Calbe l Noch 2019 will Bürgermeister Sven Hause (parteilos) dem Stadtrat eine Beschlussvorlage über eine mögliche Reduzierung der Geschwindigkeit in der Ortsdurchfahrt vorlegen. Damit reagiert der Bürgermeister offenbar auf die Kritik der Anwohner der Landesstraßen, die sich durch die Saalestadt ziehen und vor allem für den überörtlichen Verkehr täglich von vielen tausend Fahrzeugen genutzt werden.

Die Landesstraßenbaubehörde hatte auf Bitten der Stadt untersucht, welche Lärmbelastung an der Landesstraße 65 am Tag und in der Nacht im Durchschnitt herrschen. In der Informationsvorlage für die Stadträte im Bauausschuss fasste die Verwaltung das Ergebnis der Untersuchung so zusammen: „Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die Grenzwerte am Tag und in der Nacht durchweg überschritten werden.“

Mehr Lärm als im Gesetzt verankert

Dabei dürfte die Erkenntnis wenig überrascht haben. Denn mindestens seit dem Spätsommer 2012 ist dies in der Stadt bekannt. Damals fand eine Bürgerversammlung im Gerätehaus der Feuerwehr statt. Ein von der Stadt beauftragter Fachmann hatte zuvor untersucht, in welcher Intensität die Bürger an der Ortsdurchfahrt beschallt werden. Dabei griff der Fachmann auf Verkehrszählungen aus dem Jahr 2010 zurück. Das Ergebnis war eindeutig.

Rund 620 Einwohner der Saalestadt sind Tag und Nacht mehr Lärm ausgesetzt, als sie vom gesetzlichen Rahmen her ertragen müssten. „Diese Calbenser sind großen Belastungen ausgesetzt, die krank machen können“, lautete damals bereits das Fazit. Die Stadt hatte die Untersuchung angestellt für ein Lärmkataster, welches erstellt werden musste. Die Erkenntnis wanderte in den Aktenschrank. Passiert ist seit der Bürgerveranstaltung nichts. Die neue Untersuchung der Landesstraßenbaubehörde bestätigt nur die alten Erkenntnisse.

30er-Zone als Lösung

Vor sieben Jahren schlug der von der Stadt beauftragte Fachmann zur Lärmreduzierung vor: „Maßnahmen wären beispielsweise eine 30er-Zone einzurichten, Ampeln durch Kreisverkehre zu ersetzen oder Flüsterasphalt aufzubringen.“

Umgesetzt wurde keiner der Vorschläge. Nach der aktuellen Lärmberechnung teilte das Verkehrsministerium auf Anfrage mit: „Die abschließende Festlegung zu den seitens der Kommune angestrebten Geschwindigkeitsbeschränkungen zur Verringerung der Lärmbelastung trifft die Straßenverkehrsbehörde, abschließend ggf. mit einer entsprechenden verkehrsbehördlichen Anordnung.

Abstimmung nötig

Nach Rücksprache mit der unteren Verkehrsbehörde des Landkreises befindet man sich diesbezüglich aktuell noch im Abstimmungsprozess mit der oberen Verkehrsbehörde beim Landesverwaltungsamt.“ Für die Anwohner ist der jahrelange Stillstand kaum tröstlich. Denn ihre Häuser verlieren mit jedem Dezibel mehr Lärm mehr an Wert, klagt ein Anwohner.

Warum nicht schon längst Tempo 30 in der Ortsdurchfahrt ausgeschildert sei, verstehen die Anwohner nicht. Denn sie haben jahrelang ein prominentes Beispiel vor der Tür gehabt. Bis zum Bau der Ortsumgehung mussten alle Fahrzeuge in der Ortsdurchfahrt Brumby mit maximal 30 Stundenkilometern fahren. Um das durchzusetzen war die Polizei sehr oft vor Ort und überprüfte die gefahrenen Geschwindigkeiten.

Beschlussvorlage für Stadtrat

Ob und wie die Anlieger der Ortsdurchfahrt entlastet werden können, damit soll sich der Stadtrat befassen. Auf der übernächsten Sitzung soll den Volksvertretern dazu eine entsprechende Beschlussvorlage vorliegen, kündigte der Bürgermeister jetzt an.

Er wolle sich mit einer Empfehlung zurückhalten, sagte er. Die Stadträte sollen entscheiden, ob der Durchgangsverkehr in Zukunft nur noch maximal 30 Stundenkilometer schnell durch die Saalestadt fahren soll, kündigte er an. Schlussendlich muss das aber der Landkreis entscheiden.