Schönebeck l Gerade wenn man glaubt, dass es schlimmer nicht kommen kann, geschieht das Unfassbare: An dem Wohnhaus in der Braunlager Straße in Schönebeck, das am Mittwochmittag gebrannt hat, haben sich jetzt besonders dreiste Diebe zu schaffen gemacht. „Zum jetzigen Zeitpunkt können wir sicher sagen, dass die Täter ein Fenster der geschlossenen Terrassentür mithilfe eines Gegenstandes zerstört haben, um in das Einfamilienhaus zu gelangen. Der Gegenstand wurde vor der zerstörten Scheibe gefunden“, so ein Sprecher der Polizei in Bernburg. Ob die Täter das Einfamilienhaus tatsächlich betreten haben, beziehungsweise was genau aus dem Wohnhaus gestohlen wurde, konnte die Polizei gestern bis Redaktionsschluss noch nicht bestätigen.

Fest steht jedoch, dass die Tat grob zwischen zirka 20.30 und 6.40 Uhr passiert sein muss. Denn am Mittwochabend musste die Feuerwehr erneut zu dem Haus ausrücken – es handelte sich jedoch um einen Fehlalarm. Donnerstagmorgen – gegen 6.42 Uhr – stellten Anwohner dann fest, dass sich Täter an dem Haus zu schaffen gemacht haben und alarmierten die Polizei.

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Ist ein derart dreister Vorfall eine Seltenheit? Michael Stier, Präventionsbeauftragter der Opferschutzorganisation „Weißer Ring“ aus Bernburg erklärt auf Anfrage der Volksstimme, dass in solchen Fällen häufig „echte Profis“ am Werk sind. So gebe es besonders dreiste Diebe, die sich darauf spezialisiert haben, beispielsweise in Medien gezielt nach Bränden oder anderen Vorfällen, nach denen ein Haus leersteht, zu suchen. Das muss auch in Schönebeck der Fall gewesen sein. Denn nach dem Brand wurde das Haus von Feuerwehrkräften als unbewohnbar eingestuft. „Die Täter durchforsten dann die Zeitung oder das Netz nach Vorfällen und fahren da gezielt hin“, so der Experte.

Dass es sich bei solchen Fällen beispielsweise um Nachbarn halte, sei hingegen äußerst unwahrscheinlich, so Michael Stier weiter. „In der Regel handelt es sich um professionelle Täter, die in höchstem Maße zielgerichtet vorgehen“, erklärt er.

Sicher ist niemand

Der Präventionsbeauftragte hat einen guten Tipp für Opfer: Bei vielen Wohngebäude-Versicherungen sei nach einem Brandfall ein 24-Stunden-Sicherheitsdienst inklusive, der genau solche Taten verhindern soll.

Doch auch generell gelte: So richtig sicher vor einem Einbruch sei niemand. Denn neben den organisierten Einbrechern gebe es auch genügend Täter, die weniger zielgerichtet vorgehen. „Drogenabhängige benötigen durchschnittlich 75 Euro pro Tag“, so Stier. Um an das Geld zu kommen, stehlen sie in den meisten Fällen. Das tückische an der Beschaffungskriminalität sei, dass die Täter hier viel wahlloser vorgehen. Er sagt: „In den meisten Fällen lohnt sich deshalb eine Alarmanlage – die schreckt grundsätzlich ab.“ Der Weiße Ring oder die Polizei beraten jedoch ebenfalls kostenlos und individuell.

Detlev Scherf vom Weißen Ring in Schönebeck sagt zudem: „Wenn Opfer eines Brandes und/oder Einbruchs finanzielle oder psychologische Hilfe brauchen, können sie sich ebenfalls an den Weißen Ring wenden.“ Die Telefonnummer in Schönebeck: (03928) 40 02 49.