Schönebeck l Bayern ist bisher das einzige Bundesland, das wegen der Corona-Pandemie den Katastrophenfall ausgerufen hat. Nun hat die Stadt Halle nachgezogen. Sollte es auch im Salzlandkreis so weit kommen, könnten ähnlich wie beim Hochwasser 2013 die ehrenamtlichen Katastrophenschützer des Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Schönebeck alarmiert und in den Einsatz gerufen werden. „Wir sind zwar noch nicht offiziell in Bereitschaft, aber wir haben schon einmal intern abgefragt, wer sofort für einen möglichen Einsatz zur Verfügung stehen würde“, sagt Anett Mingram-Schreiber, ehrenamtliche Schatzmeisterin beim DRK-Ortsverein Schönebeck. Ergebnis: 20 ehrenamtliche Helfer sind bei einem möglichen Katastrophenfall sofort verfügbar, weitere könnten in den nächsten Tagen folgen. Das sei notwendig, damit sich die ersten Kräfte erholen können.

Der Katastrophenfall kann vom Land Sachsen-Anhalt oder vom Salzlandkreis festgestellt werden. „Durch die Ausrufung des Katastrophenfalls gibt es schnellere Alarmierungsketten“, sagt Anett Mingram-Schreiber. Sprich: Die Arbeit von Behörden wird zentral gesteuert und auch die Einsatzkräfte können gebündelt werden. Auch die Katastrophenschützer der DRK können dann angefordert werden. „Bei einer Pandemie können wir bei der Versorgung der Bevölkerung helfen und Fachkräfte unterstützen“, so Anett Mingram-Schreiber. Gerade ältere oder kranke Personen können vom DRK mit Lebensmitteln versorgt werden. Dafür steht am Schönebecker Stützpunkt der ehrenamtlichen Helfer an der Geschwister-Scholl-Straße ein großer Fuhrpark bereit. Sogar die Wäsche von erkrankten Personen wird im Ernstfall von den Katastrophenhelfern abgeholt und in spezialisierte Wäschereien gebracht.

Fachkräfte unterstützen

Hinzu kommt die Unterstützung von Fachkräften, insbesondere im medizinischen Bereich. „Je nachdem wo wir gebraucht werden, können wir als ausgebildete Sanitäter im Krankenhaus mithelfen oder auch beim Test von Verdachtsfällen“, sagt Anett Mingram-Schreiber, die selbst beim Hochwasser 2013 im Einsatz vor. „Jetzt habe wir eine völlige Ausnahmesituation“, sagt sie. Das öffentliche Leben werde weitestgehend runtergefahren. „Das ist notwendig, um die Infektionsketten zu unterbrechen.“ Wichtig sei, dass sich alle Bürger an die Vorsichtsmaßnahmen halten und sich einschränken. „Auch die Jungen und Gesunden müssen sich sagen, dass sie das nicht für sich tun, sondern für die gesamte Gesellschaft“, sagt sie.

Derzeit ist die Arbeit des Schönebecker DRK stark durch die Corona-Pandemie eingeschränkt. Die wöchentlichen Dienste, ähnlich wie bei der Feuerwehr wichtig für die Ausbildung, können nicht mehr stattfinden. Sanitäter und damit auch die Rettungshunde können damit nicht trainieren. „Wir haben auch die privaten Kontakte untereinander eingestellt“, sagt Mingram-Schreiber. Das sei notwendig, um im Fall der Fälle einsatzbereit zu sein. Ausnahme ist ihr Ehemann, der sich ebenfalls beim DRK engagiert.

Hinzu kommen die Absagen von vielen öffentlichen Veranstaltungen, bei denen die DRK-Helfer oftmals als Sanitäter vor Ort sind. „Wir können nun für unseren Ortsverein nichts mehr dazu verdienen“, sagt Anett Mingram-Schreiber. Auch wenn der Salzlandkreis den Katastrophenschutz mitfinanziert, sind die ehrenamtlichen Helfer nun nicht zuletzt auf Spenden angewiesen.