Schönebeck l Konzentriert lädt Enrico Gerstner eine Palette mit Büchern auf seinen Gabelstapler. Seit 20 Jahren arbeitet er im Logistik-Bereich der Salzland-Werkstätten. Hier wird fertige Ware – wie heute etwa Druckprodukte für das Grafische Centrum Cuno in Calbe – für den Versand in Kartonage verpackt und für die Lieferung vorbereitet.

Dass Enrico Gerstner vor einem Jahr die Genehmigung erhalten hat, den Gabelstapler fahren zu dürfen, erfüllt ihn mit Stolz. Denn genau wie seine Kollegen, hat Enrico Gerstner eine Behinderung. Doch die soll ihn nicht daran hindern, voll in der Arbeitswelt – und somit auch in der Gesellschaft – integriert zu sein. Aus diesem Grunde, weil die Arbeit in den Werkstätten das Gefühl der Orientierung zurückgeben und Zukunftschancen bieten kann, gibt sich das CJD auch den Beinamen „Die Chancengeber“, erklärt Heike Hermann, Leiterin der Schönebecker Salzland-Werkstätten.

255 Menschen beschäftigt

Am Schönebecker Standort sind derzeit etwa 255 Menschen beschäftigt. Den größten Bereich davon deckt mit 50 Mitarbeitern die Station Verpackung und Montage ab, andere Bereiche sind die Papierbearbeitung für Druckerei-Kunden (etwa 90 Beschäftigte), die Objektpflege im Garten (50 Mitarbeiter) sowie die Tischlerei, Töpferei, Näherei und Hauswirtschaft (jeweils zwischen fünf und zwölf Mitarbeiter).

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Zu den Hunderten Aufträgen, die die Salzlandwerkstätten jährlich bekommen, gehören Kleinserien aber auch Daueraufträge, zum Beispiel Lohnarbeiten für die Druckereien, berichtet Heike Hermann. Die meisten Einnahmen erzielen die Werkstätten im Bereich des Garten- und Landschaftsbaus, der Druckereien sowie der Verpackung und Montage. Auftraggeber sind meist lokale Unternehmen, etwa Thyssenkrupp Presta, Namo, Puschendorf, Ambulanz-Mobile, Pagna und Schlüter.

Generell bekommen die Beschäftigten in den Werkstätten 70 Prozent des Produktionserlöses. Welcher Mitarbeiter wo eingesetzt wird, liegt an den Neigungen und Fähigkeiten. „Viele Herstellungsverfahren werden so auf die verschiedenen Schritte aufgebrochen, dass auch für Menschen mit mehreren oder schweren Behinderungen die Möglichkeit bleibt, sich zu beteiligen“, erklärt Hermann.

Ziel: Außenarbeitsplatz

Einige wenige Mitarbeiter schaffen es auch, nach einer gewissen Zeit in den Salzland-Werkstätten einen sogenannten Außenarbeitsplatz zu finden. So arbeiten beispielsweise vier ehemalige Werkstättenmitarbeiter jetzt im Edeka-Center in Schönebeck. Andere Einstellungsorte sind Takata, Schlüter, der Christliche Verein Junger Menschen (CVJM), oder die Wohnstätte des CJD „Am Stadtfeld“, wo die Beschäftigen als Service-Mitarbeiter eingestellt werden.

Eine noch häufigere Vermittlung in den „ersten Arbeitsmarkt“ ist für Heike Hermann und ihr Team eines der größten Zukunftsziele. „Dazu entwickeln wir Modellprojekte und Konzepte, wie wir noch intensiver unsere Beschäftigten ausbilden, motivieren und begleiten können, um ihnen die Chance auf einen Außenarbeitsplatz bieten zu können“, so Hermann.

Der Gesamtleiter des CJD Carsten Schlüter ist genauso wie sie überzeugt von dem Konzept der Salzland-Werkstätten. „Hier ist der Zusammenhalt so stark wie in einer großen Familie“, findet er. Ihm ist das Begegnen von Menschen auf Augenhöhe und das urteilsfreie Zugehen auf Mitmenschen übrigens so wichtig, dass er nicht von Menschen mit Behinderungen spricht, sondern von „Menschen mit Behinderungserfahrungen“. Und die könne, so sagt er, jeder früher oder später in seinem Leben mitmachen – egal in welch ausgeprägter Form.