Schönebeck l So ein freiwilliger Arbeitseinsatz ist doch immer und vor allem mit einem verbunden: mit Arbeit. Und ein Wochenende lässt sich durchaus anders verbringen, als mit zusätzlichen Aufgaben. So ist es oft gang und gäbe, dass sich bei einem Aufruf zu einem Subbotnik - um einmal einen langsam aus der Mode kommenden Begriff zu gebrauchen - die Begeisterung in Grenzen hält. Verhinderungsgründe müssen schnell gefunden werden. Man würde ja gerne - aber... Ganz anders ist das bei der Freien Montessori-Schule in Schönebeck. Hier hatten am 7. April nicht etwa die Lehrer zu einem unentgeltlichen In-die-Hände-spucken aufgerufen, auch nicht der Vorstand des Trägervereins: vielmehr wollten das die Eltern. Sie bestanden darauf, dass sich die Lehrer zurückhalten dürfen.

Und so halfen ab 10 Uhr viele Hände mit. Schließlich ist am Sonnabend, 14. April, von 10 bis 13 Uhr Tag der offenen Tür. Da soll alles schick sein. Es galt zum Beispiel, die Außenanlagen zu pflegen, zu bepflanzen, bereits gesetzte Blumen zu gießen. Fenster mussten geputzt, Tafeln, die sich nicht mehr bewegen ließen, repariert oder neu befestigt werden. Gekommen um mitzuhelfen waren nicht nur Eltern, sondern auch ehemalige Schüler. Etwa Pia-Marie Kolbe. Die 18-Jährige besuchte während ihres Grundschulalters die Montessori-Schule in der Otto-Kohle-Straße. Von der Volksstimme befragt, warum sie denn mithelfe, sagte die junge Frau: „Weil meine ganze Familie heute dabei ist.“ Und: „Weil ich hier eine echt gute Schulzeit hatte.“

Lob von Eltern-Seite

Worte, die die Lehrerinnen und pädagogischen Mitarbeiterinnen um Schulleiterin Kathrin Steuer nur zu gerne hören dürften. Doch das Lob kommt auch von Eltern-Seite. „Es ist die Art des Lernens hier, die mich überzeugt und begeistert“, versichert Stephanie Mehr. Sie gehört zum Vorstand des Trägervereins. Lernen, fügt sie hinzu, kann Spaß machen und an der Montessori-Schule mache es Spaß. Wie könne es sonst sein, dass die Kinder während der Ferien immer wieder fragen: ‚Wann geht die Schule wieder los?‘

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„Hier wird auf anschauliche Weise Wissen vermittelt. Ich habe schon Erwachsene sagen hören: ‚Ja, wenn mir das jemand zu meiner Schulzeit so erklärt hätte - dann hätte ich es verstanden‘“, beschreibt Stephanie Mehr den gewissen Unterschied zu staatlichen Schulen früher. Und prinzipiell auch zu heute, findet die Mutter, denn sie ergänzt: „Bei Montessori wird Wissen nicht in die Köpfe der Kinder reingehämmert - und nach der nächsten Klassenarbeit haben sie es wieder vergessen. Das ist ja das Problem der staatlichen Schulen.“

In eigenem Tempo lernen

Was also wird anders gemacht? „Jedes Kind hat die Möglichkeit, in seiner eigenen Geschwindigkeit zu lernen. Das Gute ist auch, dass die Klassen klein sind“, sagt Klassenlehrerin Gundula Pöhlmann-Kneissl. Außerdem komme an einer staatlichen Schule auf 100 und mehr Kinder eine pädagogische Mitarbeiterin, an der Schönebecker Montessori-Schule stehen bei insgesamt 65 Kindern in den Klassen 1 bis 4 drei pädagogische Mitarbeiterinnen zur Verfügung.

Zu den außerschulischen Angeboten gehören etwa Jonglage, Yoga, Entspannungstechniken, Erste Hilfe und ein Chor, auch eine Schulbibliothek kann genutzt werden.

„Was ich auch gut finde, ist, dass Englisch ab der 1. Klasse unterrichtet wird. Einfach, weil es heute zum Leben dazugehört“, findet Stephanie Mehr.

Aber schreckt das zu zahlende Schulgeld an der freien Schule nicht ab? Die befragten Eltern verneinen. Und es sei auch keinesfalls so, dass Schüler privilegiert sind, wenn sie eine freie Schule besuchen oder deren Eltern besonders gut betucht sein müssen. Laut Schulordnung müsse der Besuch einer freien Schule auch weniger begüterten Familien ermöglicht werden, führt Stephanie Mehr an. Schulgeld könne von den Eltern auch in Form von Arbeitseinsätzen abgegolten werden, erläutert sie.

Hilfe des Landes ungenügend

Auf jeden Fall ist die Bewerberschar seit Jahren groß, sagt Schulleiterin Kathrin Steuer. Vor allem Eltern, die bereits ein Kind in der Schule hatten, möchten auch die Geschwisterkinder in der Otto-Kohle-Straße unterrichten lassen. Die Kinder kommen aus dem Altkreis Schönebeck, aber auch aus dem Jerichower Land und Magdeburg.

So ist denn alles gut? Nein, sagen Eltern wie Stephanie Mehr. Die Unterstützung durch das Land Sachsen-Anhalt lasse zu wünschen übrig. Das gelte in finanzieller Hinsicht aber auch bezüglich der Nachwuchsgewinnung von Lehrern. Hier sei die Entwicklung in den vergangenen Jahren regelrecht verschlafen worden. Das bekomme auch Montessori in Schönebeck zu spüren.

Da Lehrer an freien Schulen in der Regel weniger verdienen als an staatlichen Bildungsstätten, gehen Hochschulabsolventen lieber dorthin, wo das Gehalt höher ist. „Bis sie dann mit den Nerven fertig sind“, sagt Gundula Pöhlmann-Kneissl.

Bundesfreiwilliger wieder gesucht

In der Freien Schule Schönebeck, Grundschule nach Montessori (so die vollständige Schreibweise) lernen derzeit - wie bereits erwähnt - 65 Mädchen und Jungen, sie werden von fünf Lehrerinnen unterrichtet. Zur Schule gehört auch ein Hort.

Lehrer und Eltern wollen noch folgende Nachricht verbreitet sehen: Die Stelle eines Bundesfreiwilligen kann ab dem neuen Schuljahr neu besetzt werden. Sofern jemand Interesse hat, später Lehrer oder Erzieher zu werden, wäre das ein guter Einstieg.

Übrigens: Zum Abschluss des Arbeitseinsatzes setzten sich Eltern, Lehrer und Schüler am Grill zusammen - die Verpflegung hatte der Essensversorger der Schule sogar gesponsert.