Schönebeck l „Da ist uns echt ein Glücksgriff gelungen“, sagt Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU), wenn er von Janine Jurzig spricht. Sie sei jemand mit Sach- und Fachverstand. Sie kenne sich in Stadt und Kreis aus. Sie verfüge über feuerwehrfachliche Kenntnisse. Sie sei krisenerprobt, sei schon bei vielen außerordentlichen Einsätzen zugegen gewesen.

Auch Stadtwehrleiter Daniel Schürmann sieht es als großen Vorteil an, dass in der Verwaltung eine Feuerwehr-Fachkraft sitze. „Sie weiß, was was bedeutet. Sie arbeitet aber auch schon lange in der Verwaltung, hat somit das Wissen von beiden Seiten.“

Der Brand- und Zivilschutz ist bislang kein eigenes, alleiniges Sachgebiet gewesen, sondern immer mit anderen Aufgabenfeldern gekoppelt und dem Amtsleiter unterstellt. Doch man habe gemerkt, wie aufwändig die anstehenden Aufgaben seien und haben sich deshalb zu einer eigenen Stelle entschlossen. Seit 2017 sei diese schon geplant, aber haushalterisch nicht möglich gewesen, erklärt der Stadtchef. Seit April 2019 gibt es sie nun. Besetzt mit Janine Jurzig.

Seit 20 Jahren bei der Feuerwehr aktiv

Und die Schönebeckerin fühlt sich unheimlich wohl und gut aufgehoben auf ihrem neuen beruflichen Posten. Da nimmt sie längere Fahrten zum Wohnort gern in Kauf. Denn der Liebe wegen wohnt die 39-Jährige in Peißen. Sie pendelt aber sowieso oft. Zum einen, weil ihre Familie hier wohnt. Zum anderen, weil sie seit zwei Jahrzehnten in der Freiwilligen Feuerwehr Schönebeck, Tischlerstraße, aktiv ist. Bei größeren und längeren Einsätzen sei es für sie auch selbstverständlich, sich ins Auto zu setzen und nach Schönebeck zu düsen. Wenn alles frei ist, sei sie in 25 Minuten vor Ort ... Eine Feuerwehrfrau durch und durch, mit Leib und Seele eben.

Das Sachgebiet, das sie nun in Schönebeck leitet, ist für sie alles andere als neu. 20 Jahre lang hat sie in der Verwaltung des Salzlandkreises gearbeitet. Sie hat Verwaltungsfachangestellte gelernt und eine Fortbildung zur Verwaltungsfachwirtin angeschlossen. Sie war im Brand-, Katastrophenschutz und Rettungsdienst tätig, war eine Zeit lang in der Leitstelle eingesetzt. Und nicht nur diensthalber weiß Janine Jurzig, wovon sie spricht: Sie ist Rettungsschwimmerin bei der Wasserwacht gewesen, hat ein Praktikum beim Rettungsdienst absolviert, hat sich in den ersten sieben Feuerwehrjahren bis zur Verbandsführerin qualifiziert.

Attraktive Aufgabe

Ihre Stelle beim Salzlandkreis sei anspruchsvoll gewesen, ohne Frage, betont sie. Aber sie habe auch immer wieder gemerkt, dass sie ziemlich weit weg von den Kameraden sei. Dass sie überall ein bisschen reingeschnuppert habe, aber keine Zeit sei, das zu vertiefen. Dass sie in Bernburg nicht losfahren musste, wenn der Schönebecker Pieper ging ... Und gerade das letztere habe sie schon ein bisschen vermisst, gibt sie offen zu. Und dann sei da die Stellenausschreibung der Stadt Schönebeck gewesen. „Eine sehr attraktive Aufgabe, nah am Kameraden. Als Kreis ist man ja doch eher die Aufsichtsbehörde“, erklärt sie ihren Beweggrund, sich zu bewerben.

In das Sachgebiet Brand- und Zivilschutz fallen der Brandschutz als solches und das Beschaffen von Technik und Ausrüstung. „Natürlich in enger Zusammenarbeit mit der Stadtwehrleitung und Wasserwehr.“ Aber auch der ganze „Verwaltungskrieg“ wie Beschaffen von Einsatzbekleidung, Kostenbescheide nach Einsätzen verschicken, Führerscheine verlängern, Schulungen des Stabes für außergewöhnliche Einsätze organisieren ... „Ich muss sagen, die Stadt tut da viel. Wir versuchen, dass möglichst wenig auf den Schultern der Ehrenamtlichen lastet“, sagt Janine Jurzig.

Zum Alltäglichen kommen noch die „Baustellen“. Wie aktuell der geplante Um- und Ausbau des Gerätehauses Bad Salzelmen. Dieser ist noch immer in der Warteschleife, da eine Gerichtsentscheidung zu Widersprüchen aussteht, ebenso eine Entscheidung über Landes-Fördermittel. „Ich kann die Salzer verstehen. Sie werden vertröstet und vertröstet. Ich weiß aber auch, dass der Oberbürgermeister um eine Antwort regelrecht gebettelt hat, um endlich zu wissen, woran die Stadt ist“, erzählt Janine Jurzig.

Fahrzeugkonzept

Sorgenfalten bringe auch das erstellte Fahrzeugkonzept mit sich. „Es gibt einen enormen Investitionsstau“, sagt die Sachgebietsleiterin. „Es sind immer mal wieder Autos angeschafft worden. Aber viele sind mittlerweile 15 bis 20 Jahre alt – und das merkt man ihnen auch an. Gerade bei den Feuerwehren, die viele Einsätze fahren.“ Das Konzept sei den Fördermittel-Plänen des Landes angepasst. Für dieses Jahr gibt es einen Antrag auf Zuwendung für ein Fahrzeug für die Wehr Schönebeck: Wechsellader (242.000 Euro) mit Abrollbehälter Gefahrgut (250.000 Euro). Die Fördermöglichkeit liegt bei 50 Prozent. Eine stolze Summe also. Doch eine Antwort vom Land steht noch aus, somit kann die Stadt nicht handeln. Und selbst, wenn bald eine positive Nachricht eintrudeln sollte: „Wenn Sie heute das Auto bestellen, ist es nicht vor Mitte nächstes Jahr fertig“, macht sie auf ein weiteres Problem aufgrund weniger Anbieter und voller Auftragsbücher aufmerksam.

Janine Jurzig versteht gut, wenn Kameraden deswegen frustriert sind. „In Zeiten, wo wir fast alles heute online bestellen können und es uns morgen geliefert wird, ist es für viele nicht verständlich, warum manches auf kommunaler Ebene so lange dauert“, weiß sie. „Manchmal bin ich dann der Erklärbär“ – wenn zum Beispiel nach dem Dienst bei der Feuerwehr ein Thema hochkoche. „Ich verschließe mich da nicht und erkläre gern die Verwaltungswege.“

Mittlerin zwischen Verwaltung und Feuerwehr

Die 39-Jährige sieht sich als Mittlerin zwischen Verwaltung und Feuerwehr. „Ich weiß, wie starr der Verwaltungsapparat und wie stur die Feuerwehrleute manchmal sein können“, sagt sie schmunzelnd. „Da ist oft Zündstoff drin, das für mehr als ein Silvester reicht.“ Dazu kommt die klamme Kasse der Stadt. Sicherlich sei der Brandschutz eine Pflichtaufgabe der Kommune. Doch die Preissteigerungen von Feuerwehrausrüstung und -technik seien enorm. „Die Firmen wissen, es muss ein gewisser Standard vorgehalten werden und diesen lassen sie sich gut bezahlen“, ärgert sich Janine Jurzig. „Für ein Atemschutzgerät können eben nicht Ersatzteile aus dem Baumarkt gekauft werden.“ Ihre Aufgabe sei es, das gesunde Maß zu finden. „Wir wollen keine Luftschlösser bauen, aber was gebraucht wird, muss sein.“