Bürger sind in Barby am Zug

Es war die gute Nachricht des Tages: Die Deutsche Bahn bringt 20 stillgelegte Strecken wieder in Schuss. Darunter auch die Strecke Güterglück-Barby, auf der seit 2004 kein Zug mehr fährt. Was letztendlich auch ein Verdienst einer Bürgerinitiative ist, die ständig für „Unruhe“ sorgte.

Von Thomas Linßner
Mal hören, wann hier wieder ein Zug kommt. Mit dieser und anderen originellen Aktionen  machte die Arbeitsgruppe zum Erhalt der Elbbrücke mit einer ?Daumen hoch?-Aktion 2015 auf das technische Denkmal aufmerksam. Rechts der heutige AG-Vorsitzende Jürgen Krebs.
Mal hören, wann hier wieder ein Zug kommt. Mit dieser und anderen originellen Aktionen machte die Arbeitsgruppe zum Erhalt der Elbbrücke mit einer ?Daumen hoch?-Aktion 2015 auf das technische Denkmal aufmerksam. Rechts der heutige AG-Vorsitzende Jürgen Krebs. Archivfoto: Thomas Linßner

Barby - „Das ist zu hundert Prozent dem Wirken unserer Arbeitsgruppe zu danken“, sagt Jürgen Krebs selbstbewusst. Der heutige Leiter jenes Häufleins Unentwegter, das seit sieben Jahren die Barbyer Elbbrücke und damit die stillgelegte Strecke Güterglück-Barby ins Licht der Öffentlichkeit rückt, ist stolz. Sein Vorgänger Klaus Bittrich brauchte 2014 nicht viel Überzeugungsarbeit, um den damaligen Verkehrsingenieur der Deutschen Bahn als Mitstreiter zu gewinnen. Denn Krebs ist nicht nur seit Kindesbeinen Eisenbahn-Enthusiast, sondern vor allem Fachmann.

So ist er davon überzeugt, dass die Entwidmung der Bahnstrecke sowieso gesetzeswidrig war. Denn laut Eisenbahngesetz hätte damals gar nicht der Antrag gestellt werden dürfen. „Das kann man mit Strecken machen, wo langfristig kein Verkehr mehr zu erwarten ist“, so der Verkehrsfachmann. Und dies sei im Falle von Barby nicht der Fall gewesen. 2017 wurden beispielsweise die Gleise zwischen Barby und Güterglück verschrottet, die gerade mal 25 Jahre lagen und „wie neu“ waren. 1992 wurde die Elb- brücke sogar für eine Elektrifizierung vorbereitet. „Hätte man die Strecke nicht entwidmet und die Gleise liegen gelassen, würde die Reaktivierung der Strecke deutlich schneller gehen“, ist Krebs überzeugt. Jetzt würden „mindestens zehn Jahre ins Land gehen“.

Im Februar 2014 flatterte der Stadtverwaltung Barby ein sogenannter Vorverkaufsverzicht auf den Tisch. Dabei wurde bekannt, dass eine Dresdener Firma Teile der alten Kanonenbahn-Strecke zwischen Güterglück und Güsten von der Deutschen Bahn AG erworben hatte, in deren Verlauf auch die Barbyer Elbbrücke liegt und deren Abriss geplant war. Danach klingelten in Barby alle Alarmglocken – die Arbeitsgruppe bildete sich.

Mit Aktionen wie den Brückenfesten, einer Aufkleber- aktion (ein Exemplar wurde sogar an der DB-Konzernzentrale in Berlin platziert), einer Petition an den Landtag und sogar einem Brückenlied hielt die Gruppe das Thema stets am Köcheln.