Schönebeck/Bernburg l „Was erinnert in der Ausstellung an den Hit „Wie ein Stern“ von Frank Schöbel?“ Zur Auswahl standen zwei Antworten auf dem Fragebogen: A, Anzug oder B, Smoking. Da man letzteren äußerst selten im Arbeiter- und Bauernstaat trug, war A richtig. Der damals beliebte Schlagersänger landete mit dem Titel „Wie ein Stern“ sogar fünf Mal auf Platz eins in der Rias-Sendung „Schlager der Woche“. Der helle Anzug war ein Ausstellungsstück der Bernburger Amiga-Ausstellung, die rund 3.000 Exponate umfasste. Schöbel hatte ihn als Leihgabe überlassen.

An der „Hit-Aktion“ - wie Kurator Torsten Sielmon das Preisausschreiben nennt - beteiligten sich 1124 Ausstellungsbesucher. Ein stolze Zahl, die die gute Resonanz auf die Jubiläumsschau „70 Jahre Amiga“ beweist. Zwei der sieben Preisträger wurden Ende vergangener Woche im Bad Salz-elmener Solepark geehrt. Es sind Wolfgang Heinrichs aus Magdeburg und Katrin Siegmund aus Schönebeck.

Udo Jürgens statt AC/DC

Die Preisträger wurden Ende März von niemand Geringerem als den Gründungsmitgliedern der Rockband „Karussell“ im Leipziger „Krystallpalast“ gezogen. Die Band sorgte in den 80er Jahren mit Titeln wie „Als ich fort ging“ oder „Wie ein Fischlein unterm Eis“ für Furore. Katrin Siegmund und Wolfgang Heinrichs gewannen eine „Classic-Venyl-Edition“ berühmter Schallplatten der Bands „Karat“ und „Silly“. „Nur gut, dass ich heute noch drei Plattenspieler zu Hause habe“, freute sich der Magdeburger Heinrichs. Er konnte dann auch eine typische DDR-Geschichte zum Besten geben, wie sie unzählige Plattenkäufer damals erlebten.

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Wenn Schallplattengeschäfte in unregelmäßigen Abständen „West-Platten“ bekamen, sprach sich das schnell rum. An solchen Tagen bildeten sich bereits vor Öffnung der Läden lange Schlangen. Man stellte sich an, ohne zu wissen, was es konkret gab. Spekulierte der potenzielle Käufer beispielsweise auf Hardrock von „AC/DC“, konnte es passieren, dass er mit einer Udo-Jürgens-Platte den Laden verließ.

Doch Wolfgang Heinrichs hatte eines Tages im Urlaub an der Müritz „überirdisches Glück“. „Uns kam jemand entgegen, der eine Stones-Platte in der Hand hatte“, so der Magdeburger. Als er wenig später das Geschäft betrat, meinte er schon zu spät zu kommen, weil die „Stones“ ausverkauft waren. Doch die Eigendynamik, die derartige Amiga-Lizenzplatten in der Regel auslöste, hatte das Volk noch nicht ergriffen. „Da habe ich ganz normal 16,10 Mark auf den Tisch gelegt und einfach so die Rolling Stones gekauft“, wundert sich Heinrichs noch heute. Es sei „wie im Westen“ gewesen.

Interessante Geschichten

Auch Torsten Sielmon, der umtriebige Museumspädagoge und kreative Ausstellungsmacher aus Bernburg, konnte interessante Storys aus der Amiga-Welt beitragen. Als 1982 „Der Blaue Planet“ von „Karat“ auch im Westen erschien, gab es zwei unterschiedliche Plattencover. Für die sozialistische Wirtschaftshemisphäre war ein Teil der Erde, für die westliche der gesamte Planet abgebildet. Ein Schelm, der Arges dabei dachte. Noch krasser war es bei Herbert Grönemeyers Kultalbum „Bochum“. Hier trommelte der Magdeburger Detlev Kessler („Klosterbrüder“, später Gruppe „Magdeburg“) nachdem er die DDR verlassen hatte.

Während er auf dem Westcover mit Name und Foto vermerkt war, hatte man ihn auf „wundersame Weise“ auf der Amiga-Lizenz-Platte „vergessen“.

Texthonorar 1.028 Mark

Zur Preisverteilung war auch der Schönebecker Volker Graßhoff in den Solepark gekommen. Er hatte zusammen mit dem Schönebecker Musik-Urgestein Jochen Müller (†) für die Sängerin Regina Thoss den Titel „Frage nicht den Wind“ geschrieben, der 1968 auf der Sammel-Schallplatte „Schlager Asse“ erschien. Die Vinylscheibe, eine absolute Rarität, war Bestandteil der Bernburger Ausstellung. Graßhoff plauderte auf Volksstimme-Anfrage aus dem Nähkästchen. „Dafür habe ich damals 1.028 Mark Honorar bekommen.“

Die Amiga-Ausstellung wandert übrigens weiter. Wie Torsten Sielmon sagte, werde sie ab Juni im mecklenburgischen Parchim, danach in Berlin zu sehen sein.