Bördeland l Auszubildende fehlen – ein bekanntes Problem in den zehn handwerklichen Ausbildungsbetrieben im Bördeland. Durch die Corona-Pandemie wird es noch verschärft. „Wir haben schon seit Jahren Probleme, genügend Auszubildende zu finden. Aber jetzt ist es noch schwieriger für uns geworden“, sagt Stephanie Anders von der Anders Gabelstabler GmbH. Ein Problem für sie: Die Schulen könnten durch die Schließung gerade keine Kontakte von Schülern zu Ausbildungsbetrieben herstellen. „Wir haben noch keine Bewerbungen für das nächste Ausbildungsjahr erhalten“, so Stephanie Anders weiter. Für sie sitzt das Problem jedoch tiefer, etwa in einem unzureichenden ausgebauten Nahverkehr. „Das wirkt sich seit Jahren auf die Ausbildungssituation bei uns aus, weil viele Azubis erst 16 Jahre sind und noch kein Auto fahren können, um zum Betrieb zu kommen“, erklärt die Buchhalterin.

Auch in anderen Betrieben ist der Mangel an Auszubildenden ein bekanntes Thema. „Wir hatten bereits andere Jahre, in denen wir keine Auszubildenden hatten“, sagt Olaf Götz von der Airleben GmbH. Das Unternehmen verzeichnet nur wenige Bewerbungen. „Es gibt noch keine unterschriftsreifen Verträge.“

Kurzarbeit oder Kündigung für Azubis?

Für Unternehmen können auch die bereits angestellten Auszubildenden ein Problem sein. Denn: Auszubildende können nicht direkt in Kurzarbeit geschickt werden.Die Hürden für Kurzarbeit bei Auszubildenden sind hoch, die Bundesagentur für Arbeit muss die Notwendigkeit anerkennen. Bevor Azubis in Kurzarbeit gehen können, steht ihnen sechs Wochen die reguläre Ausbildungsvergütung zu – eine Sicherheit für die Auszubildenden, aber ein finanzielles Risiko für wirtschaftlich angeschlagene Betriebe. Detlef Babock von der Babock Lasertechnik GmbH kann die Diskussion um Kurzarbeit für Auszubildende nicht nachvollziehen: „Wir haben auch Kurzarbeit angemeldet, aber nicht für unsere Lehrlinge. Wir arbeiten bisher noch in drei Schichten, und die Auszubildenden sind die letzten, für die ich Kurzarbeit anmelden würde.“ Wie wichtig die Lehre ist, ist ihm bewusst. Auch für Unternehmen, die Auszubildenden jetzt kündigen, hat er wenig Verständnis. „Da würde ich die Lehrlinge eher bei einem anderen Handwerkskollegen unterbringen, als ihnen zu kündigen“, so der Geschäftsführer. Keines der drei Unternehmen hat bisher einen Ausbildungsplatz für das kommende Lehrjahr besetzt. Ob sie die Plätze nach der Krisenzeit noch ausschreiben können, bleibt offen. Die Auswirkung der Pandemie auf den Ausbildungsmarkt werden vielfältig sein, sagt Anja Huth, Chefin der Agentur für Arbeit in Bernburg. „Wie viele Unternehmen die Krise überstehen, wie viele Menschen arbeitslos werden oder wie viele Jungen und Mädchen im Oktober noch keine Ausbildungsstelle haben, kann ich nicht vorhersagen.“

Für die Lehrlinge gib es ein weiteres Problem – die Berufsschulen sind geschlossen. Es bleibe abzuwarten, wie die Prüfungsergebnisse ohne theoretischen Unterricht ausfallen werden, erklärt Anja Huth. Sie betont aber auch, dass die Situation auch vor der Corona-Pandemie angespannt gewesen sei. So seien etwa in den letzten zehn Jahren die Schülerzahlen kontinuierlich gesunken. Ein weiterer Punkt: „Die Attraktivität einer betrieblichen oder schulischen Ausbildung ist bei den Jungen und Mädchen in den letzten Jahren zugunsten höherwertiger schulischer und universitärer Abschlüsse gesunken.“

Drohende Jugendarmut, schlechte Perspektiven

Zahlen der Agentur für Arbeit belegen die schwierige Situation. So meldet der Salzlandkreis bereits im März 20 Prozent weniger Ausbildungsplätze als in den Jahren zuvor. Damit ist der Salzlandkreis Spitzenreiter in Sachsen-Anhalt, wo die Zahl „nur“ um 6,3 Prozent zurückging. Eine problematische Entwicklung, findet der DGB. „Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, bedeutet das für viele junge Menschen schlechtere Auswahlmöglichkeiten an Ausbildungsplätzen, drohende Arbeitslosigkeit nach der Ausbildung und somit schlechtere Zukunftsperspektiven“, teilt Marco Mandel vom DGB mit. Auch die Landeschefin des DGB meldet sich zu Wort: „Wir brauchen maximale Sicherheit sowohl für junge Menschen, die eine Ausbildung beginnen wollen als auch für laufende Ausbildungsverhältnisse. Azubis und Betriebe müssen staatlich weiter und besser unterstützt werden, um die aktuelle Krise zu überstehen.“

Lösungsvorschläge zielen auf ein Sonderprogramm ab, etwa nach dem Vorbild von Thüringen, wo Unternehmen in den sechs Wochen vor der Kurzarbeit 80 Prozent der Ausbildungsvergütung zurückbekommen. „Kurzfristig müssen Betriebe dabei unterstützt werden, ihre Ausbildungsplätze aufrecht zu erhalten“, sagt Martin Mandel.