Schönebeck/Staßfurt l Nun hat das Corona-Virus auch Sachsen-Anhalt erreicht. Auch den Salzlandkreis. „Wir haben schon vor Wochen begonnen, uns darauf einzustellen“, sagt Sabine Höpfner, Geschäftsführerin der Ambulanz Mobile GmbH in Schönebeck. Der Fahrzeugausrüster, der in mehr als 35 Länder liefert, organisiert schon seit Längerem um: Lieferanten werden abgefragt, ob Produktion und Zulieferung gesichert seien. Für Medizintechnik, die bislang immer in Italien eingekauft worden sei, werden Alternativen gesucht. Lieferengpässe gebe es aktuell keine. Rechtzeitig sei ein Aufbau des Bestandes erfolgt, um eine gewisse Zeit auch überbrücken zu können. Fertige Fahrzeuge, die in Risikogebiete oder sogar Sperrzonen geliefert werden sollen, müssen auf andere Weise zum Bestimmungsort. Zum Beispiel könne es für Fahrzeuge für Italien eine Übergabe in Österreich geben oder über Speditionen, die noch nach Italien fahren dürfen. „Alles, um möglichst wenig Kontakt mit potenziellen Überträger-Personen zu haben und das Virus nicht hierher zu holen“, betont Sabine Höpfner. Der Schutz der 330 Mitarbeiter stehe oben an.

Für ihre Feuermöbel ist BaP stainless steel solutions GmbH bekannt. Nun denkt die Schönebecker Firma um. „Unsere Händler verkaufen die Kamine und Terrassenmöbel hauptsächlich auf Messen. Jetzt fallen verstärkt Messen aus oder die Besucherzahl ist sehr gering“, sagt Geschäftsführer Mario Babock. Dieser Hauptvertriebsweg stagniere gerade. Die Firma habe aber rechtzeitig reagiert, Gartengrill und Co. seien nicht mehr Haupteinnahmequelle. „Unsere Leute sind sehr flexibel einsetzbar. Wir konzentrieren uns nun auf unsere weiteren Felder wie Industrie-, Möbel- Küchenbau und Polsterei.“

Geschäftsreisen nur im Ausnahmefall

Direkte und indirekte Auswirkungen durch das Corona-Virus spürt man bei der TMGroup mit Schönebecker Fahrzeugbau GmbH und Schönebecker Maschinenbau GmbH (noch) nicht. „Aktuell gibt es keine Probleme mit Zulieferern. Aufgrund des Auftragsvorlaufes bevorraten wir Material planmäßig für mehrere Monate, so dass kurzfristig keine Engpässe zu erwarten sind. Die Auslieferung unserer komplexen schweren Stahlbaugruppen an deutsche als auch internationale Kunden erfolgt planmäßig“, teilt Carolin Wallborn, Prokuristin der Unternehmensgruppe, mit. Aber: Vorbeugend werden Geschäftsreisen bis auf Weiteres nur im zwingend notwendigen Ausnahmefall genehmigt. Auf die Teilnahme an Industrie- oder Fachmessen sowie an Großveranstaltungen verzichte man freiwillig.

Ähnliches bei Thyssenkrupp in Schönebeck. „Seit Februar gilt für alle Mitarbeitenden des Thyssenkrupp-Konzerns ein Reiseverbot von und nach China. Von Reisen in den Iran, Südkorea oder Italien wird – beruflich wie privat – dringend abgeraten“, teilt Sprecher Konrad Böcker aus Essen mit. Andere Auswirkungen gebe es noch nicht. Die Versorgung des Lenkungswerks in Schönebeck durch Lieferanten sei intakt. Ebenso laufe die Kundenversorgung aus dem Werk heraus weiterhin nach Plan. „Alle Liefer- und Logistikprozesse stehen natürlich unter erhöhter Beobachtung. Das Werk in Schönebeck ist in den Krisen- und Notfallstab des Konzerns eingebunden. Dieser wurde bereits im Januar eingesetzt.“

Auch von Seiten der Firma Schirm ist für den Standort Schönebeck zu erfahren: „Unternehmensweit werden Geschäftsreisen und Meetings, soweit möglich, durch Telefon- und Videokonferenzen ersetzt“, so Eicke Köhnen von der Schirm GmbH.

Notfallplan

Und wie ist es um Unternehmen bestellt, die reichlich Kundenkontakt haben? Zum Beispiel die Salzlandsparkasse mit Hauptsitz in Staßfurt. „Die Salzlandsparkasse hat für außergewöhnlichen Ereignisse, wie derzeit das Corona-Virus, einen Notfallplan. Ein Krisenstab tritt zurzeit wöchentlich oder auch ad hoc zusammen. Die Entwicklung wird genau beobachtet. Derzeit wird kein Anlass für hektische Aktivitäten gesehen“, informiert Susanne Rostalski. Bislang sei kein Mitarbeiter am neuartigen Corona-Virus erkrankt. Ziel des Hauses sei es, dass sich möglichst wenige Bürger beziehungsweise Mitarbeiter gleichzeitig mit dem Virus infizieren. Man wolle über Heimarbeit-Lösungen, zeitversetztes Arbeiten oder durch das Verteilen von Mitarbeitern an verschiedene Standorte für geringere Infektionsgefahren sorgen. Die Notwendigkeit von Großveranstaltungen, Seminaren, Dienstreisen, Kunden- oder Mitarbeiterveranstaltungen werde geprüft und gegebenenfalls verschoben. „Alle Kunden werden weiterhin mit einem Lächeln begrüßt – aber nicht mehr mit einem Handschlag“, kann Susanne Rostalski sagen.

Alle befragten Unternehmen sind sich einig: Oberste Priorität habe die Hygiene. Allgemeine Vorschriften seien teils verschärft worden, immer wieder werde darauf hingewiesen, mündlich oder mit Aushängen, die Empfehlungen des Robert Koch-Institutes umgesetzt.