundesprogramm, das mit den Worten „Demokratie leben“ überschrieben ist. Immerhin mehr als 50 Millionen Euro macht das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bis 2019 dafür locker - bundesweit, versteht sich. Die drei genannten Gemeinden haben sich im vergangenen Jahr zu einem Verbund zusammengeschlossen und die Finger gehoben, um vom Programm zu partizipieren. Seither hat es allerhand Unternehmungen und Aktionen gegeben. Einen Überblick über das bislang Erfolgte gab es am vergangenen Freitag bei einer Veranstaltuung im Sportzentrum Kleinmühlingen.

Keine politische Veranstaltung

 

Federführend organisiert hatte dieses „Bürgerfest“, wie die Veranstaltung offiziell benannt war, Linda Dutschko, die beim Verein Rückenwind für die offene Jugendarbeit zuständig ist. Der Name „Bürgerfest“ war Programm, denn anders als einige Bördeländer nach Volksstimme-Informationen mutmaßten, war das Ganze keine politische Veranstaltung, sondern vielmehr eine Darstellung menschlichen, bürgerschaftlichen Miteinanders.

Das Bühnenprogramm starteten Kinder und Erzieher der Kleinmühlinger Kindertagesstätte „Mühlenspatzen“, sehr zur Freude von Bördeland-Bürgermeister Bernd Nimmich (SPD). Für Singer-Songwriter-Atmosphäre sorgte der Magdeburger Musiker Marc Roca und tänzerischen Schwung brachten die jungen Damen der Gruppe „Smarties de luxe“ vom Schönebecker Jugendclub „Young Generation“ mit eigenen Choreografien in den Saal.

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28 000 Euro pro Jahr

Calbes Bürgermeister Sven Hause (Alternative Liste Calbe) sagte, dass für die drei Kommunen jährlich mehr als 28 000 Euro zur Verfügung stehen. Wer von den Antragsstellern Mittel aus dem Bundesprogramm bekommt, entscheidet ein etwa 15-köpfiger Begleitausschuss. Ziel sei es, das zivilgesellschaftliche Zusammenleben zu stärken. „Das hört sich sperrig an, gebe ich zu. Aber es kommt - und das sehen wir auf diesem Bürgerfest - zu einer lebendigen Ausgestaltung“, verwies Hause auf die anwesenden Vertreter mehrerer Vereine und die zur allgemeinen Information ausgestellten Schautafeln (darunter eine Wanderausstellung zum Thema Weltreligionen, die angefordert werden kann).

Konkret: Vereine und Verbände, die Mittel aus dem Programm „Demokratie leben“ bekommen möchten, müssen logischer Weise eine Projektidee vorweisen und sich dazu zusammenschließen. Mindestens zwei Partner braucht es. Oder mehr. „Das ist unsere Bedingung.“ So kann beispielsweise der Seniorenclub etwas mit der Kita unternehmen oder die Jugendfeuerwehr etwas mit dem Sportverein: vielleicht eine Bootstour, ein Zeltlager, was auch immer.

Ansehnliche Bilanz

Die bisherige Bilanz für Barby, Calbe und Bördeland fällt ansehnlich aus. In Barby und Calbe konnten jeweils acht, in Bördeland drei Projekte unterstützt werden. Bis maximal 500 Euro werden jeweils gewährt. Dabei muss es keinesfalls nur um das Thema Integration von Flüchtlingen gehen. Kann aber. So berichtete der Calbenser Pfarrer Jürgen Kohtz von einem interkultulturellen Gemeindefest und hatte dazu auch Fotos mitgebracht. „Man lernt sich auf diese Weise kennen. Und das finde ich ganz wunderbar“, betonte der Theologe. Die evangelische Gemeinde hat aber auch schon eine Jam-Session ausgerichtet. Bei dieser Gelegenheit machte Kohtz auf geplante und jetzt anlaufende Projekte aufmerksam. So wird am Wochenende 22. und 23. Oktober ein Kurs angeboten, mit dessen Hilfe die Kunst des Filzens erlernt werden kann. Oder wie wäre es mit der Einführung in die Kunst der Acrylmalerei? Der Termin steht mit dem 5. und 6. November, ebenfalls ein Wochenende. Für beide Kurse zeichnet Bianca Schumacher verantwortlich, sie ist telefonisch unter (039291) 4 99 08 zu erreichen und per Email unter binci70@web.de. Die Calbenser Künstlerin Jutta Gampe und der Magdeburger Künstler Paul Ghandi bieten immer montags von 17.30 bis 19.30 Uhr an, Möglichkeiten der bildlichen Gestaltung auszuprobieren, Kontakt: (039291) 4 17 26 oder juwega@googlemail.com. Oder wie wäre es mit Salsa? Der südamerikanische Tanz kann im Gemeindehaus in Calbe, Breite Gasse 44, immer donnerstags ab 19 Uhr ausprobiert und erlernt werden. Ansprechpartner ist dafür Janek Rausch, Telefon (039291) 4 99 08.

Elbebadetag bleibt

Judy Weinhardt und Petra Fabian vom Museums- und Heimatverein Glinde haben im vergangenen Jahr vom Bundesprogramm „Demokratie leben“ erfahren. Nachdem der Elbebadetag in Glinde über viele Jahre von der Stadt Barby finanziert wurde, machte die Verwaltung aufgrund der Verschuldung der Kommune einen Rückzieher. Der Elbebadetag fiel dennoch nicht ins Wasser. Der Verein nutzte das Bundesprogramm und konnte sich so sogar ein Zelt anschaffen. „Unterstützt haben uns auch andere, wie die Angler, die Feuerwehr, das THW, aber auch private Haushalte“, würdigt Judy Weinhardt das Engagement.

Sophie Conrad arbeitet beim Ordnungsamt der Einheitsgemeinde Barby. Zudem ist sie im Begleitausschuss aktiv. „Die Leute können sich an uns wenden, wenn sie das Programm nutzen wollen. Wir helfen dann auch beim Ausfüllen der Antragsunterlagen“, verspricht die junge Frau.

Einziger Wermutstropfen: Das Bürgerfest hätte weitaus mehr interessierte Bürger als Publikum verdient. Einen Überblick über die bislang unterstützten Projekte bietet der nebenstehende Infokasten.