Einsatzfahrzeug

Drehleiter der Feuerwehr Schönebeck in kritischen Zustand

Schönebecks Stadtwehrleiter Daniel Schürmann betitelt das Drehleiterfahrzeug der Feuerwehr salopp als „Schrott“. Das in die Jahre gekommene Einsatzgerät muss dringend ersetzt werden. Die Anschaffung einer neuen Leiter soll vorgezogen werden.

Von Paul Schulz
Der Zustand der Drehleiter der Schönebecker Feuerwehr ist desolat. Nun soll die Beschaffung eines neuen Einsatzfahrzeuges vorgezogen werden.
Der Zustand der Drehleiter der Schönebecker Feuerwehr ist desolat. Nun soll die Beschaffung eines neuen Einsatzfahrzeuges vorgezogen werden. Foto: Tom Wunderlich

Schönebeck - Die Drehleiter ist eines der wichtigsten Einsatzfahrzeuge der Schönebecker Feuerwehr. Das stellen sowohl Stadtwehrleiter Daniel Schürmann, als auch Patrick Köhler, stellvertretender Wehrleiter der Kameraden aus der Tischlerstaße, klar. „Im Schnitt fährt die Drehleiter bei quasi jedem zweiten Einsatz mit raus. Auf ihre 120 Einsätze kommt die schon pro Jahr“, so Patrick Köhler.

Doch dieses wichtige Einsatzgerät ist in die Jahre gekommen – immerhin ist das Fahrzeug Baujahr 1996. Die technischen Mängel nehmen zu, was bei einem Gerät, das im Notfall einfach funktionieren muss, natürlich riskant ist. „Es gab teilweise Probleme, dass das Fahrzeug nicht angesprungen ist. Da mussten mitunter die Kameraden aus Calbe oder Magdeburg mit ihren Drehleiterfahrzeugen zu Hilfe kommen“, sagt Patrick Köhler. Und zwar sei die Leiter nach einer Überholung aktuell wieder einsatzfähig, doch es können immer wieder unerwartet technische Mängel auftreten.

Drastische Worte

Daniel Schürmann wählt drastische Worte, um das Fahrzeug zu beschreiben: „Die Drehleiter ist eigentlich Schrott. Daher müssen wir eine Neubeschaffung vorziehen.“ Und auch Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) sagte bei der Sitzung des Finanzausschusses: „Die Reparaturen beim alten Fahrzeug nehmen Überhand. Es ist nicht mehr wirtschaftlich, das alte Fahrzeug zu benutzen.“

Aus diesem Grund soll und muss also nun eine neue Drehleiter her. Und zwar schneller als ursprünglich geplant, denn eigentlich war die Beschaffung eines neuen Leiterfahrzeuges erst für 2023 vorgesehen. Doch die Situation erfordert eine Planänderung. Statt drei neuer Tanklöschfahrzeuge, die 2022 beschafft werden sollten, soll dafür die neue Leiter beschafft werden. Damit verschiebt sich die Beschaffung der Tanklöschfahrzeuge auf 2023. Das geht aus einer Beschlussvorlage hervor, über die der Stadtrat in seiner nächsten Sitzung am 15. Juli abstimmen wird. Stimmen die Stadträte zu, wird 2022 also eine neue Drehleiter beschafft.

Kostenpunkt: 800.000 Euro

Die Kosten belaufen sich laut der Beschlussvorlage auf etwa 800.000 Euro. Wie Bert Knoblauch im Finanzausschuss darlegte, müssen diese aus Eigenmitteln aufgebracht werden, da Fördermittelanträge abgelehnt worden seien. Geplant ist, diese Summe über einen Zeitraum von zwölf Jahren jährlich mit rund 66.600 Euro abzuschreiben.

Dass rechtzeitig reagiert und umgeplant wird, ist aber enorm wichtig. Patrick Köhler erklärt: „So eine Drehleiter gibt’s nicht bei Amazon. Die steht nicht plötzlich am nächsten Tag vor der Tür. Und sollte unsere durch einen gravierenden Mangel für längere Zeit ausfallen, wäre die Stadt gezwungen übergangsweise eine Drehleiter zu mieten – und das lassen sich die entsprechenden Firmen gut bezahlen.“ Denn für eine gemietete Drehleiter können pro Tag mehrere hundert Euro fällig werden.

Fahrzeuge begutachtet

„Vor der Tür“ standen aber zumindest schon Vorführfahrzeuge, wie Daniel Schürmann mitteilt. Vor wenigen Wochen habe man sich bereits Fahrzeuge angesehen. „Es wurden die gängigen Hersteller eingeladen, die uns ihre Vorführfahrzeuge präsentiert haben.“ Die technische Ausstattung ist bei den Modellen auf dem neuesten Stand. „Die Drehleitern lassen sich im Vergleich zu unserer derzeitigen Drehleiter auch von unten Steuern, es muss niemand oben im Korb sitzen und steuern“, nennt Schürmann ein Beispiel.

Doch warum ist eine Drehleiter überhaupt so unverzichtbar? Ganz einfach: Sie schafft den Kameraden mehr Handlungsspielraum. Besonders bei der Rettung von Personen aus Häusern oder Wohnblöcken ist die Drehleiter immens hilfreich. Mit ihr kann ein zusätzlicher Rettungsweg geschaffen werden, beispielsweise über ein Fenster, über den Personen gerettet werden können. Und auch bei der Brandbekämpfung kann das Drehleiterfahrzeug eingesetzt werden, indem die Feuerwehrleute von oben die Flammen bekämpfen oder nach verbleibenden Glutnestern Ausschau halten.

Gleiches Problen in Calbe

Übrigens: Auch in der Nachbargemeinde Calbe beschäftigt sich der Stadtrat derzeit mit dem Thema Drehleiter. Das Einsatzgerät der Saalestadt hat schon fast 20 Jahre auf dem Buckel und ist laut Kommune „hochgradig verschlissen“. Von der Stadt Calbe ist angepeilt in zwei Jahren eine neue zu besorgen.

Insgesamt betrachtet also eine heikle Situation, schließlich sollten sich die Calbenser und die Schönebecker Wehr gegenseitig mit der Drehleiter aushelfen können, falls das eigene Gerät streikt – aber beide Einsatzfahrzeuge sind in einem eher suboptimalen Zustand.