Glinde l „Grab nicht so tief! Da findest‘e sonst noch ‘ne Fischbüchse“, frotzelt Ortsbürgermeister Norbert Langoff (parteilos). Den Spruch, der für Nicht-Glinder ein Buch mit sieben Siegeln ist, können Einheimische deuten. Am Rand des heutigen Kinderspielplatzes war jahrzehntelang eine Müllkippe. Wo eben auch leere Fischbüchsen entsorgt wurden ...

Der da gräbt ist kein Geringerer als Frank Fabian, CDU-Fraktionschef im Stadtrat. Ihm zur Hand geht ein kleines Mädchen, das Amilia heißt und im Kinderhaus wohnt. Auch ihre Pflegemama und die Pflegeoma beobachten das Geschehen am Rande des Spielplatzes.

Wunsch einen Baum zu pflanzen

Aber was haben Amilia und Frank mit der Pflanzung zu tun? Zur Vorgeschichte: Die Achtjährige bemalte Ende August 2020 (aus freien Stücken) ein Pappschild, auf dem stand: „Bitte schützt die Natur“. Damit stellte sie sich an den Kinderspielplatz. Darauf wurde Nachbar Harald Schmidt aufmerksam und verständigte ziemlich beeindruckt die Volksstimme. Im Gespräch mit dem Reporter tat Amilia kund, dass sie nicht nur Plakate malen kann, sondern auch (ganz praktisch) gerne einen Baum pflanzen würde. Was der Ortschaftsrat las und sich in die Pflicht genommen fühlte.

Und Frank Fabian? „Ich habe rund 40 Stück Bergahorn, Eichen und Linden hinter dem Haus gezogen, die später in und um Glinde gepflanzt werden sollen“, sagt er. Das tut er ebenso wie Amilia aus Idealismus, fast wie ein Guerilla Gardening. So nennt man Menschen, die die heimliche Aussaat von Pflanzen als subtiles Mittel politischen Protests praktizieren.

Eine Linde für Glinde

Dabei ist Fabian politisch betrachtet „schwarz“ und nicht „grün“, was aber in der heutigen Zeit in Sachen Ökologie keine große Rolle mehr zu spielen scheint.

Die Linde für Glinde (so sagt es die Achtjährige) ist jedenfalls der erste Baum, den Fabian nach drei Jahren Privatgartenzucht in die Natur entlässt. Gießen will sie Napper Schmidt, der in Sichtweite wohnt.

TÜV schreibt Protokoll

Die Baumpflanzung ist in einen Arbeitseinsatz eingebettet, an dem ein paar Glinder teilnehmen. Es geht in erster Linie um den 2017 erneuerten Spielplatz an der Sandkuhle, dessen Mängel gerade vom TÜV protokolliert wurden. Sand muss aufgefüllt, Bänke gestrichen und Spielgeräte repariert werden. Laut Norbert Langoff hatte Barbys Einheitsgemeindebürgermeister Torsten Reinharz die Ortsteile um Unterstützung gebeten. Der TÜV nahm auch alle anderen Spielplätze unter die Lupe.

Schwerpunkt ist die Fällung von Birken, die die vergangenen beiden Dürresommer nicht überlebten. Obwohl man den Bäumen in der Regel attestiert, „wie Unkraut zu wachsen“. Technik dafür stellen die Feuerwehr und ein Glinder Unternehmer zur Verfügung.

Es ist in puncto dörflicher Zusammenhalt der Gemeinde am großen Elbebogen ein symbolträchtiges Bild: Kaum ist der letzte trockene Birkenstamm gefallen, wird an seiner Stelle eine junge Linde gepflanzt. Möge sie gedeihen!