Ärgernis

Einbruch-Gefahr: Stadt will „überbeleuchtete“ Straßen angehen - Wird es dunkler in Schönebeck?

Nach einem Anruf einer Leserin, die sich über die neuen LED-Lampen in Straßenlaternen beschwert, antwortet nun die Stadt Schönebeck auf den Vorwurf, es sei dunkler als vorher.

Von Sebastian Rose 13.07.2021, 10:31 • Aktualisiert: 18.08.2021, 11:36
Der Unterschied in Bad Salzelmen ist deutlich sichtbar. Allerdings wirkt hier die alte Glühlampe dunkler als die neue. Das ist nicht überall so.
Der Unterschied in Bad Salzelmen ist deutlich sichtbar. Allerdings wirkt hier die alte Glühlampe dunkler als die neue. Das ist nicht überall so. Foto: Andre Schneider

Schönebeck - „Gerade im Hinblick auf Einbrecher sind dunklere Straßenlichter doch gefährlich“, ist sich eine Anruferin bei der Schönebecker Volksstimme sicher. In dem Gespräch kristallisiert sich schnell raus: Laut der Leserin sind die neuen Straßenlaternen deutlich dunkler.

Zum Hintergrund: Seit geraumer Zeit verbaut die Stadt an verschiedenen Ecken Schönebecks neue LED-Lichter in die Straßenlaternen.

Nach einem EM-Spiel vor ein paar Tagen lässt sich die Situation gut betrachten. Es ist kurz vor Mitternacht. In der Nähe der Wohnung eines Volksstimme-Redakeurs in Bad Salzelmen sind zufälligerweise zwei verschiedene Leuchtmittel verbaut. Allerdings erscheint die Neuere deutlich heller. Was antwortet also die Stadt Schönebeck auf die Anschuldigungen der Leserin?

Seit 2012 wird LED-Technik verbaut

„Im November 2012 wurde mit der Umstellung auf LED-Technik unter dem Bahnbrückental in Schönebeck (Elbe) begonnen. Im Dezember 2012 ging es weiter in der Magdeburger Chaussee im Ortsteil Pretzien. Im Stadtteil Bad Salzelmen wurde im Februar 2014 in der Geyerstraße umgestellt“, erklärt Pressesprecher Frank Nahrstedt von der Stadt Schönebeck.

„In der 34. Kalenderwoche bekam die Friedrichstraße eine neue LED-Beleuchtung. Kontinuierlich wurde in weiteren Straßen ausgetauscht. Ziel ist die Umstellung der gesamten Straßenbeleuchtung von Schönebeck und seinen Ortsteilen“, so Nahrstedt weiter.

Um die Energiekosten zu senken, wurden und werden die herkömmlichen Natrium-Hochdruckdampftechnik, sogenannte NA-Leuchtmittel,  auf energiesparende LED-Technik umgerüstet. Weitere Maßnahmen hierzu werden noch in diesem Jahr im ganzen Stadtgebiet angegangen. Die ineffektivsten Straßen sollen vorrangig umgestellt werden.

„Die Umstellung erfolgte größtenteils unter Beibehaltung der gleichen Helligkeit. Da bei der Natrium-Hochdruckdampftechnik nur Leistungen von 50, 70, 100 und 150 Watt eingesetzt werden können, waren verschiedene Straßen der Norm entsprechend überbeleuchtet“, erklärt Nahrstedt.

Veränderungen sichtbar

Bedeutet: Es kann sein, dass ältere Lampen in gewissen Straßenzügen in der Vergangenheit heller gewesen sind, in manchen eben auch dunkler. Die zu hellen Straßen werden im Verwaltungsjargon als „überbeleuchtet“ tituliert. Ganz zum Argwohn der Anwohnerin, die in dem Telefont bestätigt: „Mehr Helligkeit bedeutet doch wohl auch mehr Sicherheit.“

Zur Erreichung der Klimaziele seien auch die Summe von einzelnen Kleinmaßnahmen wichtig, begründet die Verwaltung indes den Schritt. „Demzufolge werden überbeleuchtete Straßen neu berechnet und nur noch mit der wirklich notwendigen Leistung und damit auch geringeren Lichtausbeute betrieben. Die LED-Technik erlaubt sogar die Anpassung bis auf ein Watt genau“, schreibt Nahrstedt in seiner Antwort.

Fakt ist, LED-Leuchten verbrauchen mittlerweile bei generell gleicher Helligkeit weniger als die Hälfte an Energie. Zudem meint Frank Nahrstedt:  Konturen werden dennoch detaillierter erkannt.

Längere Haltbarkeit bei neueren Leuchtmitteln

„Zudem gewinnt das Thema Nachhaltigkeit mit der LED-Beleuchtung eine immer größere Bedeutung. Ein NA-Leuchtmittel erreicht circa 16.000 Betriebsstunden und muss bei jährlich 4.090 Betriebsstunden in der Straßenbeleuchtung alle vier Jahre erneuert werden. Neueste LED-Technik erreicht von 50.000 bis zu 100.000 Betriebsstunden.“

Erneuerungen bräuchten demzufolge erst nach zwölf oder im Idealfall nach 24 Jahren erfolgen. „Letztendlich verringern sich die Unterhaltungskosten, die Energiekosten sowie die Abfall- bzw. Entsorgungskosten. Die aus LED-Umrüstung entstandene Gesamtersparnis an Energiekosten für die Stadt Schönebeck beträgt bis zum heutigen Tag 166.500 Euro jährlich.“

Die Stadt Schönebeck spart folglich viel Geld bei der Umstellung, aber auch der Verdunklung, einiger Straßenzüge. Ob dies zur Lasten der Bürger-Sicherheit geschieht, wird sich in der Einbrechersaison in den Herbst- und Wintermonaten zeigen.

Im Dunklen sind die Unterschiede noch besser zu erkennen.
Im Dunklen sind die Unterschiede noch besser zu erkennen.
Foto: Andre Schneider