Bienen

Am Anfang braucht’s Fachkenntnis

Von Andre Schneider

Schönebeck

Lydia Horn will sich den Traum vom eigenen Bienenvolk erfüllen. Die Schönebeckerin steht kurz davor: Ende April sollen ihre Tiere kommen. Sie hat mit einem ungewöhnlichen Aufruf für Aufsehen gesorgt.

In sozialen Netzwerken suchte die Neu-Schönebeckerin ein Rapsfeld. Sie will die Pflanzen nicht etwa für die Ölgewinnung, andere Ernte oder Fotomotiv nutzen. Nein, sie hat es auf etwas anderes abgesehen: auf die Pollen. Horn erwartet ein Bienenvolk. Ihr erstes. Damit die kleinen Nutztiere auch ordentlich zutun bekommen, brauchen sie Blüten. Sie wurde, so sagt sie bei einem Gespräch mit der Volksstimme, bei einem Landwirt in Beiendorf fündig, der auch Felder in und um Schönebeck bewirtschaftet. „Er war direkt begeistert und arbeitet auch schon mit anderen Imkern zusammen“, sagt Horn.

Kurs bringt theoretische Kenntnisse

Erfahrungen hat sie bisher keine im Imkerei-Geschäft. Jüngst hat sie einen Kurs absolviert und sich technische und theoretische Grundlagen angeeignet. Die 35-Jährige ist Feuer und Flamme und kann es kaum erwarten, dass ihr neues Hobby endlich so richtig starten kann. Ihre Motive sind dabei idealistisch. Ihr geht es um Naturschutz, darum etwas draußen zu unternehmen. Sie möchte mit Hilfe der Tiere Honig und Wachs gewinnen. Das passt hervorragend zu ihrem Beruf: Lydia Horn praktiziert als Ostheopatin. Erst vor wenigen Tagen eröffnete sie ihre eigene Praxis in Schönebeck, war bisher in Magdeburg aktiv. Dort hat sie auch erste Kontakte zur Imkerei geknüpft. Eine ihrer Patientinnen sei schon länger aktiv und habe erste Vermittlungsversuche unternommen.

Lydia Horn findet viele positive Aspekte an ihrem neuen Hobby. „Die Haltung ist nicht so zeitintensiv, wie bei anderen Nutztieren“, führt sie an, gibt aber gleich zu bedenken: „Man muss sich gut vorbereiten.“ Ein Kurs, so wie sie ihn gemacht hat, sei Gold wert und dringend nötig.

Familienprojekt

Für die Familie von Lydia Horn scheint die Imkerei zu einem gemeinsamen Projekt zu werden. Ihre Kinder Vincent (15) und Stieftochter Emily (14) seien sofort von der Idee begeistert gewesen. Ihre kleineren Kinder im Grund- und Vorschulalter möchte die Schönebeckerin ebenfalls an ihr Hobby heranführen.

Ein weiteres Argument für die Ostheopatin sei die Regionalität von Honig und Wachs. „Es gibt einfach viel zu wenig regionale Produkte“, sagt sie. Da sei Honig und der Wachs, den die Bienen produzieren, eine gute Möglichkeit, nachhaltig Produkte aus der hiesigen Region zu produzieren. Besonders interessant für den Einstieg: „Es gibt Fördermittel, die einen Teil der Kosten decken“, so Horn.

Fördermittel verpflichten

Doch wer diese nutzt, verpflichtet sich auch, wie der Imkerverband Sachsen-Anhalt um dessen Vorsitzende Gabriele Huber-Schabel mitteilt. Die Fördermaßnahmen werden aus einem Topf des Landes Sachsen-Anhalt vergeben und betragen Summen im vierstelligen Bereich pro Person. Doch Nutznießer dieser Gelder verpflichten sich, für mindestens fünf Jahre ihrem Hobby treu zu bleiben.

Das stellt für Wolfram Böhm kein Problem dar. Der Vorsitzende des Schönebecker Imkervereins ist seit 60 Jahren im Geschäft. Er drückt auf Volksstimme-Anfrage etwas auf die Euphorie-Bremse, was Neueinsteiger angeht und berichtet von einer Gegebenheit. „Einmal stand eine junge Frau bei mir vor der Tür und wollte Material kaufen.“ Sie habe aber keine Ahnung gehabt, wie die Imkerei funktioniere, berichtet der passionierte Bienenzüchter. Das sei aber grundlegend. „Bienenhaltung ist Arbeit und keine Schau“, betont der Fachmann. Ein Kurs, wie in Lydia Horn gemacht hat, sei dafür sinnvoll. „Nach dem Lehrgang sind die Teilnehmer in der Theorie recht gut geschult.“

Praxis kommt mit der Zeit

Aber die praktische Arbeit, die erlernt ein Imker erst mit der Zeit. Böhm: „Man muss sich auf die Tiere einstellen.“ Die Bienen leben maximal acht Wochen. Da sei es zwingend erforderlich, dass der Imker wisse, was er tue. So wie die aktuell 24 Mitglieder des Schönebecker Imkervereins. Sie halten gemeinsam etwa 200 Völker. „Die Dunkelziffer“, meint der Vorsitzende, „ist aber ziemlich hoch“. Viele würden privat Bienen halten, was zu Problemen bei der Seuchenbekämpfung führen könne.

Daher rät er Anfängern und Menschen, die sich für das Hobby interessieren, Mitglied in einem Verein zu werden. Das rät Wolfram Böhm auch Lydia Horn. „Nachwuchs ist immer willkommen.“