Barby l „Wenn ich das Bild von Heinz Hartmann sehe, habe ich sofort wieder den Geruch in der Nase“, erzählte vor Jahren eine alte Barbyerin beim Besuch einer „Schlueter-Ausstellung“ im Rautenkranz. Der Sammler zeigte damals unter anderem ein Porträt des Fotografenmeisters Heinz Hartmann, der bis in die 1980er Jahre sein Geschäft im Magdeburger Tor betrieb. Es war die typische Mischung von Entwickler, Fixiersalz und heißen Scheinwerfern.

Haus nicht zu retten

Am Sonnabend will Daniel Grosch, neuer Besitzer des Hauses, das Gebäude „einschuppsen“. Die wesentlichen Abriss-Vorarbeiten wurden schon vor Wochen erledigt, nur noch der untere Teil der Fassade mit Ladentür und Schaufenster steht noch. Das Haus sei nicht mehr zu retten gewesen, sagt Grosch, der nebenan wohnt. Zwar mache die Klinkerfassade einen intakten Eindruck, der Rest sei jedoch marode. Der Installateurmeister will hier wieder ein Haus „hoch ziehen“, das er als Geschäft benutzen möchte.

Erster Lichtbildner war an dieser Stelle bereits Ende des 19. Jahrhunderts Heinrich Viek. Der überwiegende Teil aller Barbyer Ansichtskarten jener Tage zeigte Motive des Fotopioniers. Eine ganze Reihe großformatiger Original-Fotografien werden im Barbyer Stadtarchiv aufbewahrt. Sie befanden sich bis 1992 bei Vieks Auftraggeber, dem Verlag Hermann Kropp (später Huhn), der auch die „Barbyer Zeitung“ herausgab.

Bilder

Natürliche Beleuchtung

Barbys erstes Fotoatelier entstand schon vor der Jahrhundertwende im Magdeburger Tor. Weil es noch kein elektrisches Licht gab, bauten sich die Lichtbildner große Wintergärten, der optimalen Beleuchtung wegen. So konnte nur fotografiert werden, wenn es auf natürlicherweise hell war. Deswegen mussten die Kunden in der dunkleren Jahreszeit nicht selten kehrt machen, wenn der Himmel bewölkt war.

Reste dieses Ur-Ateliers konnte man auf Daniel Groschs Abrissbaustelle jetzt noch erahnen.

Gunst der Nachkriegszeit

Viek wirkte dort bis zum Zweiten Weltkrieg. Dessen Witwe verpachtete den Laden jedoch zuvor an den heimatvertriebenen Sudetenländer Emil Pitloun, der nach Kriegsende aus Prag gekommen war. Der Fotograf nutzte die Gunst der Nachkriegsstunde und machte ein gutes Geschäft mit den sowjetischen Besatzern, die bis 1959 im Barbyer Schloss Quar- tier bezogen hatten. Für den Großteil der Rotarmisten war es das erste Mal, dass sie sich in einem Fotostudio ablichten lassen konnten. Pitloun ging 1954 in den Westen, arbeitete dort später als Bildjournalist. Seine Fotos waren technisch brillant und gut arrangiert. Man spürt bei deren Betrachtung noch heute die Persönlichkeit des Meisters, der die Leute auf natürliche Weise locker kriegte, bevor er den Auslöser bediente.

1954 übernahm Heinz Hartmann das Geschäft in dem 1870 gebauten Haus. Er führte es fast drei Jahrzehnte lang zusammen mit seiner Ehefrau Christine, schloss aber bereits in den 1980er Jahren.

Fotos aus Hartmanns Archiv

Fotos der Tausendjahrfeier (1961) aus Hartmanns Archiv zeigte die Volksstimme kürzlich bei einem Heimaträtsel. Den Nachlass übergab Christine Hartmann vor ihrem Wegzug dem Barbyer Matthias Hilbig, der vor Jahren die „fotogallery mühle“ aus der Taufe gehoben hatte, die einige Zeit großartige Ausstellungen zeigte.