Barby/Schöppenstedt l Die Kulturhalle der Barbyer Heimatfreunde war bis auf den letzten Platz besetzt, als Freitagabend Schöppenstedter und Barbyer zusammen feierten. Die 35 niedersächsischen Gäste vertraten Vereine, Verbände und die dortige Stadtverwaltung. Bei den Barbyern war es ähnlich.

Es war ein Abend der Rückbesinnung, oft begannen Sätze mit den Worten „.. wisst Ihr noch!?“. Zu den „Aktivisten der ersten Stunde“, wie Bürgermeister Strube sie bezeichnete, zählten einige Schöppenstedter ebenso wie Barbyer. Darunter auch Eckard Oswald, der 1990 einen Sitz im ersten demokratisch gewählten Stadtrat hatte. „Wir waren vollkommen unerfahren. Ihr habt uns gesagt, was wir machen sollen und was nicht“, brachte er die damalige Situation auf den Punkt. Die Schöppenstedter hatten damals tatkräftig geholfen, die Verwaltung aufzubauen. Und das, obwohl die niedersächsische Landesregierung – in der Hoffnung auf die Initiative der eigenen Kommunen – zunächst nur geringe Anstrengungen unternahm.

In seinem Rückblick unterstrich Bürgermeister Karl-Heinz Mühe (SPD) „ein glühender Anhänger der Einheit“ zu sein. Sein parteiloser Barbyer Amtskollege pflichtete ihm bei. Um langen Reden vorzubeugen interviewte Heimatvereinsvorsitzender Frank Sieweck die beiden Stadtoberhäupter. Das Resultat war ebenso interessant wie kurzweilig.

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Bericht von Grenzöffnung

„Ich habe den antifaschistischen Westwall von der anderen Seite geschützt“, outete sich Mühe als ehemaliges Mitglied des Bundesgrenzschutzes augenzwinkernd. Er berichtete, wie am 12. November 1989 in Mattierzoll die Grenze geöffnet wurde. Kurz darauf landete man in Hessen in der „Weinschenke“. Dort war den „Westlern“ ein junges Mädchen mit Alu-Milchkanne aufgefallen, die Bier für ein Hausschlachtefest holte. „Wir haben sie und ihre allein erziehende Mutter später in den Landtag nach Hannover eingeladen“, erinnerte sich Mühe. Als die Abgeordneten zur Mittagspause den Saal verlassen hatten, bat Mühe die 15-Jährige, sich auf den Platz des damaligen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht zu stellen, und (für ein Foto) so zu tun, als ob sie eine Rede hält. Was in der spontanen Erkenntnis mündete: „Mama, das wäre in der Volkskammer nie und nimmer möglich gewesen!“

Auch Jens Strube hatte diese bewegten Tage noch deutlich vor Augen. Seine Tochter sei damals hereingeplatzt und habe ihre Eltern unterrichtet, dass sie nach West-Berlin fährt. „Wenn die Tochter des Bürgermeister eines sozialistischen Regimes sagt, wir fahren nach West-Berlin, ist das für den eine große Herausforderung“, gestand Strube, der damals Mitglied der SED war.

Vier Tage nach der Grenzöffnung habe der Vorsitzende des Rates des Kreises bei einer Bürgermeisterdienstberatung eindringlich gewarnt: „Genossen, fahrt noch nicht in den Westen, wartet erstmal, was da noch kommt ...“

Was kam, war die Deutsche Einheit und zeitgleich die Städtepartnerschaft. Am 2. Oktober 1990 waren Barbyer in Schöppenstedt, am 3. Oktober die Niedersachsen zur Vertragsunterzeichnung zu Gast an der Elbe.

25 Jahre später feierte man gemeinsam in Barby. Und: Damals wie heute sang der Chor der Heimatfreunde.