Barby/Staßfurt l Vermutlich kommen die Diebe mit Lastwagen vorgefahren. „Die Solartechnik ist ganz schön schwer und lässt sich nicht einfach wegtragen. Und die Diebe tun einfach so, als ob sie ordentliche Arbeiten erledigen würden“, sagt Marko Kopitz, Sprecher beim Polizeirevier Salzlandkreis. Um Photovoltaikanlagen in Größenordnungen aus Solarparks zu stehlen, nutzen die Diebe nach Erkenntnissen der Polizei schweres Gerät. Denn Photovoltaik wird auch bei Kriminellen immer beliebter. Zumal in großen kommerziellen Solarparks Anlagen im Wert von mehreren 100.000 Euro im Freien stehen. Erwischt werden die Täter nur selten.

So gab es auch im Salzlandkreis zuletzt vermehrt Fälle, in denen Kriminelle die Anlagen zur Gewinnung von Sonnenenergie heimgesucht habe. Erst Anfang Februar sind Diebe in Egeln in das Gelände der Solargroßanlage im ehemaligen Schacht Cäsar eingebrochen. Dort erbeuteten sie nach Angaben der Polizei mehr als 300 Solarmodule. Der Gesamtschaden soll sich auf 40.000 Euro belaufen. In Staßfurt wurde vor wenigen Tagen auf der Baustelle eines geplanten Solarparks eingebrochen und ein Notstromaggregat und Werkzeuge gestohlen.

Hohe Schäden

In den vergangenen Jahren nahm die Zahl der betroffenen Solaranlagen im Salzlandkreis zu. Nach Angaben der Polizei gab es 2017 gerade einmal einen Diebstahl von Solarzellen in Brumby, bei dem ein Schaden von rund 2500 Euro gemeldet wurde. 2018 wurden drei Fälle angezeigt: Grube Cäsar in Egeln (Schaden 15.000), Staßfurt (40.000 Euro) und der Solarpark Barby (150.000 Euro).

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Für 2019 meldete die Polizei vier Diebstähle an Solaranlagen: In Egeln gab es im Schacht Cäsar einen weiteren Fall (Schaden 17.000 Euro). In Staßfurt wurde im Juni von einer Photovoltaikanlage im Athenslebener Weg die Unterkonstruktion sowie Steuerungselemente gestohlen. Nach Angaben der Polizei entstand einer höherer vierstelliger Schaden.

Im Juli gab es einen Einbruch in einen Solarpark in Aschersleben in der Siemensstraße. Bei dem Diebstahl wurden bei 14 Modulen die Kabel abgetrennt und gestohlen. Der Schaden lag bei 4000 Euro. Aus Bernburg meldete ein Solarpark einen Diebstahl in Höhe von 5000 Euro.

Wertvollere Komponenten

Der Diebstahl im Solarpark Barby vom Dezember 2018 ist der bisher größte Fall. Unbekannte hatte auf der Anlage der Firma Sunfarming Technik im Wert von 150.000 Euro gestohlen. Dabei wurde auch deutlich, dass sich der Fokus der Diebe verlagert hat. Hatten es die Diebe früher noch auf die Solarzellen abgesehen, konzentrieren sie sich mittlerweile auf wertvollere Komponenten. „Die Solarzellen werden immer günstiger und bringen auf dem Gebrauchtmarkt vielleicht 30 Euro pro Stück. Aber die Wechselrichter haben einen Wert von rund 2000 Euro“, sagt Max Walter, Technischer Leiter beim Unternehmen Sunfarming aus Erkner bei Berlin.

Beute waren auch in Barby die wertvollen Wechselrichter. Diese Geräte wandeln den erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom um, der ins öffentliche Stromnetz eingespeist werden kann. Die Täter konnten bis heute nicht von der Polizei ermittelt werden.

„Wir stellen bei unseren Anlagen in Deutschland und in der Branche insgesamt fest, dass die Diebstähle zunehmen“, sagt der Technische Leiter. Sowohl bei der Polizei als auch bei der Firma Sunfarming wird vermutet, dass die Beute ins Ausland verkauft wird. „Es gibt Hinweise, dass die Anlagen in Osteuropa, aber auch in den Niederlanden gebraucht verkauft werden“, sagt Max Walter. In Deutschland sei es hingegen schwieriger, für gestohlene Anlagen die notwendigen Zertifikate zu bekommen. Module können zwar auch mit GPS und künstlicher DNA gesichert werden. Aber dabei stellt sich für die Unternehmen die Kostenfrage.

Spezialschlüssel nötig

Ganz schutzlos stehen die Solaranlagen allerdings nicht in der Landschaft herum. Die Solaranlagen sind in der Regel eingezäunt. Und die Technik wird mit Spezialschlüsseln verschraubt, die es nicht im Baumarkt zu kaufen gibt. „Selbst bei einer normalen Wartung brauchen wir eine Stunde, um die Technik abzubauen“, sagt Max Walter. Bei Dieben ohne passendes Spezialwerkzeug müsste es daher eigentlich noch viel länger dauern.

Zudem gibt es weitere Sicherungstechnik, auf die der Technische Leiter allerdings nicht im Detail eingehen möchte. Aber: „Die Diebe kundschaften die Anlagen so lange aus, bis sie auch Kameras, Alarmanlagen und Bewegungsmelder austricksen können“, sagt Walter.

Branchenverbände der Solarindustrie empfehlen außerdem, die angebrachte Schrauben an der Technik unbrauchbar zu machen oder zu verkleben, damit die Anlagen nicht abgebaut werden können. „Da müssen wir aber Aufwand und Nutzen gegeneinander aufwiegen. Wir müssen die Anlagen schließlich bei Bedarf auch noch austauschen können“, sagt Max Walter. Die Solaranlagen sind zwar versichert. Aber bei wiederholtem Diebstahl können die Beiträge eben auch steigen.

Dass Diebe alles stehlen, was nicht niet- und nagelfest ist, musste auch das Solarunternehmen Sonnenzeit feststellen. Die Firma aus Nordrhein-Westfalen ist Eigentümerin des Grundstücks Schacht Cäsar in Egeln, auch wenn sie den dortigen Solarpark nicht selbst betreibt. „Uns wurden in der Vergangenheit sogar schon hochwertige Zäune geklaut“, sagt Geschäftsführer Klaus Kordtomeikel. Seitdem empfiehlt er nur noch Maschendrahtzäune. Denn wenn Diebe wirklich einbrechen wollen, dann helfe auch der beste Zaun nichts mehr, so Kordtomeikel.