Schönebeck l Wer regelmäßig mit der Bahn vom Haltepunkt Schönebeck-Süd pendeln muss, kennt das Problem zur Genüge: Reisende nach Magdeburg müssen erst die Bahnstrecke kreuzen, bevor sie in der passenden Fahrtrichtung am Bahnsteig stehen. An sich kein Problem – für Leute, die gut zu Fuß sind und genügend Zeit mitbringen. Sind beide Komponenten nicht vorhanden, könnte es schon eng werden, denn die Schranken im Bereich Schwarzer Weg und Im Lerchenfeld sind frühzeitig unten.

Ein Problem, das auch den Schönebecker Leser Rainer Wieland ärgert. Seine mögliche Lösung: Eine Fußgängerbrücke über die beiden Gleise. Dass es eine solche Brücke über die Gleise schon gibt, zeigt sich am Haltepunkt Schönebeck-Frohse.

Keine neue Idee

Grundsätzlich sei diese Idee der Nahverkehrsservicegesellschaft des Landes (Nasa) nicht neu, wie Sprecher Wolfgang Ball auf Nachfrage der Volksstimme bestätigt. Man habe bereits über so ein Vorhaben nachgedacht, es dann aber wieder verworfen. Der Grund: „Kosten und Nutzen stehen hier nicht im Verhältnis“, erklärt Ball.

Denn es sei eben nicht nur eine reine Fußgängerbrücke, wie er im Gespräch erklärt. „Wer eine solche Brücke baut, muss sie auch dementsprechend ausstatten“, so der Sprecher. Heißt: behinderten- und altersgerecht – barrierefrei also – mit Aufzügen und langer Rampe. Das sei wahnsinnig teuer, prophezeit Wolfgang Ball.

Zu wenig Reisende

Seine Argumentation gegen ein solches Projekt fußt auch auf den beiden Bahnübergängen, die ebenerdig verlaufen und einen unproblematischen Zugang zu den Bahnsteigen möglich machen, so Ball. Zudem seien am Haltepunkt Süd täglich zu wenige Zugreisende unterwegs, die ein solches Vorhaben rechtfertigen würden. Nach Angaben der Nasa sind an dem Bahnhof täglich 200 Personen unterwegs, die an diesem Haltepunkt ein- und aussteigen. Um eine barrierefreie Brücke zu realisieren, bräuchte es aber 1000 Personen, die den Haltepunkt täglich nutzen. „Eine Fußgängerbrücke ist also nicht nötig und keine Option“, sagt Wolfgang Ball.

Die Nasa als Unternehmen sei bei einer möglichen Finanzierung aber ohnehin nicht verantwortlich. Bahn und Stadt müssten übernehmen, so die Nahverkehrsservicegesellschaft. Und was gäbe das Stadtsäckel dafür her? Nichts. Auf Nachfrage bei der Stadtverwaltung heißt es: „Technisch komplizierte und finanziell sehr aufwändige Überquerungen wie eine Fußgängerbrücke sind derzeit nicht realistisch. Die Stadt käme als möglicher Mitfinanzierer nicht in Frage, denn derzeit gibt es wichtigere Prioritäten in der Investitionsplanung“, erklärt Stadtsprecher Matthias Zander auf Nachfrage der Volksstimme.

Schnittstelle 2017 eröffnet

Und die Bahn?

Das staatliche Unternehmen sieht in einer Fußgängerbrücke keine Notwendigkeit aus eigener Sicht, informiert Holger Auferkamp, Leiter und Sprecher der Deutschen Bahn in Sachsen-Anhalt. Die Idee ist also vorerst auf Eis gelegt.

Dabei war erst im vergangenen November eine neue Bahn-Bus-Schnittstelle des öffentlichen Personennahverkehrs am Haltepunkt Schönebeck-Süd übergeben worden. „Eine zusätzliche fußläufige Anbindung an die Wohngebiete jenseits der Bahnlinie war nicht Gegenstand“, so Zander weiter. Mit der neuen Schnittstelle erfolgte nur die Verknüpfung von Bus und Bahn westlich der Bahngleise.