Bissvorfälle in Sachsen-Anhalt

Im Jahr 2019 ist es in Sachsen-Anhalt zu insgesamt 120 Bissvorfällen gekom- men.

In 71 Fällen davon wurden Menschen gebissen und in 40 Fällen ein anderer Hund. Zudem sind neun Fälle registriert, bei dem andere Tiere von einem Hund gebissen worden sind.

Der Deutsche Schäferhund führt dabei die Statistik an. In 21 der 120 Vorfälle hatte ein Schäferhund zugebissen. Labradaor Retriever und Rottweiler stehen mit jeweils elf Vorfällen an zweiter Stelle.

Dabei muss aber bedacht werden, dass Labrador Retriever und Schäferhunde die am weitesten verbreiten Rassen im Land sind.

Vergangenes Jahr gab es 14 177 Labrador Retiever und 9 436 Schäferhunde in Sachsen-Anhalt.

Schönebeck l Was mit dem Besuch einer Freundin anfängt, endet für eine 13-jährige Schönebeckerin mit einer mehrstündigen Operation im Uniklinikum Magdeburg. Was ist passiert? Am Pfingstmontag besucht das Mädchen ihre ebenfalls in Schönebeck wohnende Freundin. Die beiden spielen zusammen, kühlen sich beim Baden ab. Aus bislang ungeklärter Ursache greift dann der erst seit wenigen Wochen bei der Familie lebende Schäferhund den Gast an. Das Tier beißt die 13-Jährige, die vor allem an den Armen schwere Wunden davonträgt. An Kopf, Bauch und Rücken erleidet sie Schürfverletzungen. Laut Polizeiangaben wird auch die zwölfjährige Freundin leicht verletzt.

„Ein Nachbar ist dann zur Hilfe gekommen. Er leistet Erste Hilfe, hat Polizei und Rettungsdienst gerufen und mich kontaktiert“, berichtet die Mutter des angefallenen Mädchens. Auch sie weiß nicht, wie genau es zu dem Vorfall gekommen ist.

Angeordnete Wesentests

Der Vorfall in Schönebeck ist einer von 33 Bissvorfällen in den Jahren 2017 bis 2020 im Salzlandkreis, zu denen Polizeibeamte ausgerückt sind. Unter Umständen kann nach einem Hundebiss durch das Ordnungsamt ein Wesenstest für das Tier angeordnet werden. Dieser wird von einem der 26 anerkannten Sachverständigen in Sachsen-Anhalt durchgeführt. Einer von ihnen ist der Schönebecker Tierarzt Ulrich Wagner. Bereits seit elf Jahren führt er Wesenstests bei auffälligen Hunden und bei sogenannten „Listenhunden“, also als gefährlich eingestufte Rassen, durch.

Wagner erklärt: „Beim Wesenstest werden verschiedene Szenarien durchgespielt. Ich beobachte, wie der Hund reagiert und wie er sich verhält, wenn beispielsweise ein Kinderwagen, ein Betrunkener oder eine größere Menschengruppe vorbeikommt.“ Es wird also untersucht, ob der Hund sozial verträglich ist – und das auch in Stresssituationen. Nur weil ein Hund in dem Test auch mal bellt oder knurrt, ist er übrigens nicht gleich durchgefallen. Wagner beachtet verschiedene Toleranzstufen. Je nach Abschneiden des Hundes kann Wagner beispielsweise Maulkorb- und oder Leinenpflicht anordnen.

61 Listenhunde in Schönebeck

In Schönebeck haben mindestens 61 Hunde bereits so einen Test absolviert, denn laut Stadtsprecher Frank Nahrstedt gibt es so viele „Listenhunde“ in der Stadt. Darunter sind 42 American Staffordshire Terrier, acht Staffordshire Bullterrier, fünf Pitbull Terrier und sechs Bullterrier. Insgesamt gibt es 2173 Hunde in der Stadt.

Die Mutter des verletzten Mädchens ist bei ihrer Tochter. Die Polizei ermittelt gegen den Hundehalter wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung.