Schönebeck l Heinrich Heine war gerade mit seiner Harzreise bekannt geworden, als in Schönebeck Maurer am Marktplatz ein neues, ein repräsentatives Gebäude errichteten. Die Adresse: Markt 2. Das Mehrfamilienhaus ist dann 1906 umgebaut und erweitert worden. In den 1980er Jahren erfolgten umfangreiche Sanierungs- und Stabilisierungsmaßnahmen. So ist es festgehalten in einem Bericht des Magdeburger Planungs- und Ingenieursbüros Röhrig. Die Stadtverwaltung Schönebeck hat das Büro beauftragt, den aktuellen bautechnischen Zustand des Hauses darzulegen, der Bericht liegt den Stadträten vor und ist im Hauptauschuss am Montag gleich nebenan, im Markt 1, dem Rathaus, behandelt worden.

Wie die Volksstimme bereits berichtete, hat sich unter anderem die Stadtratsfraktion FDP/Rettet die Altstadt dafür stark gemacht, zumindest die Fassade des seit 20 Jahren leerstehenden Gebäudes Markt 2 zu erhalten, wenn schon der Rest des alten Hauses nicht mehr zu retten ist. Doch auch daraus wird wohl nichts werden. Es müsse sofort gehandelt werden, sagte im Ausschuss Baudezernent Guido Schmidt. Er meinte damit den vollständigen Abriss. Die Sitution sei dramatisch. „Aus statischen Gründen ist ein Erhalt der Fassade nicht möglich“, so Schmidt.

Verwaltung muss handeln

Das Thema Abriss stand bereits vor gut zehn Jahren zur Diskussion, damals hieß es, würden sich die Kosten dafür auf 80.000 Euro belaufen. Noch vor kurzer Zeit schätzte der zuständige Fachbereich die Summe auf 100.000 Euro. Jetzt ist die Rede von 140.000 Euro. „Ich hoffe, es wird günstiger“, merkte der Baudezernent an. Das Geld für den Abriss will die Stadt aus dem Erlös von Grundstücksverkäufen nehmen.

Von Seiten der Stadtverwaltung heißt es, dass aufgrund der festgestellten Tragwerksschäden eine Gefährdung vom Haus Markt 2 für Leib und Leben ausgeht. „Gefahr im Verzug“ nennt sich das auf Behördendeutsch und heißt: Die Verwaltung muss umgehend handeln und – so ist es vornehmer ausgedrückt – rückbauen.

Keine Nutzung

„Wozu brauchen Sie dann noch unsere Zustimmung“, fragte Stadtrat Torsten Pillat (CDU) an. Gabriele Pohl vom Rechtsamt der Stadt antwortete. Das Kommunalverfassungsgesetz sehe den Stadtrat hier grundsätzlich in der Pflicht. Der Oberbürgermeister könne zwar bei „Gefahr im Verzug“ sofort handeln, müsste aber zumindest im Nachhinein den Stadtrat mit einbeziehen.

Auf das Argument eingehend, die Stürme der vergangenen Monate hätten dem Gebäude den Rest gegeben, wollte Stadtrat Heinz-Günter Burghart (CDU) wissen, ob ein Versicherungsschaden geltend gemacht werden könne. Darauf Guido Schmidt: „Der Sturm ist nicht wirklich der Grund, dass die Statik versagt.“ Er räumte ein: „Natürlich hätte man in den vergangenen 20 Jahren investieren können. Wir hatten aber keine Nutzung. Wir wollten insgesamt umbauen.“ (Aus diesen Umbauplänen ist aber in Ermangelung eines Investors nichts geworden).

Ein Neubau soll über einen Architekturwettbewerb in die Wege geleitet werden. Ob dann die alte Fassade als Vorbild für den Neubau dient, ließ Guido Schmidt offen. „Ich werde dem Wettbewerb nicht vorgreifen“, sagte er. Der Neubau solle sich durchaus in das Ensemble des Schönebecker Marktplatzes einfügen. „Ich vertraue darauf, dass bei dem Wettbewerb gute Lösungen herauskommen“, erklärte Schmidt.