Amtsgericht

Angeklagt: Hat Boxer aus Schönebeck Polizisten angegriffen und beleidigt?

Bisse, Tritte, Kopfstöße und Beleidigungen: Ein dem Boxsport zugetaner Schönebecker soll Widerstand gegen Polizisten geleistet haben. Die Angriffe streitet der Mann ab.

Von Paul Schulz
Ein Schönebecker soll Polizisten beleidigt und angegriffen haben. Neben Tritten und Kopfstößen habe er auch zugebissen.
Ein Schönebecker soll Polizisten beleidigt und angegriffen haben. Neben Tritten und Kopfstößen habe er auch zugebissen. Foto: Uli Deck/dpa

Schönebeck - Dass er „Aggressionsprobleme“ hat, räumt der 39-jährige Schönebecker Frank Rode (Name geändert) vor Gericht zwar ein, doch die Vorwürfe, die die Staatsanwaltschaft gegen ihn erhebt, würden „auf keinen Fall“ zutreffen, sagt der im Boxsport aktive Angeklagte.

Der Vorwurf lautet: Widerstand gegen die Staatsgewalt. Rode soll am 1. Mai 2020 mehrere Polizeibeamte beleidigt und auch angegriffen haben, die zur Wohnung der Schönebeckers gerufen worden sind – allem Anschein nach von Rodes Lebensgefährtin.

Polizisten gegen Tür gedrückt

Wie die Staatsanwaltschaft es darlegt, hat Frank Rode versucht, einen der Polizisten zu schlagen. Als dieser ausweicht, habe Rode ihn gegen die Tür gedrückt und dessen Hände gepackt und gequetscht. Der Kollegin des Polizisten habe er versucht an die Koppel zu greifen, wo sich unter anderem der Polizeiknüppel befindet. Der gegen die Tür gedrückte Polizist wurde zudem von Rode in den Arm gebissen, so der Vertreter der Staatsanwaltschaft. Weitere Polizisten, die zum Einsatzort gerufen werden, habe Rode getreten und auch versucht Kopfstöße gegen die Beamten auszuführen. Neben der körperlichen Auseinandersetzung habe der Schönebecker die Beamten mit Ausdrücken wie „Schlampe“, „Fotze“ und „Drecksschweine“ beleidigt. Irgendwann sei es den Polizisten gelungen, den Mann zu bändigen und am Geländer im Treppenhaus zu fixieren.

So habe sich das aber alles nicht zugetragen, beharrt der Angeklagte auf Nachfrage von Strafrichter Eike Bruns.

Beleidigungen eingeräumt

„Die Beleidigungen: Ja, okay“, räumt Rode ein, obwohl er sich zunächst gar nicht äußern wollte. „Aber die haben mich da doch nicht mit so vielen Leuten rausgeschleppt. So wie der es vorgelesen hat, war es auf keinen Fall.“

„Wenn Sie sagen, dass das nicht so war, dann kann ich auch die Zeugen dazu holen“, schlägt Bruns vor. „Ach, ich will einen Schlussstrich ziehen“, sagt Rode.

Polizeibericht spricht von „massiver Gegenwehr“

„Und ich bin hier, um die Wahrheit herauszufinden“, entgegnet Richter Bruns. „Und dann brauchen wir die Zeugen.“ Nachdem der Richter noch aus dem Bericht der Polizisten vorliest, wo von „massiver Gegenwehr“, „minutenlangem Ringen“ und „Kopfstößen und Tritten“ die Rede ist, da wird Rode lauter: „Wie soll ich denn das alles gemacht haben? Das geht gar nicht. Ich war doch in Handschellen.“

„Für mich hört es sich so an, dass die Beamten mit Ihrer Lebensgefährtin reden wollten – und Sie wollten das nicht zulassen“, sagt Richter Eike Bruns.

„Und Sie glauben der Polizei, oder was?“, schnaubt der Angeklagte.

Fortsetzung der Verhandlung

„Ich war nicht dabei, Herr Rode. Und wenn Sie sagen, dass es nicht so war, dann laden wir eben die Zeugen vor“, erklärt Bruns erneut. Und Frank Rode lässt sich schließlich darauf ein.

Versucht es aber vorher noch mit einem Strategiewechsel: „Können wir den ganzen Scheiß nicht einfach vergessen?“ Dass die Staatsanwaltschaft bei solchen Vorwürfen die Anklage fallen lässt, sei eher sehr unwahrscheinlich, erklärt Bruns dem Angeklagten. Die Verhandlung mit Anhörung der Zeugen wird am 9. Juni fortgesetzt.