Schönebeck l Der Schönebecker Taxifahrer Jens Goerke fasst die Situation der Branche mit einem Satz zusammen: „Es ist eine Katastrophe.“ Neben zahlreichen anderen Unternehmen, wirkt sich das Coronavirus auch massiv auf das Taxigewerbe aus. „Was ich jetzt in einer Woche fahre, habe ich normalerweise an einem halben Tag gemacht. Wir haben kaum noch Fahrgäste“, sagt Goerke vom Unternehmen „Taxxi direkt“.

Andere Taxiunternehmen in Schönebeck machen ganz ähnliche Erfahrungen. So berichtet Kerstin Wolter davon, dass mittlerweile rund 80 Prozent der Bargeldfahrten weg gebrochen sind. „Vor allem am Wochenende ist es schlimm. Da gibt es nahezu nichts mehr zu tun. Keine Discogänger, keine Privatparty oder andere Veranstaltungen. Es wurde ja alles abgesagt, und das kriegen wir auch zu spüren“, sagt Wolter. Dabei sind insbesondere diese Bargeldfahrten wichtig, um Rücklagen bilden zu können, sagt sie.

Kurzarbeit für Angestellte

Der Schönebecker Taxi-Unternehmer Thomas Heieck ergänzt: „Gaststätten haben geschlossen, die Menschen besuchen sich kaum noch untereinander und selbst die Bordelle haben zu – all das sorgt für einen Rückgang der Fahrten.“ Heieck schätzt, dass er und seine sechs Fahrer etwa 60 Prozent weniger Touren haben. Mittlerweile sind alle seine Angestellten in Kurzarbeit.

Auch Kerstin Wolter musste infolge der ausbleibenden Fahrgäste reagieren. Von ihren vier angestellten Fahrern arbeiten drei in Kurzarbeit. „Und einen Kollegen musste ich – aber in gegenseitigem Einvernehmen – in die Arbeitslosigkeit schicken“, sagt die Unternehmerin. Wenn sich die Situation in den nächsten zwei bis drei Monaten nicht verbessere, sieht sie sich gezwungen weitere Einschnitte beim Personal zu machen.

Große Herausforderung

Wolter, Heieck und andere Taxiunternehmer stehen vor großen Herausforderungen. Fast täglich ändert sich die Situation. Vieles ist neu für sie. „Zum Beispiel die Sache mit dem Kurzarbeitergeld – das haben wir ja noch nie zuvor gemacht“, sagt Kerstin Wolter.

Darüber hinaus sorgt das Coronavirus nicht nur für ein geringeres Fahrgastaufkommen, sondern auch für veränderte Arbeitsabläufe. So hat es sich beispielsweise etabliert, dass Fahrgäste prinzipiell hinten sitzen, um möglichst viel Sicherheitsabstand zwischen Fahrer und Fahrgast zu gewährleisten. Darüber hinaus würden die Taxis viel häufiger gereinigt und desinfiziert, erklären Heieck und Wolter. Thomas Heieck hat zudem seine Fahrer mit den rar gesäten Schutzmasken und Handschuhen ausgestattet. „Einer meiner Fahrer hat zuvor deutlich gemacht, dass er besorgt ist, sich mit dem Coronavirus zu infizieren“, erklärt Heieck.

Plexiglasscheiben eingebaut

Eine andere Schutzmaßnahme für Fahrer und Gäste hat Kerstin Wolter ergriffen. „Mein Mann hat im Innenraum der Autos Plexiglasscheiben eingebaut. Somit ist der vordere Bereich von den Rücksitzen abgegrenzt“, erklärt Wolter das Provisorium. Mittels Kabelbindern und Klebeband ist so eine behelfsmäßige Schutzwand entstanden. Bei den Kunden würde die Maßnahme gut ankommen. Sie haben Lob für diese Maßnahme geerntet. Die Taxigäste fühlen sich sicherer, so Kerstin Wolter. Und sie sich natürlich auch. „Man macht sich natürlich auch um die eigene Gesundheit Gedanken. Man sitzt schließlich im Taxi auf engem Raum zusammen und hat dauernd andere Fahrgäste“, betont die Taxifahrerin.

Wie Heieck und Wolter berichten besteht jedoch – nachvollziehbarer Weise – weiterhin ein Bedarf an Kranken- und Therapiefahrten. Dazu zählen beispielsweise Fahrten zur Dialyse, zur Chemotherapie oder zur Bestrahlungstherapie. Diese sogenannten Festfahrten sind aktuell die Hauptaufgaben der Taxifahrer. „Wenn wir diese Fahrten nicht hätten, wäre die Situation noch schlimmer“, sagt Wolter.