Schönebeck l Einsteigen in das neue Sonderfahrzeug der Wasserwacht Schönebeck ist so eine Sache – es gleicht einer Klettertour, wenn man in das Führerhaus will. Auf den durchaus gut gefederten Sitzen lässt es sich dann aber ganz gut residieren – ziemlich hoch über dem Boden. Rettungsschwimmer Jens Machemehl von der Wasserwacht trotzt den Hürden und lässt sich auf den Sitz fallen – nur zur Probe. Fahren darf er das Ungetüm (noch) nicht. Um das rund 250 PS starke Allradfahrzeug mit einem Gewicht von 13 Tonnen bewegen zu dürfen, braucht es einen Laster-Führerschein.

Aber ohnehin müssen die Ehrenamtlichen das neue Fahrzeug erst einmal genau unter die Lupe nehmen. Denn nachdem der Laster bereits Mitte Dezember im Institut für Brand- und Katastrophenschutz in Heyrothsberge gemeinsam mit fünf weiteren Exemplaren von Innenminister Holger Stahlknecht offiziell an die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) in Halle (Saale) und im Saalekreis sowie an die DRK-Kreisverbände in der Börde, Wittenberg und dem Jerichower Land übergeben wurde, verweilte das Auto der Salzlandkreisler danach nochmals beim Ausrüster. Einiges, darunter zum Beispiel eine Anti-Rutsch-Leiste für den Laderaum, musste noch nachgerüstet werden.

Für Hochwassereinsätze

Rund 230.000 Euro hat das Gefährt mit Automatikgetriebe gekostet. Konzipiert sei der Wagen für die Wasserrettung bei Hochwassereinsätzen, erklärt Jens Machemehl. Das Auto sei daher auch watfähig, könne also in niedrigem Wasser fahren. Das erklärt auch die Einstiegshöhe des Kraftprotzes. Im großen Auflader befinden sich neben einem Mannschaftszelt auch ein Eisrettungsboot sowie eine Taucherausrüstung. Daneben gibt es in dem großzügigen Metallkasten auch Sanitätsrucksäcke speziell für die Wasserrettung. Aber im Auto sind auch Feuerwehrutensilien wie ein Kompressor oder eine Axt verstaut. Ein echter Allrounder also.

Gebaut hat das Fahrzeug der Lasterproduzent MAN mit Sitz in München. Für die Nutzung als Katastrophenschutzfahrzeug wurde der Wagen anschließend von der Firma BTG Brandschutztechnik Görlitz GmbH modifiziert. Dort bekam er dann unter anderem Digitalfunk, eine Sondersignalanlage, einen schwenkbaren Lichtmast für die perfekte Ausleuchtung sowie das Martinshorn – in den Worten von Jens Machemehl: „Das volle Programm.“

Führerscheine vom Kreis

Und damit aus dem aktuellen Kilometerstand (rund 600) auch mehr werden, wird Machemehl auch den entsprechenden Führerschein ablegen müssen. Kein Problem: „Der Salzlandkreis wird zwei Lkw-Führerscheine bezahlen“, erklärt Ralf Schreiber, Leiter vom Wasserrettungszug. Dem wirke dann auch das Problem entgegen, dass es generell zu wenige Fahrer für solche Fahrzeuge gebe. „Das Problem ist überall das gleiche. Der Umtausch der alten DDR-Führerscheine ist nicht möglich, für einen Neuen müssen wieder entsprechende Prüfungen abgelegt werden“, so Schreiber. Eine gute Chance für die jüngeren Ehrenämtler, wie Jens Machemehl. In nächster Zeit wird am Fahrzeug aber erst einmal geübt, um sich mit der Technik vertraut zu machen. An der richtigen Sitzeinstellung muss Machemehl dann nicht mehr justieren.

Die Wasserwacht, zu der auch der Wasserrettungszug gehört, ist Teil des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und wirkt im Katastrophenschutz mit. Der Katastrophenschutz ist Aufgabe der Landkreise.