Calbe l Der Satz, dass Pilzkopfverriegelungen vor Einbrüchen ein Höchstmaß an Sicherheit bieten, hätte Fred Brehmeier bei seinem Besuch in Calbe als Dauerschleife wiederholen lassen können. Brehmeier gehört zum Landeskriminalamt (LKA) in Magdeburg. Mit dem Präventionsmobil des LKA war er auf Stippvisite in der Saalestadt und stellte sich den Fragen der Anwohner. Diese drehten sich vornehmlich um den Fensterschutz.

Pilzkopfverriegelungen als Einbruchsschutz seien hier optimal, führt er vor allem älteren Calbensern das Fensterverschlusssystem mit abschließbarem Fenstergriff vor. Er wisse jetzt, worauf es ankommt, konstatiert ein Calbenser, der seinen Namen aus Angst vor Einbrüchen nicht offenlegen möchte. Aber er gibt zu, dass bei seinem Eigenheim noch keine derartigen Verriegelungen vorhanden seien. Die Notwendigkeit zum Nachrüsten hat ihm Brehmeier spätestens aufgezeigt, als der LKA-Beamte innerhalb von Sekunden ein Fenster öffnet. Dreimaliges Ansetzen mit der Brechstange, Aushebeln und das Fenster ist offen. Der Zuschauer hat noch nicht bis zur Zahl Fünf gezählt, da ist Fred Brehmeier mit der Vorführung an dem Fenster ohne Pilzkopfverriegelung am Ende. Der besorgte Anwohner möchte nun nachrüsten. Dann aber fielen rund 200 Euro an - pro Fenster.

Zerschlagene Scheiben sind selten

Dem Hausbesitzer ist diese Investition wert. Er überlegt, auch die Terrassentür, vor der sich aktuell lediglich eine Jalousie befinde, mit einer solchen Verriegelung zu versehen. Aber er macht sich auch Sorgen. Schließlich könnten die Glasflächen der Terrassentüren (oder Fenstern) schlichtweg eingeschlagen werden. Das aber, kommentiert Brehmeier, komme bei Privathaushalten sehr selten vor. „Ein bis zwei Täter im Jahr schlagen die Scheibe ein und verschaffen sich so Zutritt“, versucht er, den Calbenser mit statistischem Zahlenmaterial zu beruhigen.

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Schließlich riskiere der Täter bei dieser Vorgehensweise, sich zu verletzen und auf diese Weise DNA-Material zu hinterlassen. Aber er sagt auch, dass der unbefugte Zutritt über Terrassentüren seit Jahren Spitzenreiter ist. Oftmals liegt diese nämlich von der straßenabgewandten Seite. Für jeden Eigenheimbesitzer wichtig zu wissen: „Ein Täter kann - wenn auch mit der großen Brechstange - bis zu einer Tonne Kraft auf Fenster oder Tür ausüben“, gibt er den Ratsuchenden mit auf den Weg.

In den Beratungen versucht der Kriminalhauptmeister den Bürgern zusätzlich die Augen gegen den hier und da eingekehrten Alltagstrott zu öffnen. Auf der Hut zu sein und Einbrechern so wenig Angriffsfläche wie möglich zu bieten, bedeutet auch, beim Verlassen des Hauses angekippte Fenster – auch die in Bad oder Küche – zu schließen. Stünde ein Urlaub an, sei das Hinterlassen eines belebten Eindruckes sicherer als eine Vollverriegelung. Gegebenfalls könnte der Schlüssel dem Nachbarn anvertraut werden. „Ich gehe sogar mit, wenn jemand die Schlüssel im Garten vergräbt und sich zum Ausgraben erst den Spaten vom Nachbarn holen muss“, sagt Fred Brehmeier.

Täter nutzen Ortskenntnisse

Täter nutzten darüber hinaus Deckungen der jeweiligen Örtlichkeiten. Meistens handele es sich bei Einbrechern um „ortsansässige“ Täter aus einem Umkreis von 20 bis 30 Kilometern.