Partnerschaft

Die Welt ist auch nur ein Dorf

Ein ganz besonderes Wiedersehen gibt es in Eggersdorf. Die Freunde der Partnergemeindeaus Eggersdorf Österreich werden zu Gast sein.

Eggersdorf l So ein Zufall. Vor mehr als zehn Jahren suchen zwei Bürger des kleinen Ortsteiles Eggersdorf in der Gemeinde Bördeland nach einem Ort, der den gleichen Namen tragen soll und zudem – so der Wunsch – vielleicht partnerschaftliche Kontakte wünscht. Beide Männer sind, obwohl es dort namentliche Treffer gibt, in den alten Bundesländern nicht erfolgreich. Der Grund: Die Bereitschaft dieser Orte Eggersdorf hält sich in bescheidenen Grenzen. Doch in einem anderen deutschsprachigen Land, gut 830 Kilometer vom Eggersdorf in der Börde entfernt, werden die Männer fündig. Wie sich später herausstellt sogar fast zeitgleich: Beide haben ohne Absprache miteinander Kontakte zu Eggersdorf bei Graz in Österreich aufgenommen. Die Welt ist eben auch nur ein Dorf.

Und der Zufall sorgt noch für einen anderen wichtigen Fakt, der die Basis dafür ist, dass das partnerschaftliche Zusammenleben zwischen Eggersdorf und Eggersdorf funktioniert: Der eine Mann, der auf der Suche ist, heißt Frank Lichtenfeld, der Vorsitzende der Schützengilde „Hubertus“, der sich einen sportlichen Wettkampf und Austausch wünscht und sich vielleicht später einmal auch Kontakte auf Gemeindeebene vorstellen kann. Der andere ist Klaus Ungewitter, der damalige Bürgermeister des Dorfes, der die mitreißende und manchmal spektakuläre Suche nach Partnerstädten in den alten Bundesländern lange beobachtet. Auf der einen Seite ist es also der Sport, auf der anderen die administrative Ebene.

Es dauert 10 bis 15 Jahre nach der politischen Wende, bis die Eggersdorfer diesen Schritt gehen und nicht den großen Städten nachstehen wollen. Was Schönebeck kann, schafft Eggersdorf schon lange ...

So versucht sich die Schützengilde „Hubertus“ Eggersdorf, die selbst eine lange Geschichte hat, nun in diese Tradition einzureihen. Die erste urkundliche Erwähnung findet sich in den Analen im Jahr 1926, als der Kleinstkaliber-Schießclub Eggersdorf erwähnt wird. Wie Vereinsvorsitzender Frank Lichtenfeld im Gespräch mit der Volksstimme weiter berichtet, erfährt die Schützengilde im Jahr 1995 die Neugründung. Lichtenfeld ist der einzige, der heute von den sieben Bürgern noch aktiv im Verein ist. Die Schützengilde zählt derzeit immerhin 44 Mitglieder.

Nachdem der Schießstand der Eggersdorfer im Jahr 2004 mit einer Fahnenweihe eingeweiht wird, ist der wohl wichtigste und letzte Schritt der Schützen vollbracht. Jetzt macht sich Frank Lichtenfeld auf die Suche nach Partner-Schützen.

Unterdessen in der Gemeinde: Ein Jahr später steht im Dorf ein großes Jubiläum an – 800 Jahre Eggersdorf. Dieser Doppelnull-Geburtstag soll im Sommer 2005 nach allen Regeln der Kunst gefeiert werden. Der damalige Bürgermeister von Eggersdorf, Klaus Ungewitter, sucht deshalb im Internet nach Orten, die ebenfalls Eggersdorf heißen und stößt dabei auf Eggersdorf bei Graz in Österreich. Er findet in Rupert Haas, dem damaligen Bürgermeister, einen offenen Ansprechpartner. So finden Eggersdorf und Eggersdorf langsam zusammen. Zur 800-Jahrfeier des deutschen Eggersdorfes ist Bernd Bauer vom österreichischen Schützenverein der erste Gast in der Börde.

„Seitdem lebt unsere Partnerschaft“, freut sich Gilde-Vorsitzender Frank Lichtenfeld. Vor allem sportlich, denn ähnlich wie beim Schach tragen die beiden Schützenvereine regelmäßige Fernwettkämpfe aus. Dabei wird sich auf ein einheitliches Prozedere geeinigt, die Schützen schießen und tauschen anschließend in versiegelten Umschlägen die Ergebnisse aus. „Alle zwei Jahre findet ein gegenseitiger Besuch statt“, so Lichtenfeld. Alle zwei Jahre nur? „Richtig. Das wollen wir so.“ Vielleicht ist genau das auch das Geheimnis, dass die Freundschaft zwischen den Vereinen und den Orten so gut funktioniert. Denn die Fahrt von Eggersdorf nach Eggersdorf dauert mit dem Bus gut einen Tag.

Die Deutschen und Alpenländer verstehen sich eben. Das bestätigt auch Bernhard Hottowy vom dortigen Schützenverein: „Frank Lichtenfeld und sein Team zeigen uns ihr schönes Land, wenn die deutschen Freunde bei uns zu Besuch sind, zeigen wir unser Land – können wir ja mit Bergen, Seen und Weinlandschaften aufwarten. Auch kulinarische Schmankerl gibt‘s auf beiden Seiten.“

Neben den Schützen fruchten ebenfalls die von Klaus Ungewitter initiierten Kontakte auf Gemeindeebene. Vor vier Jahren unterzeichnen die Bürgermeister Bernd Nimmich auf deutscher Seite und Johann Zaunschirm auf österreichischer Seite einen Partnerschaftsvertrag.

Noch heute ist Bernd Nimmich von seinem ersten Besuch in Eggersdorf begeistert, als die Deutschen mit 40 Frauen und Männern zum dortigen Musikfest der Vereine eingeladen sind. „Das war schon sehr beeindruckend, was dort auf die Beine gestellt wurde“, erinnert sich Nimmich.

Nicht nur das farbenfrohe Bild des sauberen und gepflegten Eggersdorf ist ihm in Erinnerung. Dass dabei aber die Grundvoraussetzungen so verschieden sind, darf nicht außer Acht gelassen werden: So zählt das österreichische Eggersdorf gut 6500 Einwohner mit 800 Arbeitsplätzen. Das hiesige Eggersdorf kommt da mit 1200 Einwohnern und 50 Arbeitsplätzen nur schwer hinterher.

Bernd Nimmich und die vielen anderen Besucher wurden vor zwei Jahren äußerst herzlich aufgenommen. Davon wollen die Gastgeber aus der Börde nun am kommenden Wochenende wieder etwas zurückgeben. Ein Vergleichsschießen wird es nicht geben. Warum? Dazu Bernhard Hottowy aus dem alpenländischen Eggersdorf: „Weil einige unserer Vereinsmitglieder fast das ganze Jahr für den Schießsport auf Achse sind – Landesmeisterschaften, Staatsmeisterschaften bis zu Weltmeisterschaften. Das heißt aber nicht, dass über den Schießsport nicht gesprochen wird.“