Eggersdorf l Zwei Räume im Obergeschoss der Eggersdorfer Kita „Zwergenland“ sind für die Kinder ab Donnerstag, 14. November, tabu. „Die Gemeinde Eggersdorf wird die betreffenden Nutzungen in Räumlichkeiten des Erdgeschosses verlagern, um so sofort die Verfügbarkeit von zwei baulich unabhängigen Flucht- und Rettungswegen zu gewährleisten“, informierte Kreissprecher Marko Jeschor am Mittwochabend.

Vertreter des Salzlandkreises haben nämlich bei einer Besichtigung der Einrichtung einen Blick auf die Rettungswege im oberen Stockwerk geworfen. Auslöser für diese Begehung war die Anfrage der Volksstimme, die sich auf die Bedenken des Vorsitzenden des Elternkuratoriums, Sebastian Herrgesell, bezieht.

Eltern in Sorge

Vor der Kontrolle durch den Kreis monierte Herrgesell, der auch als Brandschutzingenieur tätig ist: „Derzeit gibt es keine zwei voneinander unabhängigen Rettungswege im Obergeschoss in der Kita. Diese sind jedoch vorgeschrieben.“

Die Gemeindeverwaltung hatte dieser Aussage widersprochen. Andreas Pluntke, Amtsleiter Ordnung und Soziales, sagte: „Es sind zwei Rettungswege vorhanden. Aus den miteinander verbundenen Gruppenräumen können die Kinder über ein Fenster auf die Außentreppe gelangen. Der zweite Fluchtweg ist der reguläre Weg über den Treppenaufgang im Flur.“ Zudem habe man die Fachdienste Brand- und Katastrophenschutz des Salzlandkreises sowie den Rettungsdienst nach der energetischen Sanierung im vergangenen Jahr beteiligt, um den Betrieb wieder aufzunehmen.

Bürgermeister Bernd Nimmich (SPD) ergänzte: „Wir haben da doch nichts im Alleingang entschieden. Ein Planungsbüro war beteiligt und auch seitens des Salzlandkreises gab es eine bauordnungsrechtliche und brandschutztechnische Beurteilung beziehungsweise Abnahme. Außerdem haben wir eine Betriebserlaubnis.“

Auftrag erteilt

In dem Beurteilungsschreiben zur Kita „Zwergenland“ ist auch kein Hinweis auf einen fehlenden Flucht- oder Rettungsweg zu finden. Lediglich zwei Anmerkungen sind aufgeführt. Demnach musste der Treppenraum zum Kriechkeller noch mit einem Rauchmelder ausgestattet werden und der Keller selbst soll brandlastfrei gehalten werden, heißt es in der brandschutztechnische Beurteilung. Diese beiden Punkte habe man abgearbeitet, so Bernd Nimmich.

Sebastian Herrgesell erachtete aber den Flucht- und Rettungsweg durch den Treppenraum nicht als einen solchen „sicheren“ Weg. Seiner Einschätzung nach, fehlt der Kita also noch ein zweiter Weg zur Rettung. Darin sieht er ein Gefahrenpotenzial. „In gewissen Szenarien ist eine Selbstrettung der Kinder nicht sichergestellt“, betonte er. Vor allem die rechten beziehungsweise nördlichen Räume, wo sich die Speiseräume der Kita befinden, hätten über den Flur keinen gesicherten Fluchtweg, meint Herrgesell.

Überdies kreidete der Brandschutzingenieur an, dass die Fenster, über die die Kinder im Notfall auf die Außentreppe gelangen sollen, nicht bodentief ausgeführt sind. „Alleine kommt da kein Kita-Kind hinaus“, sagt er. Die Gemeindeverwaltung widersprach erneut. Einerseits würden Kinder auch nie alleine hinaus müssen, argumentieren Bernd Nimmich und Andreas Pluntke. Die Erzieher würden den Weg auf die Rettungstreppe natürlich begleiten. „Außerdem haben wir ein Podest, also eine Art kleine Treppe, damit die Kinder dort auch selbst hinauf und hinaus gelangen“, sagt Pluntke. Dieses ist bisher noch mobil, soll aber durch ein fest verbautes Podest abgelöst werden. Den Auftrag dafür habe man schon erteilt, so Nimmich.

Podest akzeptabel

Jürgen Rode, Wehrleiter der Feuerwehr Eggersdorf, sagt dazu: „Der Ausweg über das Fenster ist nicht optimal, aber wenn da ein Podest angebracht wird, dann ist es akzeptabel.“ Übungen in der Vergangenheit hätten nämlich gezeigt, dass der Ausstieg über das Fenster nicht allzu schnell durchgeführt ist.

Des weiteren nehmen Bürgermeister Nimmich und Amtsleiter Pluntke Bezug auf die Sanierung der Kita. Sie betonen, dass es sich um ein Bestandsgebäude handelt. „Zudem war es eine energetische Sanierung, um die Kita zu renovieren und zu modernisieren. Brandschutz war gar kein Hauptthema – und trotzdem haben wir sogar eine Alarmierungsanlage installiert“, sagt der Bürgermeister. Deshalb war der Salzlandkreis aber auch nicht als Bauaufsichtsbehörde tätig, da es bei einer Sanierung unter Bestandsschutz keiner Baugenehmigung bedarf, sagt Kreissprecher Jeschor.

Sebastian Herrgesell meint zur neuen Alarmierungsanlage: „Die Installation einer nicht mit der Feuerwehr verbundenen Alarmierungsanlage ist keine Kompensation für einen fehlenden Rettungsweg.“ Laut den Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren in Deutschland sei so eine Anlage vielmehr zusätzlich einzurichten, ergänzt Herrgesell.

Auf Fachleute-Urteil vertrauen

Anne Sonnenburg, stellvertretende Kita-Leiterin, ist bekannt, dass der Brandschutz in der Einrichtung für Diskussionen sorgt. Sie stellt fest: „Wir verlassen uns auf das Urteil der Fachleute. Mehr können wir da nicht machen.“ Darüber hinaus wird einmal im Jahr eine Übung mit der Feuerwehr durchgeführt, sagt sie.

Wie es im „Zwergenland“ nun weiter geht – wie und wann die Kinder wieder die Räumlichkeiten nutzen können – bleibt nun abzuwarten.