Barby l Die Auswirkungen der Corona-Krise beeinträchtigen das Leben aller Menschen – auch das der Einwohner von Barby. Die Volksstimme will von den Bürgermeistern wissen, was das für ihre Orte bedeutet. Doch welche Auswirkungen hat die Krise genau? Barbys Bürgermeister Torsten Reinharz gibt Antworten.

Herr Reinharz, wie war bisher die Situation in Barby und welche Reaktionen gibt es auf die Neuerungen?
Torsten Reinharz: Ich hatte das Gefühl, dass am Anfang in der Stadt ein gewisser Unglaube herrschte. Dieser verlagerte sich aber recht schnell, als klar wurde, dass wir es hierbei doch mit einer ernst zu nehmenden Krankheit zu tun haben. Die Bürger sind sehr aufmerksam und verhalten sich auch sehr diszipliniert – bis auf ein paar Ausnahmen, die über die Stränge schlagen. Es gab nur vereinzelt Anzeigen, von denen aber keine zu einem Bußgeld führte. Ich habe die Veränderung bei den Bürgern besonders auf dem Wochenmarkt bemerkt. Die Menschen hielten immer mehr Abstand und das Verhalten veränderte sich von Woche zu Woche. Ich denke, jetzt hat man die Lage erkannt. Hier im Rathaus haben wir mit den neuen Beschlüssen gerechnet. Ich bin froh, dass die Lockerungen nur schrittweise erfolgen, damit es keinen Neuanfang mit Corona gibt. Hier im Rathaus herrscht ein sehr großes Engagement und wir mussten keine Pläne oder dringlichen Vorhaben auf Eis legen. Natürlich gab es bei uns einige Umstellungen, da durch das Virus neue Aufgabenfelder hinzugekommen sind. Wir versuchen, fast alles durch Telefontermine zu lösen.

Gab es bestimmte Vorhaben und Pläne, die wegen Corona nicht umgesetzt werden konnten?
Alle Veranstaltungen wurden natürlich abgesagt, damit wir uns an die Vorgaben der Bundesregierung halten können. Die Vergabe von Aufträgen haben wir dennoch machen können. Das Meiste funktioniert über Telefontermine, damit wir immer eine gemeinsame Basis haben. Bei uns ist aktuell nichts so dringlich, dass es nicht bis nach der Pandemie warten kann. Wir mussten nur einen Termin absagen, bei dem es um die Zukunft der Fähren und des Seeparks geht. Das finde ich persönlich etwas schade.

Mit welchen Problemen und Fragen wenden sich die Bürger an Sie?
Die Frage, ob die Fähren noch fahren, wurde mir besonders oft gestellt. Die Bürger können jetzt besonders viele Informationen über die App und die Webseite abrufen. Für uns war es sehr wichtig, dass wir die Kommunikation über die Webseite intensivieren.

Wie geht es aktuell den Unternehmen in Barby?
Im Großen und Ganzen merkt man es nicht so sehr. Unser Hauptproblem sind natürlich die Gastronomie und die kleineren Geschäfte in Barby, da befürchten wir mehr Auswirkungen. Die großen Unternehmen können ja zum Teil auch normal weiterarbeiten. Als Service bietet die Stadt aktuell an, dass sich Gastronomen und kleine Geschäfte – die an ihre Kunden ausliefern – sich auf der Webseite der Stadt auflisten lassen. Damit die Bürger wissen, wo man aktuell bestellen kann, wenn man mal keine Lust hat, selbst zu kochen.

Sind im Rathaus Themen liegen geblieben wegen der Mehrbelastung durch Corona?
Liegen geblieben ist bei uns nichts. Wir arbeiten wie gewohnt alles ab. Allerdings haben wir uns wegen der Krankheit neu organisiert. Das haut alles gut hin, also eher im Gegenteil – es herrscht ja auch gerade eine gewisse Ruhe. Da kommt man manchmal zu mehr Dingen als vor der Krise.

Wie bewerten Sie das Krisenmanagement der Stadt?
Man lernt natürlich immer dazu. Die Entwicklung war für uns erst so nicht zu erwarten – mich eingeschlossen. Es wurde Schritt für Schritt gehandelt und wir haben uns sehr früh zusammengesetzt. Positiv war die Optimierung der Öffentlichkeitsarbeit. Es ist mittlerweile schon fast zur Routine geworden, aber bei uns ist es bestimmt etwas einfacher als in einer Großstadt. Außerdem sind wir ein geschultes Team, durch das Hochwasser kennen wir uns mit Krisen aus. Wir versuchen möglichst ruhig und besonnen zu handelt. Wir hoffen, alles richtig zu machen.

Wie gratulieren Sie aktuell zu runden Geburtstagen?
Aktuell gratulieren wir mit einer Geburtstagskarte und einem Grußwort. Die persönlichen Besuche müssen ja aktuell leider alle ausfallen. Da steht die Gesundheit natürlich im Fokus.

Wie gehen Sie privat mit der Krise um?
Am Anfang war es für mich eher so, dass ich mir dachte: „Na ja, so was wie eine Grippe halt“, bis ich den Ernst der Krankheit erkannt habe. Ich bin da generell eher entspannt, weil sich für mich als Bürgermeister auch nicht allzu viel geändert hat. Ich gehe jeden Tag in mein Büro im Rathaus und kann meiner Arbeit nachgehen. Es war schon komisch, dass wir zu Ostern unsere Enkel nicht sehen konnten – das war natürlich ein ganz anderes Osterfest. Ansonsten fallen natürlich einige Veranstaltungen in meiner Position als Bürgermeister aus. Meine Frau ist schon ganz begeistert, dass ich jetzt jeden Abend Zuhause bin. Außerdem kann ich keinen Sport machen, denn ich spiele sonst Volleyball in einer Mannschaft. Das fällt jetzt natürlich weg. Aber dafür hat man jetzt Zeit für andere Dinge, und das ist auch schön.