Schönebeck l Wer das Haus Markt 2 noch einmal fotografieren möchte, der sollte sich beeilen. Denn jetzt beginnen die Vorbereitungen für den Rückbau des Gebäudes, das im Jahr 1900 im Gründerzeitstil entstand. Nach Ostern erfolgt dann der eigentliche Abriss des Hauses. Der Stadtrat hat während seiner jüngsten Sitzung seine Zustimmung zu allem gegeben. Wie schön das Gründerzeithaus nach seiner damaligen Sanierung vor knapp 120 Jahren einmal ausgesehen hat, ist auf dem nebenstehenden Foto zu erkennen. Es stammt aus der Sammlung von Fritz Schönemann. Anlass war die Einweihung des Marktbrunnens vor mehr als 100 Jahren. Direkt hinter dem Brunnen erhebt sich Gebäude mit seinem ganz eigenen Stil. Die Häuser der Jahrhundertwende sind die charakteristischste Gruppe der innerstädtischen Altbauten. Stadtquartiere mit Gründerzeithäusern zählen bis heute zu den bevorzugten innerstädtischen Wohnlagen mit besonderem Flair. Die oft reichhaltige Ausstattung der Häuser mit Stuck und ihre großzügigen Raumzuschnitte machen sie besonders begehrt. Die Gebäude waren als massive Mauerwerksbauten solide konstruiert. Typisch sind Außenwände aus Mauerwerk, Holzbalkendecken in den Obergeschossen und Stahlträgerdecken über dem Kellergeschoss.

Die charakteristische Außenfassade von damals prägt das Haus am Markt heute (leider) nicht mehr. Vielmehr handelt sich um einen sozialistischen Nutzbau, die aufwendigen Verschnörkelungen über den Fenstern verschwanden. Seit gut 20 Jahren steht das Gebäude nun leer, was nach Aussagen von Mitarbeitern der Stadtverwaltung, die das Haus vor Monaten noch betreten konnten, auch sichtbar ist. Zuletzt war der Markt 2 ein Wohn- und Geschäftshaus, im Erdgeschoss befand sich eine Gaststätte.

Der Zahn der Zeit nagt

So nagte der Zahn der Zeit an der alten Bausubstanz. Mehrmals berichteten Leser der Volksstimme darüber, dass plötzlich eine Dachluke des leerstehenden Hauses geöffnet war, sodass Regen und Feuchtigkeit ungehindert eindringen konnte. Den Vorwurf einer absichtlichen Lukenöffnung, um das Haus schneller verfallen zu lassen, hat die Stadtverwaltung stets strikt als unhaltbar zurückgewiesen.

Standsicherheit ist nicht mehr gewährlei

Inzwischen steht fest, dass das Gebäude nicht mehr zu retten ist. Nach einer Fassadenabsprengung Ende Januar dieses Jahres kam es zu einer Gefährdung des öffentlichen Verkehrsraumes auf dem Markt. „Zwecks Einschätzung der vom Gebäude Markt 2 ausgehenden möglichen Gefährdung des öffentlichen Bereiches sowie der direkten Nachbargrundstücke wurde ein entsprechend qualifiziertes Planungsbüro mit der Erstellung einer baustatischen Beurteilung zur Standsicherheit beauftragt“, teilt Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) in einem Schreiben der Volksstimme mit.

Was die Untersuchung ergab, dürfte auch den letzten Schönebecker schon als Information erreicht haben: Die Sicherheit des Tragwerkes ist nicht mehr gewährleistet. Demnach besteht unmittelbarer Handlungsbedarf. Abriss ist die Devise. Die vorbereitenden Arbeiten beginnen planmäßig am heutigen Montag. Die Arbeiten werden montags bis freitags in der Zeit von 7 bis 17 Uhr ausgeführt und wenn notwendig sonnabends zwischen 7 und 12 Uhr. Die voraussichtliche Fertigstellung des Rückbaus ist für Ende April geplant.

Hoffnung ruht auf Neubau

Nach Informationen der Stadt werden die Arbeiten grundsätzlich von der Rückseite des Gebäudes aus durchgeführt. Zum Schutz des Marktbereiches wird eine Staubschutzwand errichtet. Als weitere Schutzmaßnahme erfolgt eine Benetzung des Abbruchmaterials mit Wasser. „Die Abbruchmassen werden über die Stein- und Burgstraße abtransportiert“, so der Oberbürgermeister.

Trotz dieser Maßnahmen können Staub und Lärm während der Bauzeit entstehen. Es wird in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass wegen der notwendigen Befahrung der Baustelle bis Anfang Mai im Bereich Stein- und Burgstraße ein Halteverbot besteht. Die unbefestigte zum Parken genutzte Fläche gegenüber der Postfiliale ist ebenfalls im Zeitraum bis Anfang Mai gesperrt.

Wie geht es nach dem Abriss nun weiter? Auf dem dann leeren Grundstück will das Rathaus einen Neubau errichten lassen, der die Zentralisierung der Verwaltung und einen barrierefreien Zugang ermöglichen soll. Dafür hat sich die Stadt kurzfristig um die Finanzierung über einen Architekturwettbewerb beworben: „Mut zur Lücke – Mut zu Neuem“. Wann und mit welchen Mitteln das neue Verwaltungsgebäude gebaut werden kann, darüber besteht allerdings derzeit noch Unklarheit. Vielleicht aber ist es möglich, dass Elemente der alte Fassade des Gründerzeithauses in den Neubau mit aufgenommen werden können?