Touristeninformation im Schönebeck

Schönebeck:

Stadtinformation am Markt

Markt 21

39218 Schönebeck

Öffnungszeiten:

Montag bis Freitag

9 bis 12.30 Uhr und

13.30 bis 18 Uhr

Sonnabend 9 bis 11.30 Uhr

Sonntag geschlossen

Bad Salzelmen:

Stadtinformation Bad Salzelmen Am Soleturm

Badpark 1

39218 Schönebeck

Öffnungszeiten

Montag geschlossen

Dienstag bis Freitag

10 bis 12 Uhr und

13 bis 18 Uhr

Sonnabend und Sonntag

13.30 bis 18 Uhr

Internet

www.solepark.de

Die nächsten Termine im Kurpark Bad Salzelmen

Freitag, 19. Juli:

Führung über den Gertraudenfriedhof. Uhrzeit: 19 Uhr. Treffpunkt: Rehaklinik

Sonntag, 21. Juli

Boule spielen im Kurpark. Uhrzeit: 14 Uhr. Treffpunkt: Kurpark Bad Salzelmen.

(jeden Sonntag)

Donnerstag, 25. Juli:

Kirchenbesichtigung St. Johannis mit dem Kirchbauverein. Uhrzeit: 16.30 Uhr Kirche St. Johannis.

Freitag, 26. Juli:

Abendliches Schausiden. Uhrzeit: 19 Uhr: Treffpunkt: Hexenhügel

Sonntag, 28. Juli:

Kurparkrundgang mit Dr. Tolberg. Uhrzeit: 14 Uhr Treffpunkt: Rotes Haus am Soleturm.

Schönebeck l Die Begeisterung für Bad Salzelmen hat auch ein bisschen mit Wehmut zu tun. „Früher gab es in den Gassen so viele schöne alte Fachwerkhäuser. Die wurden leider abgerissen“, sagt Isolde Hoch-Schilling. Die 76-Jährige hat fast ihr gesamtes Leben in Bad Salzelmen verbracht.

Nur zu DDR-Zeiten lebte sie ein paar Jahre in Schönebeck, weil ihr dort eine Wohnung zugewiesen worden war. Sobald es ging kehrte sie zurück in ihr altes Viertel. Inzwischen wurden dort auch die verbleibenden historischen Häuser restauriert. „In Bad Salzelmen kann man Geschichte atmen. Die alten Gebäude machen den damaligen Reichtum sichtbar, für den das Salz gesorgt hat“, sagt Isolde Hoch-Schilling.

Ihr Begeisterung, nein, besser gesagt, ihre Liebe für Bad Salzelmen war es auch, die die rüstige Rentnerin motiviert hat, sich als Gästeführerin beim Kurpark zu melden. „Ich hatte in der Zeitung gelesen, dass Gästeführer gesucht werden. Und weil ich schon als Grundschullehrerin meinen Schülern viel über meine Heimat erzählt habe, wollte ich mich für die Aufgabe melden“, sagt Hoch-Schilling. Erfahrungen, vor Gruppen Wissen zu vermitteln, hatte sie also auch schon reichlich gesammelt.

Salzline und die Geschichte vom "weißen Gold"

Wichtigste Voraussetzung für die Bewerbung beim Solpark war ein eigenes Konzept, das sie später den Besuchern präsentieren konnte. Und so kam die Rentnerin auf Salzline, eine historische Bewohnerin mit hellem Hut, Rock und Schürze, die den Gästen die Geschichte von Bad Salzelmen näherbringt. „Salzline kennt sich sehr gut im Viertel aus und kennt auch zwischenmenschliche Geschichten und Anekdoten aus den historischen Gebäuden“, sagt Isolde Hoch-Schilling. Wobei Salzline eine rein fiktive Gestalt ist und kein reales Vorbild hat. Der Name gefiel ihr einfach, zumal er auch auf das Salz, das „weiße Gold“ von Bad Salzelmen anspielt. Auf keinen Fall aber möchte Isolde Hoch-Schilling „Salzlinchen“ genannt werden. Das sei ihr zu niedlich, sagt sie.

Seit diesem Jahr nun nimmt Salzline die Besucher einmal im Monat mit auf einen Streifzug durch Bad Salzelmen vom Kurpark entlang der Edelhäuser der einstigen Pfänner bis hin zum Markt. Wobei Isolde Hoch-Schilling noch ein bisschen Üben muss, sich ihre Zeit richtig einzuteilen. „Diese Woche konnte ich gar nicht alle Geschichten in den 90 Minuten erzählen“, sagte sie. Da muss sie vielleicht ein bisschen kürzen. Oder einfach schneller gehen und sprechen?

Aus Salze und Elmen wird Bad Salzelmen

Da ist zum Beispiel die Villa Ida in der gleichnamigen Idastraße am Kurpark, die ein Bankier aus Berlin errichten ließ und nach seiner Frau benannte. Später verbrachten dort die Kinder von reichen Familien aus der Hauptstadt ihre Ferien. Gegenüber vom Schwanenteich deutet Isolde Hoch-Schilling auf das immer wieder leer stehendes historisches Gebäude. „Früher war das ein Gesellschaftshaus für die Kurgäste“, erzählt sie. Dort gab es zur Unterhaltung ein Lesezimmer, ein Musikzimmer und ein Spielzimmer. Zu DDR-Zeiten waren dort unter anderem die Kaninchenzüchter untergebracht. Vor wenigen Wochen hat dort ein griechisches Restaurant aufgemacht – wieder einmal.

Und dann ist da natürlich noch die Geschichte vom Namen von Bad Salzelmen. Aus Elmen und Alt Salze wurde zunächst 1894 die Stadt Groß Salze, dann 1926 Bad Salzelmen und 1932 schließlich ein Stadtteil von Schönebeck. Nicht zu vergessen: Bereits 1802 wurde dort das erste Soleheilbad in Deutschland eröffnet, anfangs noch bekannt als das „Soolbad zu Elmen“.

Organisiert und vermarktet werden die Gästeführung rund um Bad Salzelmen vom Solepark. „Wir haben derzeit zehn Gästeführer“, sagt Linda Pickert vom Solepark. So können sich Besucher unter anderem den Kurpark, den Kunsthof, das Gradierwerk und die St. Johannes Kirche anschauen. Drei der Veranstaltungen werden auch von verkleideten historischen Personen angeboten, darunter der Pfänner, der Mediziner Dr. Tolberg und seit neuestem eben auch Salzline. Auch Linda Pickert bietet gelegentlich Führungen auf Englisch für Gäste aus dem Ausland an – allerdings ohne Verkleidung. Am besten gefallen ihr Erlebnisführungen wie das Schausieden. „Dabei können die Gäste selbst aktiv werden und ihr Siederdiplom erwerben“, sagt Pickert. Und so lernen die Besucher auch ganz praktisch, wie in früheren Zeiten in Bad Salzelmen Salz aus der Sole hergestellt wurde.

Zu den Teilnehmern der Führungen würden vor allem Tagesgäste aus der Regione und Kurgäste gehören. Gelegentlich finden auch Fahrradtouristen von der Elbe ihren Weg nach Bad Salzelmen und in den Kurpark. „Es sind aber auch immer wieder Schönebecker dabei, die ihren Gästen die Stadt zeigen wollen“, hat Linda Pickert festgestellt. Denn wie es nun einmal so ist: Führungen bucht man vor allem auf Reisen, seltener aber in der eigenen Heimatstadt, die man zu kennen glaubt. Erst wenn mal wieder Besuch von auswärts kommt, will man dem etwas bieten.

Auch Soleparksprecherin Pickert nimmt im Urlaub gern an Führungen teil. „Wir gefallen aber vor allem die Hop-on-Busse gut“, sagt sie. Denn dann kann sie selbst entscheiden, welche Sehenswürdigkeit sie anschauen möchte und wie viel Zeit sie dort verbringt. Ob das auch ein Modell für den Tourismus in Schönebeck ist? Vielleicht schon, da Schönebeck verschiedene Stadtteile zu bieten hat. Allerdings wäre die Nachfrage wohl eher nicht ausreichend.

Wichtig bei den geführten Veranstaltungen sind für den Solepark die Kooperationen mit verschiedenen Partnern. So finden etwa die Führungen in der Kirche St. Johannes in Zusammenarbeit mit dem Kirchbauverein statt. Für Schulklassen gibt es zudem gemeinsame Aktionen mit dem Salzlandmuseum. Und zusammen mit der Gartenakademie Sachsen-Anhalt wird der Heilkräutergarten derzeit Stück für Stück in einen Erlebnisgarten umgebaut. Dort können Hobbygärtner von einer Gartentherapeutin bald regelmäßig Tipps und Tricks rund ums Anpflanzen und Anbauen bekommen.

Neue Führung

Von der neuen Führung mit Salzline ist man beim Solepark durchaus angetan. „Das ist wirklich interessant, weil Isolde Hoch-Schilling nicht nur Zahlen und Fakten referiert, sondern auch viele menschliche Geschichten erzählten kann“, sagt Linda Pickert. Grundsätzlich sei der Solepark auch weiterhin auf der Suche nach interessierten Leuten, die sich die Arbeit als Gästeführer vorstellen können und interessante Geschichten über Schönebeck und Bad Salzelmen vor Publikum erzählen möchten. Hilfreich, aber nicht notwendige Voraussetzung ist dabei auch die Teilnahme an einem Gästeführerlehrgang. Und am besten kämen bei den Besuchern tatsächlich die verkleideten Gästeführer an.

Und gerade die Verkleidungen machen nicht zuletzt das Erfolgsrezept von Nachtwächter Jeff Lammel aus. Der 31-jährige Schönebecker bietet fast schon sein halbes Leben lang Führungen an und ist damit quasi das Urgestein unter den Gästeführern in der Region. In verschiedenen Kostümen des Nachtwächters oder eines Trommlers begleitet Lammel Besucher nicht nur durch Schönebeck und Bad Salzelmen, sondern er arbeitet auch in Magdeburg, Gommern, Pömmelte, Burg und Parchim.

Wobei er statt von Kostümen lieber von Gewandungen spricht. „Mit der Gewandung können wir die Vergangenheit noch besser zum Leben erwecken“, sagt Jeff Lammel. Und wer schon mal eine seiner Führungen erlebt hat, weiß, dass er seine Rollen wirklich sehr intensiv lebt. Dabei schlüpft er nicht sofort beim Umziehen in seine Figuren, wie er verrät. Die Verwandlung vollziehe sich meistens erst nach und nach auf dem Weg zum Treffpunkt mit den Besuchern.

„Es gibt derzeit den Trend, die Führungen immer humorvoller zu gestalten“, hat Jeff Lammel festgestellt. Wobei das auch seine Grenzen habe. „Mit der Zeit entwickelt man als Gästeführer ein Gespür dafür, was die Besucher möchten“, sagt er. Inzwischen veranstaltet Lammel sogar Liquörverkostungen bei seinen Führungen mit Produkten aus der Region. Und für den Herbst hat er schon weitere Ideen.

Kleiderordnung für Nachtwächter

Im Gegenzug zu den freiberuflichen Gästeführern beim Solepark arbeitet Jeff Lammel komplett unabhängig. Mittlerweile vermittelt er sogar andere Gästeführer. Und wo andere sich oftmals als Rentner etwas dazu verdienen, arbeitet Jeff Lammel Vollzeit in dem Job als Gästeführer.

„Ich habe bis zu 20 Führungen in der Woche“, sagt er. Nebenbei ist Jeff Lammel auch noch ostdeutscher Regionalsprecher der deutschen Nachtwächergilde, in der etwa 200 Gästeführer organisiert sind. „Wir tauschen uns untereinander aus und sorgen dafür, dass die Nachtwächter richtig gekleidet sind, wenn sie Führungen anbieten“, sagt er. So sollten zur Hellebarde, Laterne und Hut etwa keinen modernen Jeans getragen werden. Verpflichtend sei die Mitgliedschaft in der deutschen Nachtwächtergilde für die entsprechenden Gästeführer allerdings nicht.

Und auch wenn sich Isolde Hoch-Schilling gut in Bad Salzelmen auskennt, hat sie sich vor ihrer Bewerbung intensiv auf ihre Rolle als Salzline vorbereitet.

„Ich habe noch einmal viel über den Ort im Stadtarchiv gelesen“, sagt sie. Doch auch durch die Gäste würde sie immer wieder etwas Neues lernen. „Es macht einfach Spaß, den Besuchern die Geschichten zu erzählen, weil sie auch immer wieder etwas beisteuern können“, sagte Isolde Hoch-Schilling. Und so kann sie ihr altes geliebtes Bad Salzelmen auch dank der neugierigen Besucher immer wieder im neuen Licht betrachten.