Schönebeck l Dass er einmal Dezernent sein würde, hätte sich Joachim Schulke in jungen Jahren nicht träumen lassen. Der gebürtige Schönebecker, der im Juli 65 Jahre alt wird, hatte Maschinen- und Anlagenmonteur mit Abitur gelernt, dann Sportwissenschaft studiert. Er wollte Lehrer werden, doch das Parteibuch fehlte. Kein Problem, er wurde Trainer Kinder- und Jugendleistungssport Rudern in Magdeburg und Schönebeck. Die politische war für ihn auch eine berufliche Wende. Seitdem ist er in der Verwaltung. Erst als Mitarbeiter im Schul- und Sportamt, dann als Amtsleiter für Kultur und Sport. Seit 2009 ist er Dezernent und hat den Fachbereich Rechtsamt, Kultur, Sport und Ordnungsamt unter sich. Nun kann er die Stunden im Beruf zählen ...

Ein etwas anderer Rück- und Ausblick.

Ich packe meinen Koffer ...

Ganz wenige persönliche Dinge wie Grünpflanzen und Fotos. „Und ganz viele positive Erinnerungen. Aber auch viele negative, die ich hoffe, bald zu vergessen“, sagt Joachim Schulke.
Gern denkt er noch an die Übernahme der Sportstätten von der Treuhand in kommunale Trägerschaft zurück. „Das war eine gute Geschichte.“ Wäre das nicht passiert, wäre daraus vielleicht Bauland geworden. Und dann war da der Freibad-Umbau Ende der 1990er Jahre über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM). „Sonst wäre das Bad schon damals zu gewesen.“
Und woran denkt er nicht so gern? „An die ganze Diskussion zum Kombibad. Ich hätte nie gedacht, dass man das so zerreden kann“, gibt er kopfschüttelnd zu. „Ich denke, wir haben vernünftig gearbeitet. Doch das wird leider nicht von allen so gesehen.“
Sorgenfalten bereitet ihm auch die unzureichende finanzielle Ausstattung der Kommunen. „Es wird immer von kommunaler Selbstverwaltung geredet, aber nicht praktiziert. Die Rufe der Gemeinden werden oben einfach nicht gehört. Wir als Verwaltung möchten gern so viel für die Gemeinschaft machen, können es aber nicht.“

Eine wahre Herausforderung ...

Das Hochwasser 2013. Er ist Leiter der technischen Einsatzleitung gewesen. „Das war ein Ding für sich und hat einen doch ganz schön geprägt.“

Mein größter Erfolg ...

„Das ist die Summe der ganz vielen kleinen Dinge, die wir hier als Arbeitsteam erreicht haben. Dass es den Sport in Schönebeck gibt. Dass das Zusammenleben in der Stadt relativ geordnet läuft. Das ist auch ein Erfolg der Verwaltung und der Menschen dahinter, die mitmachen. Alleine kann man hier gar nichts bewegen, es müssen sich viele mitreißen lassen.“

Heute hätte ich anders entschieden über ... H

„...  einige Entscheidungen im Personalbereich. Und ich hätte bei einigen Dingen nicht so nachgiebig sein sollen, hätte mehr fordern sollen, gerade wenn es um den freiwilligen Bereich ging.“ Ihm sei bewusst, dass konsolidiert werden müsse. Aber so manche Einsparung sei nicht immer der richtige Weg gewesen, findet Joachim Schulke aus jetziger Sicht.

Projekte, die nicht umsetzbar schienen,  

Ja, die habe es wohl gegeben. Wie zum Beispiel das neue Wirtschaftsgebäude im Heimattiergarten. „Wir haben zehn Jahre gebraucht. Vom Gedanken, dass dort etwas passieren muss, bis zur Realisierung. Jetzt ist es zwar eine abgespeckte Version, aber funktional und neu.“
Oder der Umbau der Bühne auf dem Bierer Berg, wofür Spenden gesammelt worden sind. Erst hätte es geheißen, sie muss abgerissen werden, dann konnte das Vorhaben aber doch über AB-Maßnahmen realisiert werden.
„Man hat immer viele Projekte im Kopf. Oft braucht man einen langen Atem. Man muss immer wieder daran arbeiten, Allianzen und Kompromisse schließen. Aus meiner Sicht haben wir alle Dinge, die wichtig sind, auch angepackt.“

Ich bin dankbar für ...

Da gebe es so vieles ... Er konnte mitgestalten, mitarbeiten, entwickeln, seine Handschrift hinterlassen. So beispielsweise beim Entstehen des „Solequell“, bei den Konzepten für Schausiedehaus oder Kurhaus, beim Kinosaal-Umbau zum Dr.-Tolberg-Saal. „Wir haben immer alle gut zusammengearbeitet“, betont Joachim Schulke. Und ihn freue auch, dass der Heimattiergarten Bierer Berg nicht nur ein bisschen Tiere-Zeigen, sondern ein weltweit bekannter Zoo ist.

Aber ich freue mich jetzt auf ...

„Die Ruhe, das Besinnen auf sich selbst.“ Und dazu gehöre auch das Zurückerinnern, was damals der Antrieb zum Übungsleiter gewesen sei. „Ich möchte gern wieder im Verein aktiv sein, mein Wissen weitervermitteln – wenn der Verein es will.“ Joachim Schulke möchte ebenso mehr Zeit für die Familie haben und dreht ein Foto auf seinem Schreibtisch um – darauf seine Frau, seine Tochter mit Mann und seine zwei Enkelkinder. Und er möchte Freundschaften mehr pflegen.

Schönebeck wünsche ich ...

„Dass Rat, Verwaltung und Bürger das Positive der Stadt sehen und entwickeln“, so Joachim Schulke. Es würden immer nur die Dreckecken gesucht werden. Nein, man müsse auch sehen, dass sich vieles getan und sich die Kleinstadt entwickelt habe.

Das passiert mit dem Dezernat ...

Mit Blick auf die anstehende Änderung der Verwaltungsstruktur wird das Dezernat aufgeteilt. Die Bereiche Kultur und Sport gehen zum Dezernat Finanzen über, es wird ein Amt für Soziales, Kultur, Sport und Schule geben. Die Bereiche Ordnung und Sicherheit kommen zum Dezernat Hauptverwaltung.