Glinde/Barby l „Heute möchte ich mich in einer Angelegenheit an Sie wenden, die mir seit Jahren zunehmend Sorge bereitet: Bäume scheinen in den Ortschaften der Einheitsgemeinde Barby keine Lobby zu haben“, schreibt Susanne Hornemann aus Glinde an Bürgermeister Torsten Reinharz. „Ich wohne seit neun Jahren wieder in meiner Heimatgemeinde und beobachte, dass mehr und mehr große Bäume aus dem Ortsbild verschwinden.“

Es handelte sich dabei in den wenigsten Fällen um alte oder kranke, es würden vor allem gesunde Bäume im besten Alter verschwinden, die gerade erst anfingen, für die Umwelt wertvoll zu sein, Sauerstoff produzieren, Schadstoffe aus der Luft filtern und Refugien für Insekten und Vögel bilden ... Es seien Bäume, die laut „Satzung des Schutzes des Baumbestandes in der Stadt Barby“ zu schützen und zu erhalten sind.

Keinerlei Mängel

Susanne Hornemann führt in ihren Schreiben einige Beispiele an: Allein in den letzten zwei Jahren seien in Glinde vor der Dorfbibliothek und dem daneben liegenden Grundstück zwei Kiefern, ein Lebensbaum und eine Birke, auf dem Anger unter anderem sechs Eschen gefällt worden. „Sie waren im besten Baumalter, etwa 35 Jahre alt, wiesen keinerlei Mängel auf. Ganze zwei Eichen wurden als Ersatz gepflanzt“, beklagt die Glinderin.

Nach dem Sturm im Juni 2017 seien auf dem Anger drei Trauerweiden so stark zurück geschnitten worden, dass sie sich davon nicht mehr erholen würden. „Allesamt Bäume aus Pflanzungen in den 80er Jahren, die gesund und standfest waren, niemandem im Wege standen“, meint Susanne Hornemann.

Die Krönung der Baumschnittmaßnahmen sei erst in diesem Februar erfolgt. An der Ecke Dorfstraße 69 sei eine drei Meter große Linde, die erst vor wenigen Jahren gepflanzt wurde, und ein Nachbarbaum förmlich skalpiert worden. „Es waren aber keine Randalierer am Werke, Bauhofmitarbeiter der Stadt Barby haben die Bäume verstümmelt“, so die Glinderin in ihrem Brief. „Jedem Angestellten einer Fach-Firma wäre dafür wegen geschäftsschädigender Arbeit fristlos gekündigt worden“, fügt Susanne Hornemann hinzu, die selbst in einem großen Obstbaubetrieb arbeitete.

Missverständnis

In der Tat: Die wenige Jahre alte Linde sieht jetzt aus wie ein Fahnenmast. Es käme einem Wunder gleich, wenn sie diese Radikalkur überlebt. Zumindest in diesem Fall gibt Bürgermeister Torsten Reinharz ein Fehlverhalten der Bauhofmitarbeiter zu. „Da hat ein Missverständnis vorgelegen. Wir haben das ausgewertet.“ Der beauftragte Mitarbeiter hätte sich „im Baum geirrt“. Reinharz wies für die Zukunft an, Bäume, die geschnitten werden sollen, eindeutig zu kennzeichnen.

Die Glinderin machte auf einen weiteren Fall aufmerksam, wo ein Privatmann auf seinem Grundstück zwei große Bäume fällte. Lag da eine Genehmigung der Stadt vor? Und wenn nicht, welche rechtlichen Konsequenzen hätte diese Eigenmächtigkeit? Laut Bürgermeister Reinharz habe sehr wohl ein Antrag auf Fällung vorgelegen. Auch für die von Susanne Hornemann aufgeführten Bäume unweit des Spielplatzes habe er aus Gründen der Gefahrenabwehr grünes Licht gegeben. „Ich bin da immer in einer Zwickmühle“, so Reinharz. „Auf der einen Seite bin ich dafür, alte Bäume zu erhalten, auf der anderen aber auch verantwortlich, wenn was passiert.“

Die Eingabe-Schreiberin fordert die Stadt zudem auf, Ersatzpflanzungen für gefällte Bäume transparenter zu machen und geplante Fällungen dem Ortschaftsrat mitzuteilen. Mit diesem Verlangen ist sie nicht allein. „Wir wollen nicht nur verwaltet werden und Subbotniks durchführen dürfen, wir wollen in Entscheidungen, unseren Ort betreffend, einbezogen werden“, schreibt die Glinderin entschlossen. Auch Zuchaus Stadtrat Martin Giesecke sprach dieses Thema mehrfach an. Torsten Reinharz räumt indirekt diesen Mangel ein: „Wir sind dabei, eine Art Kataster zu erstellen, wo Ersatzpflanzungen stattfinden.“