Calbe l Bereits im vergangenen Jahr hatte die Landesstraßenbaubehörde schon einmal Anlauf genommen, um die Saalebrücke bei Calbe zu sperren. Das Bauwerk benötigt einen neuen Rotschutzanstrich. Doch das ist beinahe banal gegen die dringend notwendigen Arbeiten an den beiden Anschlussstellen des Bauwerkes mit dem Festland.

Die Anwohner hatten sich zuletzt mehrfach bei der Landesstraßenbaubehörde beschwert, weil vor allem Lkw-Achsen bei jeder Überfahrt ein lautes Poltern verursachen. Was tagsüber im allgemeinen Lärmpegel nicht so stark auffällt, überschreitet in den Abendstunden regelmäßig den zulässigen Lärmpegel. Die Anwohner fühlen sich von den Geräuschen, die Brücke bei der Überfahrt von Fahrzeugen produziert, genervt.

Übergänge defekt

Das Geräusch ist nach den Worten von Stefan Hörold, dem Chef der Landesstraßenbaubehörde West mit Sitz in Halberstadt ein untrügliches Zeichen, dass die Übergänge an der Brücke defekt sind, sagte er. Im vergangenen Jahr wollte die Landestraßenbaubehörde den Schaden bereits gründlich reparieren. Doch der Landkreis, erinnert er sich noch gut, ereilte nicht die benötigte verkehrsrechtliche Anordnung zur Vollsperrung der Brücke.

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Sobald der Übergang über die Saale bei Calbe nicht mehr benutzbar ist, fällt es dem Landkreis schwer, den Schülerverkehr in der Region abzusichern. Auf Experimente wollte sich der Landkreis nicht einlassen und wies die Forderung nach einer Vollsperrung zurück. Für die Landesstraßenbaubehörde war damit klar, dass nur in den Ferien gesperrt und gebaut werden darf. Dann gibt es keinen Schülerverkehr. Mit den Sommerferien beginnt daher in wenigen Tagen eine Vollsperrung der Brücke. In der Zeit vom 4. Juli bis zum 14. August soll der Übergang komplett gesperrt werden, teilte die Bauverwaltung der Saalestadt jetzt mit. Für Fußgänger wird das Bauwerk aber während der Sperrung weitgehend nutzbar bleiben, heißt es weiter.

Mit der Vollsperrung ist der gesamte Saalewinkel über Calbe nicht mehr erreichbar mit einem Fahrzeug. Betroffenen Bürgern, die gehofft hatten, während der Vollsperrung die Rosenburger Saalefähre nutzen zu können, musste die Stadt Barby in dieser Woche enttäuschen. Wegen des geringen Wasserstandes auf der Saale hat die Stadt den Betrieb der Saalefähre auf unbestimmte Zeit eingestellt. Wann die Fähre wieder verkehren kann, bleibe ungewiss, sagt Nicole Zahn von der Bauverwaltung im Barbyer Rathaus.

Wochenlange Umwege

Für die betroffenen Bürger bedeutet die wochenlange Vollsperrung nun täglich weite Umwege. Die nächste Saale-brücke befindet sich erst bei Nienburg. Auswirkungen hat die Sperrung aber ebenso auf die Rettungsdienste in der Region. Der Rettungswagen, in Calbe stationiert, muss weitere Umwege fahren. Nicht einfach ist es außerdem für die Feuerwehr der Stadt Barby sowie für die Calbenser Kameraden.

Für den abwehrenden Brandschutz von Schwarz und Trabitz gibt es in Schwarz eine freiwillige Feuerwehr. Die Truppe verfügt über ein modernes Gerätehaus und ein kleines Löschfahrzeug. Sollte es zu einem größeren Einsatz auf der östlichen Saaleseite kommen, müssten die Schwarzer lange auf Unterstützungen aus Calbe warten. Schneller wären vermutlich die Einheiten der Barbyer Feuerwehr in der Lage zu helfen.

Wenig begeistert über die Sperrung seien auch die betroffenen Landwirte, heißt es aus dem Barbyer Rathaus. Je nach Standort ihrer Lagerhallen müssen sie mit dem Beginn der Ernte in den kommenden Tagen zum Teil sehr weite Wege in Kauf nehmen, um die Ernte sicher lagern zu können.

Keine Alternative

Auch die Saalefähre zwischen der Stadt und Gottesgnaden ist hier keine Alternative. Das kleine Fährschiff, welches auch noch bei sehr geringen Wasserständen verkehrt, ist eine reine Personenfähre. Fahrgäste und Fahrräder befördert das Schiff. Autos können damit nicht über den Fluss gefahren werden, bestätigt die Calbenser Stadtverwaltung auf Nachfrage.