Körperverletzung

Amtsgericht: Schönebecker greift mit Gardinenstange an, weil Musik zu laut war

Eine mobile Lautsprecherbox ist in Schönebeck der Ursprung einer handfesten Auseinandersetzung gewesen. Nun wird der Fall im Amtsgericht aufgerollt: Es geht um gefährliche Körperverletzung.

Von Paul Schulz 20.07.2021, 14:15
Ein Schönebecker ist im Amtsgericht angeklagt, weil er zwei andere Männer mit einer Gardinenstange angegriffen haben soll.
Ein Schönebecker ist im Amtsgericht angeklagt, weil er zwei andere Männer mit einer Gardinenstange angegriffen haben soll. Foto: Uli Deck/dpa

Schönebeck - Die mobilen Lautsprecher, auch Boom-Boxen genannt, erfreuen sich seit in paar Jahren großer Beliebtheit. Vor allem Jugendliche sieht und hört man oft damit durch die Straßen ziehen. Und genau so ein mobiler Lautsprecher war in Schönebeck der Ursprung einer Auseinandersetzung, die nun im Amtsgericht der Elbestadt aufgerollt wird.

Angeklagt ist der 36-jährige Schönebecker Manuel Gerde (Name geändert). Er soll in einer Januarnacht vergangenen Jahres zwei junge Männer nahe der Welsleber Brücke mit einer Holzlatte angegriffen haben. Einen habe er damit gegen die Schulter geschlagen, dem anderen gegen den Kopf. Als dieser zu Boden ging, habe Gerde weiter auf ihn eingeschlagen. Das sei gefährliche Körperverletzung, so die Staatsanwaltschaft. Zudem habe Manuel Gerde auch das Handy des einen Opfers gestohlen.

Ohne große Umschweife oder Druckserei stellt Gerde klar: „Ja, das stimmt so. Es war eine Scheiß-Aktion von mir.“ Er betont aber auch, dass das nur den Angriff betreffe. Das Handy habe er nicht gestohlen. „Wozu auch, ich habe das gleiche Handy“, rechtfertigt sich Gerde.

Boom-Box zu laut

„Wie kam es denn überhaupt zu der Auseinandersetzung?“, will Strafrichter Eike Bruns vom Angeklagten wissen. Und da kommt die Boom-Box ins Spiel. „Die beiden sind mit lauter Musik die Straße lang. Ich habe gesagt sie sollen das leiser machen – was sie auch getan haben. Als ich dann schon fast wieder weg war, riefen die mir hinterher ’Dich kriegen wir noch du Fotze.’ Da ging dann bei mir eine rote Lampe an“, erklärt Manuel Gerde. In seiner Wut habe er sich eine hölzerne Gardinenstange geschnappt und auf den ersten der beiden, Marko Holley (Name geändert), eingeschlagen. Er trifft ihn an der Schulter, die Holzstange bricht entzwei. „Der ist dann stiften gegangen“, erinnert sich Gerde. Anschließend greift er den anderen Mann, Pierre Müller (Name geändert) mit der inzwischen halb so großen Stange an. „Ob ich ihn am Kopf getroffen habe, kann ich nicht mehr sagen.“

Richter Bruns wirft die Frage auf, ob Müller dabei möglicherweise das Handy verloren habe. „Und Sie haben es dann vielleicht irrtümlich für Ihr Handy gehalten und eingesteckt?“

Nein, das könne nicht sein, beharrt Gerde. „Mein Handy hat eine rot-schwarze Hülle und das soll ja ganz anders ausgesehen haben.“

Bruns ruft Marko Holley in den Zeugenstand. Was der 21-Jährige berichtet deckt sich weitestgehend mit der Aussage des Angeklagten Manuel Gerde. Ob und wie das Handy seines Kumpels verschwunden ist, habe er nicht gesehen. „Ich habe mich ja ein wenig entfernt, um die Polizei zu rufen“, sagt der junge Schönebecker.

Da Pierre Müller nicht erscheint, um seine Sicht der Dinge zu schildern, wird das Verfahren in Sachen Diebstahl eingestellt. Die gefährliche Körperverletzung ist aber noch nicht vom Tisch.

Mehrere Vorstafen

In seinem Plädoyer fordert der Vertreter der Staatsanwaltschaft den Angeklagten zu einer neunmonatigen Freiheitsstrafe, zur Bewährung ausgesetzt, zu verurteilen. Gegen Gerde würden seine Vorstrafen sprechen. Schließlich musste er sich bereits wegen Gewaltdelikten, Sachbeschädigung, Beleidigung und Diebstahl vor Gericht verantworten. Für den 36-Jährigen spreche sein Geständnis.

Manuel Gerde zeigt sich indes weiter einsichtig. „Ich habe Blödsinn gemacht und muss dafür gerade stehen“, stellt er fest.

„Sie sind kein unbeschriebenes Blatt“, hebt Richter Bruns in seinem Urteil hervor. Er verurteilt Gerde zu einer neun-monatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung. Zudem muss er 1800 Euro an das Kinderhospiz in Magdeburg zahlen.