Welsleben l Es ist ein warmer Herbsttag. Die Sonne scheint auf die Terrasse hinter dem Haus der Rupprichts, dampfende Kaffeetassen stehen auf dem Tisch – genau wie ein Laptop. Schrill dringt Baulärm aus den Boxen des Geräts, auf dem Bildschirm ist ein Bagger zu sehen, der höchstens 30 Zentimeter vor dem Fenster der Rupprichts arbeitet. „So ging das teilweise von morgens, 7.30 Uhr, bis abends, 21 Uhr“, sagt Hans-Peter Ruppricht. „Ich konnte irgendwann gar nicht mehr die Rollos aufmachen, weil ich das Gefühl hatte, dass fremde Menschen mit mir in meinem Haus stehen“, fügt seine Frau Anette Ruppricht hinzu.

Am 16. März begannen die Bauarbeiten vor dem Haus der Rupprichts. Die Telekom ist in Welsleben für den Breitbandausbau zuständig. Es wurde ein Telefonverteilerkasten gebaut – direkt gegenüber von einem Fenster der betroffenen Anwohner. „Wir haben keine Informationen bekommen, was gebaut wird“, so Anette Ruppricht. „Als die Bauarbeiter eines Morgens anfingen, bin ich zu ihnen gegangen und habe gefragt. Als sie dann auf das schnelle Internet verwiesen, telefonierte ich weiter.“ Mit wenig Erfolg; von einer offiziellen Ankündigung, ausgestellt am 16. März in Wulfen, von einem Subunternehmen der Telekom, der Katikom, abgesehen. Die Ankündigung für die Anwohner wurde also erst nach Baubeginn verfasst. In der Benachrichtigung selbst ist von einem Verteilerkasten nicht die Rede, nur davon, dass es zu Beeinträchtigungen kommen kann. „Wir wussten zu dem Zeitpunkt noch immer nicht, dass an der Stelle, wo sie ein Loch ausgehoben haben, ein solcher Kasten hin soll. Als er dann stand hieß es, wir hätten da vorher Beschwerde einlegen müssen“, erzählt Hans-Peter Ruppricht verbittert. „Aber wie hätten wir das machen sollen, wenn wir nicht eine Information dazu hatten?“, fragt er lakonisch.

Seitdem kämpft die Familie darum, dass der Kasten versetzt wird. Diesbezüglich gab es zwei Ortstermine, einmal mit dem Bauamtsleiter der Gemeinde, Ronald Funke, und dann einen weiteren mit ihm und Mitarbeitern der Telekom gemeinsam. Seitdem hat sich für die Familie nichts Neues ergeben: keine Informationen, keine Veränderung.

Standort bereits seit vergangenem Jahr bekann

„Die Standorte wurden letztes Jahr bekannt“, teilt Ronald Funke, Bauamtsleiter der Gemeinde, mit. Eigentlich war die gewählte Stelle bereits ein Platz, mit dem Ärger vermieden werden sollte: „Bevor die Arbeiten losgingen, war ich mit Herrn Korn, dem Ortsbürgermeister, in Welsleben unterwegs und wir haben uns die Stellen angesehen, an die Kästen gebaut werden sollen“, schildert Ronald Funke. „Bei den Rupprichts sollte er an die Hauswand. Da haben wir uns dafür eingesetzt, dass er auf die Grünfläche kommt, um eben genau solchen Ärger zu vermeiden. Es war eine gut gemeinte Idee.“ Mit dem Ärger hat es nicht besonders gut geklappt. Vielleicht auch, weil zuvor nicht mit den Anwohnern gesprochen wurde. „Wir haben nicht den Bedarf einer Einwohnerfragestunde gesehen. Wir haben mit den Anwohnern vorher nicht drüber gesprochen“, räumt der Bauamtsleiter ein. „Daraus lernen wir für die Zukunft.“

Auch wenn die Arbeiten nun vorüber sind, der Stress hat nicht abgenommen. „Wir wollen doch einfach nur Informationen, aber man sagt uns einfach nichts“, so Hans-Peter Ruppricht. Die Hoffnung auf eine neue Entwicklung haben die beiden beinahe aufgegeben: „Im November wird der Kasten richtig angeschlossen. Bis dahin wollen sie das aussitzen, denn danach wird eh nichts mehr verrückt.“ Neben all dem Ärger hat Familie Ruppricht zudem seit den Arbeiten Risse im Putz an ihrer Hauswand, wie sie sagen. Einige sind klein und oberflächlich, andere sind sogar im Inneren der Garage zu erkennen. „Man hat uns gesagt, dass das gar nicht gehen kann, dass solche Schäden von den Arbeiten kommen. Da würden Dämmplatten benutzt und es wäre ganz ungefährlich. Aber wie kann man das sagen, wenn zwanzig bis dreißig Zentimeter vom Haus entfernt mit schwerstem Baugerät gewerkelt wird?“, fragt Hans-Peter Ruppricht rhetorisch. Tatsächlich hat die Familie Fotoaufnahmen der Arbeiten gemacht, auf denen solche Dämmplatten nicht zu erkennen sind. Sie haben sich daraufhin an die Versicherung der Telekom gewendet. Diese verwies in einem Schreiben auf die Versicherung des Subunternehmers Katikom. Von dort gab die Versicherung auch schnell eine Absage: Es sei nicht möglich, die entstandenen Schäden zu erstatten. „Es war niemand hier, um sich das mal anzusehen. Das wurde einfach aus München entschieden, ohne dem wirklich nachzugehen“, ärgert sich Anette Ruppricht.

Beim Bauamtsleiter ruft diese Entwicklung Verwunderung hervor. „Bei dem Termin vor Ort sagte die Telekom, dass sie dafür zuständig sind. Das normale Vorgehen wäre, dass ein Gutachter kommt und die Schäden in Augenschein nimmt. Sie hattten den Fall vor Ort an sich gerissen“, so Ronald Funke.

Weder die Telekom noch die Katikom haben sich auf die Nachfrage der Volksstimme geäußert. Warum kein Gutachter kam und auf welcher Grundlage die Versicherungen der Unternehmen entschieden, bleibt also offen. Und die Rupprichts vermutlich auf den Kosten sitzen. „Wir haben den Putz erst vor eineinhalb Jahren machen lassen. Im Garten steht schon Farbe, weil wir eigentlich auch neu streichen wollten“, ärgert sich Anette Ruppricht.

Kosten für Versetzung noch immer unbekannt

Die beiden Anwohner fühlen sich im Stich gelassen. Mittlerweile protokollieren sie jedes Detail. Wann sie wen anrufen, wann sie welche Briefe schicken. Wenn sie Antworten erhalten, dann teilweise erst nach Wochen. Alleine eine Eingangsbestätigung der Gemeinde bezüglich der Beschwerde gegen den Standort des Verteilerkastens dauerte etwa dreieinhalb Wochen. Sie wünschen sich mehr Kommunikation.

„Ich kann nicht jeden einzelnen Schritt mit der Familie besprechen“, sagt Ronald Funke. „Wir haben bei der Telekom angefragt, was eine Versetzung kosten würde. Doch man arbeitet uns bisher nicht zu. Ich werde erneut eine schriftliche Anfrage stellen, damit wir entscheiden können, ob die Versetzung möglich wäre. Wenn das nicht geht, kann über eine farbliche Gestaltung oder Bepflanzung nachgedacht werden. Letztendlich ist es aber Stadtmobiliar, was dazu gehört.“

Eine unbefriedigende Lösung für die Familie. „Wir wollen eine Versetzung“, betonen sie. Sie wollen wieder gerne in ihrem Haus wohnen. Wo sie gerne aus dem Fenster schauen, ihr Putz repariert ist und wo sie darüber informiert werden, was vor ihrer Haustür passiert.