Diesel in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt haben rund 27 Prozent der Fahrzeuge einen Diesel-Motor. Nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes sind das etwa 330 000 Fahrzeugen. Davon entsprechen nur knapp 77 000 der höchsten Euro-6-Norm. Bei den meisten Diesel-Wagen handelt es sich um Fahrzeuge mit Euro-5-Norm (fast 135 000). Die schlechteste Norm, die Euro-1-Norm, haben nur 1283 Autos in Sachsen-Anhalt. Die meisten Diesel-Autos in Sachsen-Anhalt gibt es im Landkreis Harz (36 000), im Bördekreis (31 000) und im Saalekreis (30 500).

Im Sommer wurden im Land dutzende alte Dieselfahrzuege still gelegt. Allein im Salzlandkreis erließ die Zulassungsbehörde im Juni zehn solcher Stilllegungsverfügungen,

Umweltzonen gibt es in Magdeburg und Halle. Fahrverbote sind in Sachsen-Anhalt bisher nicht vorgesehen. Auch von den 14 Städten, in denen Umtauschprämien und Nachrüstungen angeboten werden, liegt keine in Sachsen-Anhalt. (ji)

Schönebeck l Zumindest der Blick auf die Preistafel ist für Besitzer von Diesel-Fahrzeugen in diesen Tagen noch ein Lichtblick. Kostet doch der Otto-Kraftstoff immer noch rund 20 Cent weniger pro Liter als Benzin. Doch davon abgesehen kommt der Diesel seit Monaten nicht aus den Negativschlagzeilen. Von der Volksstimme an der Tankstelle angesprochen machen viele Autofahrer ihrem Ärger Luft.

„Die Leute haben im guten Glauben einen Diesel gekauft und sind jetzt die Dummen“, sagt Thomas Gusinde aus Calbe, dessen Seat mit Diesel fährt. „Eigentlich müssten die Hersteller die Umrüstung der Autos bezahlen. Stattdessen habe ich ein Software-Update bekommen. Ich habe aber keine Ahnung, ob das etwas hilft.“ Der Konstrukteursmechaniker fürchtet, dass der Wert seines Autos sinkt.

Vorwurf: klarer Betrug

Torsten Wille hingegen hat seinen alten Diesel Audi A4 bereits vor rund zehn Jahren stillgelegt. „Ich pendle jeden Tag nach Magdeburg und damals wurde dort die Umweltzone eingerichtet. Da wäre ich mit der roten Plakette gar nicht mehr rein gekommen“, sagt der 54-jährige Berufsschullehrer. Deswegen hat er sich einen Benziner zugelegt.

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Doch auch wenn Torsten Wille nicht mehr von der Abgasmanipulation betroffen ist, hat er eine Meinung zu dem Thema. „Die Hersteller haben ganz klar betrogen. Das ist schon heftig“, sagt der Schönebecker. Demnach sollten die Unternehmer einen großen Teil der Umrüstungskosten tragen. Allerdings befürchtet er, dass das die Wirtschaft überfordern könnte.

Tobias Gelze hat trotz des Dieselskandals immer noch Vertrauen in die Technologie. „Ich bin beruflich viel unterwegs und überlege, ob ich von Benzin auf Diesel umsteige“, sagte der 31-jährige Großhändler aus Schönebeck. Er geht davon aus, dass die neusten Diesel-Modelle die Abgasnormen einhalten. „Vor allem viele Pendler sind auf den günstigeren Diesel angewiesen“, sagt Gelze. Die Abgasmanipulationen ärgern ihn dennoch. „Eigentlich müssten die Konzerne für den Schaden komplett aufkommen. Ich glaube aber nicht, dass das passieren wird“, sagt er.

Handwerker mit Problemen

Große Probleme sieht Frank Lücke auf Handwerker und Lieferanten zukommen. „Viele Lieferwagen gibt es gar nicht als Benziner“, sagt der 55-jährige Trockenbauer aus Magdeburg, der auf einer Baustelle in Schönebeck arbeitet und dienstlich sowie privat Diesel fährt. „Da werden sich einige Leute noch umgucken, wenn plötzlich keine Handwerker mehr in die großen Städte fahren. Das ist alles ein riesiger Mist.“ Lücke arbeitet selbst auf Baustellen in Berlin.

Notwendig seien daher Ausnahmegenehmigungen für Gewerbetreibende. Denn Benziner könnten sich viele Handwerker nicht leisten. „Da bleibt dann gar nichts mehr zum Leben übrig und man kann die Arbeit auch gleich lassen“, sagt Lücke.

Ein weitere Autofahrer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, hält die Fahrverbote hingegen für notwendig. „Jahrelang konnten die Diesel die Luft verpesten. Das muss aufhören“, sagt der Mann, der eine günstige und umweltfreundliche Alternative gefunden hat. „Ich fahre seit Jahren mit Erdgas. Das ist viel billiger.“ So kostet der Liter Autogas etwa 60 Cent, für den Umbau des Wagens habe er rund 3500 Euro bezahlt. „Mir geht es eigentlich nur ums Sparen. Dass Gas umweltfreundlicher ist, empfinde ich eher als positiven Nebeneffekt“, sagt er.