Schönebeck l Die letzten Grabungsarbeiten im Bereich der Schönebecker Ortsumgehung B 246a zwischen den Kreisverkehren Calbesche Straße und Barbyer Straße liegen gerade einmal 13 Jahre zurück. Doch gerade weil es vor den Bauarbeiten für die Ortsumgehung in den Jahren 2006 und 2007 so viele (Be)Funde aus längst vergangener Zeit gab, wurde auch jetzt wieder nach archäologisch brauchbaren Spuren gesucht.

Denn parallel zur B 246a soll ein Abfanggraben entstehen. Mit diesem sollen Kapazitäten zum Ableiten von Oberflächen- und Grundwasser geschaffen werden – sozusagen ein Vorfluter, um die Stadt Schönebeck vor Vernässung zu schützen.

Grabenbereich wird untersucht

Doch bevor diese Bauarbeiten starten können, haben Grabungsleiter Sergey Sitnikov vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt und sein Team den Bereich des zukünftigen Abfanggrabens ganz genau unter die Lupe genommen. „Untersucht wurde aber nur der Bereich, in dem auch gebaut wird“, erklärt Projektleiterin Dr. Susanne Friederich. „Selbst wenn wir etwas finden, graben wir nicht einfach einen Meter weiter nach rechts oder links“, sagt sie.

Bilder

Gut zu sehen ist dieses Vorgehen an einer Kreisgrabenanlage, die die Grabungshelfer freigelegt haben. Nur rund ein Sechstel der eigentlichen Anlage durfte freigelegt werden – der Rest der Anlage befindet sich in einem Bereich abseits des künftigen Abfanggrabens und ist für die Archäologen somit tabu.

Neues Kreisgrab entdeckt

„Wir vermuten, dass das Kreisgrab aus einer ähnlichen Zeit stammt, wie eines, das zwischen Pömmelte und Schönebeck entdeckt wurde“, berichtet Grabungsleiter Sergey Sitnikov. Dabei handelt es sich konkret um die Zeit zwischen 5300 bis 4800 vor Christus – ein Abschnitt der Jungsteinzeit, in der die Menschen bereits Ackerbau betrieben und Haustiere gehalten haben.

Mit dem Wissen um zahlreiche (Be)Funde vor 13 Jahren – insbesondere im Bereich des Kreisverkehrs Richtung Barby – hatte Grabungsleiter Sergey Sitnikov schon vor den Grabungen gehofft, Gruben, Gräbchen und Pfostenlöcher zu finden. Und tatsächlich: Die Hoffnungen des Experten wurden nicht enttäuscht. „An diesen Stellen ist die Erde dunkler“, erklärt der Experte. In dem insgesamt fast sieben Kilometer langen Graben sind auch für den Laien immer wieder dunkle Stellen zu erkennen – kenntlich gemacht mit einem kleinen Schild.

Funde werden digital erfasst

Wo früher per Hand Karten über diese sogenannten Befunde, die nicht mitgenommen werden können, gemacht wurden, kommt heute moderne Technik zum Einsatz. Wie im Straßenbau vermessen die Grabungsmitarbeiter Alexander Hielscher und Heike Reppin die Fläche, sodass digitale Karten entstehen, auf denen die einzelnen Befunde eingezeichnet sind.

Im Gegensatz zu diesen Befunden haben die Grabungsmitarbeiter aber auch viele sogenannte Funde, sprich Knochen- und Keramikfragmente, entdeckt, die mitgenommen und genauer untersucht werden können, entdeckt. Und genau dieser Umstand unterscheidet nicht transportable Befunde von mitzunehmenden Funden.

Funde in Plastiktüten

Die einzelnen Funde wurden in Plastetüten verpackt, mit einer Nummer versehen und ebenfalls in die digitale Karte aufgenommen. So wissen die Archäologen später noch genau, was wo gefunden wurde – auch wenn sie „ihren“ Graben jetzt wieder zuschütten, damit der Abfanggraben ausgehoben werden kann.

Dass im Rahmen der archäologischen Arbeiten überhaupt schon ein „Graben“ entstanden ist, liegt daran, dass ein Bagger den Mutterboden auf einer Breite von fünf Metern bis auf das archäologisch relevante Niveau abtragen musste.

Untersuchung erst im Winter

So haben die Grabungsmitarbeiter um Sergey Sitnikov in den vergangenen Wochen seit Start der archäologischen Arbeiten am 8. Juni nämlich kistenweise Fundstücke ans Tageslicht bringen können. Darunter linienbandkeramische Gefäßfragmente aus der Zeit um 5500 vor Christus, der Schädel eines Ebers aus der Zeit um 4000 bis 3500 vor Christus und Fundstücke aus der späten Bronzezeit um 1000 vor Christus.

Detailliert untersucht werden die einzelnen Funde allerdings wohl erst im Winter. Denn zu dieser Zeit können die Archäologen ohnehin keine Grabungen durchführen, sodass die kalte Jahreszeit für die Kategorisierung vorgesehen ist. „Aus Neugier will man die Stücke aber eigentlich immer sofort genauer untersuchen“, sagt Projektleiterin Dr. Susanne Friederich.

Letztendlich werden aus den gefunden Indizien Schlussfolgerungen über das damalige Leben gezogen.