Barby l Es ist kein Einzelfall, dass die Sperranträge mit der Bau-Realität vor Ort nicht immer übereinstimmen. Auch in der Bahnhofstraße scheint das so zu sein. Hier soll im Zuge der Hochwasserschadensbeseitigung die hundert Jahre alte Betonbrücke ersetzt werden.

Warum aber bewegt sich dort noch kein Bagger? Dieser Bereich ist schließlich schon seit gut drei Wochen komplett gesperrt.

„Komplexe Bauvorhaben wie diese sind an eine Reihe von behördlichen und gutachterlichen Forderungen gebunden und erfordern daher eine akribische Vorbereitung“, sagte Bauamtsleiter Holger Goldschmidt salomonisch. Diese Vorbereitung könne nicht ausschließlich in der Planungsphase umgesetzt werden, sondern in einigen Fällen erst in Zusammenarbeit mit dem beauftragten Bauunternehmen selbst. „Dafür werden unter anderem personelle Aktivitäten im Baufeld notwendig, wie zum Beispiel die Markierungsarbeiten“, so der Amtsleiter.

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Sperrung für Verkehr

Um die Sicherheit der Mitarbeiter zu gewährleisten und den Verlust der gesetzten Markierungen zu vermeiden, sei der Baubereich für den öffentlichen Verkehr gesperrt worden. „Darüber hinaus müssen bei verschiedenen Baubeteiligten, wie Behörden und Gutachtern, teilweise Freigaben eingeholt werden, die sich aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie verzögern können“, sagt Holger Goldschmidt.

Aber noch ein anderer Punkt verzögert den Baubeginn, der schwerer wiegt. Es habe Differenzen bei den Grundstücksgrenzen gegeben, die mit dem Eigentümer erst geklärt werden mussten. Um dabei wasserdichte Ergebnisse zu bekommen, musste ein Messtrupp beauftragt werden. Danach herrschte rechtlich Klarheit.

Und noch ein Ärgernis wird an dieser Stelle verschwinden. Es ist eine private und wuchernde Thuja-Hecke, die die Gehwegbreite seit Jahren einschränkt und schon mehrfach bei Ratssitzungen Thema in der Bürgerfragestunde war. „Sie wird künftig ganz oder teilweise beseitigt, da der Gehweg auf 2,50 Meter verbreitert werden soll“, teilt Goldschmidt mit.

Der Ersatzneubau der Froschvilla-Brücke hatte sich zum zähen Projekt entwickelt. Gebaut werden sollte bereits 2017. Das Landesverwaltungsamt forderte eine dritte, unabhängige Meinung von den Hochwasser-Projektsteuerern, nachdem die ersten beiden Gutachten stark voneinander abwichen. Während der erste Gutachter meinte, die Colphuser Brücke sei noch zu reparieren, kam das Zweitgutachten zu einem ganz anderen Schluss: Abriss - die Reparatursumme würde in keinem Verhältnis stehen. Die Kosten von Beurteilung A zu B betragen ein Vielfaches. Kein Wunder, dass der Geldgeber, das Landesverwaltungsamt, fachliches Fundament forderte.

Bauzeot nicht in Frage gestellt

Apropos, Fundament. Das ist bei der 100 Jahre alten Brücke vollkommen im Eimer. Man sieht an einem Entwässerungsrohr ziemlich frische Auswaschungen. Jedes Regenwasser spült diese noch weiter aus.

Aus heutiger Sicht werde der angekündigte Bauzeitraum bis November derzeit nicht in Frage gestellt, teilte das Bauamt der Stadt mit.

Parallel zur Froschvilla wird die keine 20 Jahre alte Brücke am Gribehner Weg ersetzt. Hier ist der Baufortschritt sichtbar. Sie wurde nach der Flut 2002 neu gebaut.